Westerstede Ein Schlaganfall führt zu gravierenden neurologischen Ausfällen, ein Unfall verursacht ein schweres Schädel-Hirntrauma, ein Hirntumor führt zu Ausfällen oder das Nervensystem ist durch eine Entzündung geschädigt: Krankheiten und Verletzungen wie diese haben oft eine langwierige Behandlung zur Folge. Klar, dass für die Patienten die ersten Anlaufstelle zunächst die Klinik ist. Doch was geschieht im Anschluss?

Bei der „Neurologischen Frührehabilitation“ sollen schwere Verläufe gemildert und die geschädigten Funktionen sanft reaktiviert werden. Mussten die Patienten früher in der Region und darüber hinaus nach einem geeigneten Angebot suchen, gibt es das jetzt vor Ort. Im April wurde die Neurologische Frührehabilitation an der Ammerland-Klinik eröffnet.

Wie Dr. Michael Besselmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie, betont, sei damit die Versorgungskette für die Patienten optimiert worden. Kranke der Behandlungsphase B – Frührehabilitation – bedürften oft noch der intensivmedizinischen Betreuung. „Der Zustand kann wechseln und sich akut verschlechtern“, beschreibt er den fließenden Übergang. Daher sei es sinnvoll, vor Ort jederzeit auf die Struktur und das Angebot einer Akutklinik zurückgreifen zu können. „Wir möchten eine aus Patientensicht adäquate Versorgung gewährleisten.“

Viel Erfahrung bringt der Rehabilitationsmediziner Dr. Antonio Santoro mit. Der 58-Jährige hat seine Ausbildung in Italien absolviert und im Anschluss in verschiedenen Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen in Deutschland gearbeitet. Zuletzt war er als Leitender Arzt der Neurologischen Frührehabilitation an den Median Kliniken in Bad Salzuflen beschäftigt.

„Für jeden Patienten braucht man eine eigene Strategie“, sagt er. Und Geduld, denn eine Behandlung könne bei schweren Verläufen durchaus auch drei Monate und länger dauern. Selbst bei Wachkoma-Patienten könne man durch das Setzen von Grundreizen etwas bewirken und versuchen, das Gehirn zu reaktivieren.

Ziel sei es, den Allgemeinzustand des Patienten zu verbessern und Folgeschäden der Krankheit zu minimieren. Dabei können selbst kleine Erfolge die persönlich empfundene Lebensqualität der Betroffenen, die häufig immobil und inkontinent sind sowie künstlich ernährt werden, steigern. „Selbst nach so langer Zeit bin ich manchmal überrascht, wie sich jemand entwickelt. Aber es gibt keine feste Regel“, sagt Dr. Santoro Sicher sei aber, dass sich eine frühe Förderung positiv auswirke.

Zusammengearbeitet wird dabei mit der Neurologie der Ammerland-Klinik und der Neurochirurgie des Bundeswehrkrankenhauses. Zur optimalen Versorgung von Frühreha-Patienten gehört außerdem die therapeutische Pflege, die Physio- und Ergotherapie, Logopädie und die Neuropsychologie. Aber auch Beatmungstherapeuten sind bei der Entwöhnung vom Beatmungsgerät gefragt.

Mit dem neuen Frühreha-Angebot erweitere die Ammerland-Klinik ihr Leistungsspektrum, unterstrich der Medizinische Geschäftsführer Dr. Matthias Haut. Aktuell stünden sieben Betten zur Verfügung, die bereits belegt seien. Insgesamt 20 seien geplant. Dafür soll der Gebäudetrakt C aufgestockt werden. „Wir hoffen auf eine Fertigstellung Ende kommenden Jahres.“

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Kerstin Schumann Redakteurin / Redaktion Westerstede
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