Oldenburg /Orlando Velten Meyer lebt seit sechs Jahren in den USA, besucht aber im Sommer immer seine Familie in Sandkrug (Landkreis Oldenburg) für einige Wochen – und spielt dann auch ein paar Runden bei seinem Verein, dem Oldenburgischen Golfclub (OGC). Die Entfernung von seiner Heimat zu seinem jetzigen Wohnort Orlando beträgt 7500 Kilometer. Eine ordentliche Strecke, die er auch in diesem Sommer zurückgelegt hat – hin und zurück.

Ab September aber wird Meyer noch viel mehr reisen müssen. Denn dann startet der 23-Jährige, der seit zwei Jahren Profi ist, bei der PGA-Tour in Lateinamerika. Dafür hat er sich im Januar qualifiziert. „Die meisten Turniere sind dann in einem anderen Land“, berichtet der Oldenburger, „21 Turniere in 14 Ländern insgesamt“. Acht davon stehen in der zweiten Jahreshälfte noch aus, fünf davon in Mittelamerika – das ist von Orlando aus „nur“ ca. 1200 (Jamaika, Dominikanische Republik) bis 3700 Kilometer (Tijuana/Mexiko) entfernt. Es finden aber auch zwei Turniere in Argentinien statt – Luftlinie 7000 Kilometer von Orlando entfernt.

Pro Turnier sei man eine Woche unterwegs: „Da gehen auch die Kosten in die Höhe.“ Eine Saison koste etwa 80 000 bis 100 00 Euro. „Ab und zu gibt es ein Preisgeld, aber das reicht bei weitem nicht. Die ersten Jahre sind Investment“, erklärt Meyer.

Und das ist nicht das einzige Hindernis, das er überwinden muss: „Mit der Sprache wird es auch schwer. Die Einheimischen sprechen kein deutsch und kaum englisch“, weiß er. Die Südamerika-Tour habe in etwa das Niveau der Challenge-Tour, die nach der European-Tour die zweithöchste Tour auf dem europäischen Kontinent ist.

Mit dem Golfspielen angefangen hat er mit neun Jahren. „Ich bin im Urlaub zufällig über eine Driving Range gestolpert“, erzählt Meyer. Dann hat er beim Golfclub Oldenburger Land angefangen, ist aber schnell nach Rastede zum OGC gewechselt.

Nach seinem Abitur an der Liebfrauenschule in Oldenburg hat er ein Golfstipendium in den USA erhalten und vier Jahre lang in Louisiana studiert. Die Kosten von etwa 25 000 Euro pro Jahr wurden für ihn bezahlt – und er konnte in einem Uni-Team spielen.

Wie man ein Stipendium bekommt? „Das geht viel über Turnierergebnisse in der Jugend. Vor allem wird gern gesehen, wenn man internationale Turniere spielt“, erklärt Meyer. Dann können die Trainer die Leistungen gut vergleichen. „Auch Videos wollen sie sehen“, ergänzt Meyer.

Videos gibt es von dem jungen Golfer inzwischen einige. Und vor allem eines haben bereits hunderttausende Menschen gesehen. Darin nimmt Meyer einen Golfball aus einem Sandbunker mit seinem Schläger auf, „jongliert“ ihn viermal in die Luft und bugsiert ihn dann aus der Luft ins etwa 15 Meter entfernte Loch. „Wenn man viel trainiert, fängt man irgendwann an, herumzuspielen“, erzählt Meyer. „Das macht einfach Spaß, um eine gewissen Lockerheit zu behalten.“

Es gäbe ein paar Jungs, die nur noch so genannte „Trickshots“ machen und auf Instagram hochladen. „Die haben inzwischen 500 000 Follower“, sagt Meyer. Sein Ding wäre das trotzdem nicht – er möchte Turniere spielen.

Profi ist Meyer zwar seit zwei Jahren, so richtig in Vollzeit aber erst seit Mai. Da hat er in Orlando seinen Masterabschluss gemacht, und seitdem seinen Trainingsumfang noch erhöht. Auch Fitnesstraining hat er eingebaut. „Das ist wichtig für die Stabilität beim Schwung“, erklärt er. Außerdem trainiert er Kraft („Je weiter ich schlagen kann, desto besser“) und Ausdauer: „Man kommt zwar nicht aus der Puste, aber man muss sich fünf Stunden konzentrieren – auch bei 35 Grad.“ Bei einer längeren Runde kämen auch mal 27 000 Schritte oder 20 Kilometer zusammen – teils mit Golftasche auf der Schulter.

Er trainiert viele Intervalle, um seinen Puls schnell wieder herunterfahren zu können – auch am Ende eines Tages und mit viel Adrenalin.

Immerhin: Auf der PGA-Lateinamerika-Tour sind Caddys Pflicht. Das Tasche tragen fällt also weg – die Reisen muss er aber trotzdem auf sich nehmen.

New strategy? ⛳️💯 @golf_gods

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Mathias Freese
Redakteur
Sportredaktion

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