Goldenstedt /Essen Nach dem Standort Goldenstedt (Kreis Vechta) hat das Land auch die Zulassung für die Firmenzentrale in Essen im Kreis Cloppenburg still gelegt. Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) und das Landwirtschaftsministerium prüfen zudem, ob dem Unternehmen die Zulassung entzogen wird, sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Hannover. Damit hat das Unternehmen zwei bis vier Wochen Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern beziehungsweise Missstände abzustellen.

Unternehmen fiel bereits öfter auf

Die Behörden werfen dem Unternehmen vor, Listerienfunde bei Eigenkontrollen nicht an den Landkreis weitergeleitet zu haben. Bei einer „sehr umfangreichen Kontrolle“ von Dienstagmorgen bis in den späten Abend seien keine Hinweise gefunden worden, dass die Firma die Keimfunde eigeninitiativ gemeldet habe. Nun werde geprüft, ob die Firma weitere belastete Produkte in den Verkehr gebracht habe. Neuerliche Rückrufe gibt es bislang noch nicht. Auf welchem Weg die Listerien ins Fleisch gelangen konnten, sei derzeit noch offen.

Lesen Sie auch:
Fragen und Antworten zum Listerien-Fall in Goldenstedt
Strafanzeige Gegen Fleisch-Krone
Fragen und Antworten zum Listerien-Fall in Goldenstedt

Am vergangenen Freitag hatten die Behörden bereits die Betriebserlaubnis für die Produktion in Goldenstedt aufgehoben. Zuvor waren bei einer Kontrolle Listerien in Fertigfrikadellen der Firma gefunden worden, daraufhin wurden Frikadellen zurückgerufen. Das Unternehmen stand bereits unter verschärfter Beobachtung der Behörden beider Landkreise, weil es „in der Vergangenheit schon auffällig gewesen ist“. Nach Angaben der Ministeriumssprecherin ist unter anderem derzeit ein Bußgeldverfahren gegen das Unternehmen offen.

Immer mehr Verdachtsfälle bei Wilke

Das Laves hatte am Dienstag Strafanzeige gegen die Firma erstattet. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg soll nun klären, ob sich das Unternehmen mit den mutmaßlich verschwiegenen Listerienfunden strafbar gemacht hat. Das Landesgesundheitsamt konnte bisher keine Zusammenhänge zwischen den Keimfunden und Listerioseerkrankungen feststellen.

Listeriosen sind durch Listerien hervorgerufene meldepflichtige Erkrankungen. Bei gesunden Menschen ist die Bakterieninfektion in der Regel ungefährlich und äußert sich oft mit Durchfall und Bauchschmerzen. Bei älteren und kranken Menschen kann die Krankheit tödlich verlaufen.

Lesen Sie auch:
Sieben Fakten  für sichere Lebensmittel
Listerien-Skandal In Fleischfirma
Sieben Fakten für sichere Lebensmittel

Erst im Oktober war die Firma Wilke in Nordhessen wegen Listerienbefalls geschlossen worden. Die in der Wilke-Produktion gefundenen Keime werden mit aktuell 25 Todesfällen in Deutschland, unter anderem in Niedersachsen, in Verbindung gebracht. Bei wie vielen Fällen die Krankheit auch die Todesursache war und bei wie vielen Todesfällen eine Listeriose unbemerkt blieb, wird wohl nicht mehr zu klären sein. da die Fälle oft Monate zurück liegen. Die ersten Wilke-Todesfälle datieren bereits auf das Jahr 2018.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.