Oldenburg Bei der auch als „Blutvergiftung“ bekannten Sepsis handelt es sich um eine außer Kontrolle geratene Entzündung, die sich schnell im gesamten Organismus verbreiten und zu einem multiplen Organversagen führen kann. Ohne eine umgehende intensivmedizinische Intervention verläuft die Erkrankung fast immer tödlich.

Multiples Organversagen: eine gefürchtete Folge der Sepsis.

Selbst wenn sofort geeignete Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, könne man bei einer fortgeschrittenen Sepsis leider nie mit Sicherheit sagen, ob das Fortschreiten des Entzündungsprozesses gestoppt werden kann, berichtet Prof. Dr. Andreas Weyland, Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie/Intensiv/Notfallmedizin/Schmerztherapie im Klinikum Oldenburg. „Im schlimmsten Fall breitet sich die Sepsis wie eine Lawine unkontrollierbar und unaufhaltsam im Körper aus. Der Patient muss dann mit einem akuten Versagen lebenswichtiger Organe wie etwa der Nieren, der Leber oder der Lunge rechnen.“

154 000 Fälle pro Jahr

Bundesweit erkranken pro Jahr rund 154 000 Menschen an einer Sepsis. Mehr als ein Drittel von ihnen stirbt an der Erkrankung. Auf nicht-kardiologischen Intensivstationen ist die Sepsis die häufigste Todesursache. Auf die Bedeutung der Sepsis wurde in der vergangenen Woche im Rahmen des Welt-Sepsis-Tages hingewiesen, der weltweit von mehr als 3000 Institutionen unterstützt wurde.

Was verursacht Blutvergiftung?

Ursache einer Sepsis ist eine Infektion, bei der – etwa als Folge einer Lungenentzündung oder einer mangelhaft versorgten Wunde – gefährliche Keime in den Blutkreislauf geraten. Je nach Art der eingedrungenen Bakterien, Pilze oder Viren erfolgt einerseits ein mehr oder weniger gravierender toxischer Angriff, von dem das Gewebe und die Organe betroffen sein können.

Die körpereigene Abwehrreaktion zur Bekämpfung der Eindringlinge kann zu einem weiteren großen Problem werden, wenn die dabei ausgeschüttete Vielzahl von Botenstoffen die Leistungsfähigkeit des Körpers überfordert, erklärt der Leitende Oberarzt Dr. Jörg Zundel: „Das Immunsystem bekämpft dann nicht nur die Infektion, sondern letztlich auch körpereigene Gewebestrukturen, was zu erheblichen Schädigungen bis hin zum Funktionsausfall von Organen führen kann.“

Septischer Schock: Behandlung im Krankenhaus nötig.

Eine Sepsis erfordert nahezu immer eine stationäre Versorgung in einem Krankenhaus, weil genau abgeklärt werden muss, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist und ob es schon zu Folgeschäden gekommen ist. Der Grund ist, dass sich die Krankheitserreger beziehungsweise die von ihnen produzierten Gifte vom Entzündungsherd aus im gesamten Körper verbreiten. Bei einer schweren Sepsis versagen die betroffenen Organe, was zur unmittelbaren Lebensgefahr führt.

Schnell handeln

Das gilt um so mehr bei einem septischen Schock, der zusätzlich durch einen massiven Blutdruckabfall gekennzeichnet ist. Genau diese Entwicklung tritt ein, wenn eine Sepsis nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Ein septischer Schock führt trotz intensivster Therapie bei 30 bis 50 Prozent der Betroffenen zum Tod.

Mit zügig eingeleiteten medizinischen Gegenmaßnahmen kann man vielen Patienten helfen, betont Oberarzt Dr. Florian Jelschen: „Mit der Gabe geeigneter Antibiotika, einer schnellen intravenösen Flüssigkeitszufuhr und gezielten Maßnahmen zur Stärkung des Blutkreislaufs lassen sich die Überlebenschancen verdoppeln. Bei dem Verdacht auf eine Sepsis sollten die Betroffenen daher sofort in ein geeignetes Krankenhaus gebracht werden.“

An einer Sepsis kann jeder erkranken. Besonders gefährdet sind Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem wie Früh- und Neugeborene oder sehr alte Menschen, die in einem schlechten gesundheitlichen Allgemeinzustand sind. Unabhängig vom Lebensalter erhöht sich das Risiko nach einer großen Operation, einer Lungenentzündung, der Entfernung der Milz, einer schweren Erkrankung wie Krebs oder schweren Verletzungen und Verbrennungen. Da diese Patienten in der Regel stationär behandelt werden, entsteht eine Sepsis in rund 60 Prozent der Fälle während eines Krankenhausaufenthalts.

Die Behandlungeiner Sepsis muss auf mehreren Ebenen erfolgen. Neben einer effektiven Bekämpfung der Akut-Folgen muss gezielt gegen die Ursache der Infektionsentzündung vorgegangen werden. Erst wenn das gelungen ist, besteht eine Chance, auch die Sepsis mit Erfolg bekämpfen zu können. Die effektivste Maßnahme ist meistens eine hoch-dosierte Antibiotika-Gabe über die Vene. Zur Beseitigung der Infektionsquelle kann zusätzlich eine OP nötig sein.

Wenn die Betroffenen körperlich sehr geschwächt sind, kann während der Sepsis-Behandlung auch eine intensivmedizinische Unterstützung der Organfunktionen erforderlich sein, betont Prof. Dr. Andreas Weyland. Neben einer intravenösen Flüssigkeitsgabe und hochwirksamen Medikamenten zur Stabilisierung der Herz-Kreislauffunktion, einer künstlichen Beatmung zur Unterstützung der Lungenfunktion sowie der Sicherstellung der Sauerstoffversorgung kann auch die Herbeiführung eines künstlichen Komas nötig sein. Ziel sei immer, die Organfunktionen möglichst zu erhalten.

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