LOHNE Dass ein Band im Fußgelenk gedehnt oder gerissen sein könnte, hat wohl jeder schon einmal gespürt, der etwa beim Stolpern an der Bordsteinkante oder durch äußere Einwirkung beim Sport mit dem Fuß umgeknickt ist. Auf den Schmerz folgt im Verletzungsfall umgehend eine Schwellung des Außenknöchels, die von einem Bluterguss begleitet wird. Typisches Anzeichen ist zudem eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit und Belastbarkeit. „Sehr schmerzhaft ist vor allem das seitliche Abknicken des verletzten Fußes“, berichtet Dr. Carlos Guzman, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie im St. Franziskus-Krankenhaus in Lohne. Dr. Guzman behandelt dort in der Notaufnahme pro Woche durchschnittlich 20 Patienten mit einem akuten Bänderriss.

Eine Art Weichteilgewebe

Die drei Außenbänder und das Innenband des Fußes verbinden am oberen Ende des Sprunggelenks das Waden- und das Schienbein mit dem Sprungbein und dem Fersenbein. Die aus einer Art Weichteilgewebe bestehenden Bänder sorgen im Fußgelenk gleichermaßen für Stabilität und Elastizität. Beim Umknicken des Fußes reichen Dehnbarkeit und Stabilität des Bandapparats oft nicht aus. „Es kann dann zu einem Riss des Weichteilgewebes kommen“, so Dr. Guzman.

In den meisten Fällen ist das verletzte Band nicht komplett in zwei Stücke durchtrennt worden. Bei leichteren Verletzungen wurde vielmehr nur ein Teil der Gewebefasern auseinandergerissen. Das Band ist dann an der verletzten Stelle zwar geschwächt, kann aber – ausgehend von den intakten Gewebeverbindungen – nach und nach wieder zusammenwachsen. Verantwortlich für den Bluterguss und die Schwellung sind die ebenfalls geschädigten Gelenkkapseln, in denen die Bänder wie in einer Schutzhülle eingebettet sind.

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Die Diagnose eines akuten Bänderrisses ist aufgrund der typischen Anzeichen wie Belastungsschmerz, Instabilität und Schwellung des Fußes schon nach einer kurzen Untersuchung möglich. Der Betroffene werde zunächst mit einem Tape-Verband versorgt. Mt der Empfehlung, den Fuß mit zwei Gehstützen zu entlasten sowie den Unterschenkel hoch zu lagern und regelmäßig zu kühlen, werde der Patient bis zur Kontrolluntersuchung nach der Akut-Versorgung wieder entlassen. „Denn wie schwer die Verletzung ist, kann man meistens erst vier oder fünf Tage später feststellen“, so der Chefarzt der Unfallchirurgie.

In dieser Zeit sei die Schwellung in der Regel soweit zurückgegangen, dass man mittels Röntgenbildern und Kernspintomographie die genaue Stelle und Ausdehnung der Weichteilverletzung des jeweiligen Bandes identifizieren könne. Nicht zuletzt sei dabei auch erkennbar, ob unzureichend oder gar nicht behandelte Altverletzungen vorliegen oder das Band an einer besonders ungünstigen Stelle – wie etwa direkt am Knochenansatz – gerissen ist.

Orthese stabilisiert

Anders als noch vor 15 oder 20 Jahren kommt man bei einem Bänderriss im Sprunggelenk heute in der Regel ohne eine Operation aus. Der Patient bekommt stattdessen eine speziell angepasste Sprunggelenksorthese, die den verletzten Fuß zugleich stabilisiert und beweglich hält. Nach einigen Tagen Schonung werde der Fuß wieder zunehmend belastbar. Der Patient könne umgehend nach der Akut-Versorgung mit Krankengymnastik beginnen. Unter Einsatz von Unterarmstützen sind dann auch wieder selbstständige Gehversuche möglich.

Wichtig ist dabei, dass zur Seite abknickende Bewegungen verhindert werden, durch die das verletzte Band weiter geschädigt werden könnte. Die das Gelenk stützende Orthese sorgt hier für Sicherheit, so dass das Gewebe – und damit das betroffene Band – zusammenwachsen kann. Nach vier bis sechs Wochen ist dieser natürliche Heilungsprozess zumeist so weit fortgeschritten, dass sich das Gewebe regeneriert hat und der Bandapparat auch ohne Orthese normalen Belastungen standhalten kann, so Dr. Guzman: „Auf diese Weise können heute 90 Prozent aller Bänderrisse ohne Operation erfolgreich behandelt werden.“

Ein operativer Eingriff sei nur noch bei besonders schweren Bandverletzungen nötig – wenn zum Beispiel alle drei Außenbänder gerissen sind, auch der Knorpel lädiert ist oder ein knöcherner Abriss vorliegt.

Handball und Basketball zählt insbesondere bei Kindern auch das Trampolinspringen im eigenen Garten zu den Sportarten, bei denen es besonders oft zu einem Bänderriss im Sprunggelenk kommt, berichtet Dr. Carlos Guzman. Vor allem, wer bereits Probleme mit einem instabilen Band hat, kann das betroffene Sprunggelenk mit einem speziellen Tape-Verband stärken. Beim Verdacht auf einen Bänderriss sollte man die schmerzende Stelle möglichst schnell kühlen, weil man damit der Ausbreitung des Blutergusses und der Schwellung entgegenwirken kann.

Wenn das Sprunggelenk nach einer auskurierten Bänderverletzung instabil bleibt, kann ein Sekundäreingriff notwendig sein. In diesen – zum Glück seltenen Fällen – knickt der Betroffene auch nach Abschluss der Behandlung immer wieder mit dem Fuß um, so Dr. Guzman: „Dazu kann es kommen, wenn sich die Bänderstümpfe beim Zusammenwachsen nicht richtig getroffen haben oder sich die Spannung des Bandes verändert hat.“

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