OLDENBURG Aktuelle wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass rund ein Viertel der über 40-Jährigen mit einer mehr oder weniger ausgeprägten COPD-Erkrankung lebt. COPD zählt zu den fünf häufigsten Krankheiten, die zum Tod führen, und ist unter den großen Volkskrankheiten die einzige, deren Häufigkeit weltweit kontinuierlich zunimmt. Typische Anzeichen sind quälender Husten, schleimiger Auswurf und andauernde Luftnot. Wenn diese Symptome – anders als zum Beispiel bei einer akuten Bronchitis – auch nach mehreren Wochen nicht verschwinden, besteht der Verdacht auf eine COPD-Erkrankung.

Husten ernst nehmen

Auch der bei Rauchern oft als normale Begleiterscheinung hingenommene morgendliche Husten sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. „Langjähriger Nikotinkonsum ist in Deutschland die Hauptursache für das Entstehen dieser Erkrankung, weshalb COPD aus gutem Grund auch als Raucherlunge bezeichnet wird“, berichtet Dr. Regina Prenzel, Direktorin der Klinik für Innere Medizin im Oldenburger Pius-Hospital. Dort werden pro Jahr rund 400 Patienten wegen bedrohlicher COPD-Beschwerden behandelt, die man mit einer ambulanten Therapie nicht mehr in den Griff bekommt. Dazu kommt eine noch höhere Anzahl von Patienten, die wegen einer anderen schweren Erkrankung wie etwa Lungenkrebs im Pius-Hospital sind und zusätzlich wegen einer COPD behandelt werden müssen.

Die Lunge des Menschen hat im Wesentlichen die Funktion, den Organismus beim Einatmen mit dem als Treibstoff benötigten Sauerstoff zu versorgen und die verbrauchten Sauerstoffreste inklusive des verbliebenen Schadstoffs Kohlenstoffdioxid beim Ausatmen wieder abzugeben. Die über die Nase oder den Mind aufgenommene Atemluft wird durch das fein verästelte Bronchiensystem geführt und erreicht am Ende die Lungenbläschen, wo der Transport des Sauerstoffs in den Blutkreislauf erfolgt.

Damit die mit jedem Atemzug aufgenommenen Schadstoffe wie Viren und Bakterien – aber auch Zigarettenrauch – nicht sofort zu einer schweren Erkrankung führen, verfügt der Körper über ein in die Bronchien eingebautes Schutzsystem. Unter anderem wird so verhindert, dass die Schadstoffe bis zu den sensiblen Lungenbläschen vordringen können.

Wie und warum dieser natürliche Abwehrmechanismus gestört wird, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend erforscht. Sicher ist aber, dass vor allem eine genetische Disposition dafür sorgt, dass der körpereigene Schutz vor bestimmten Schadstoffen von Mensch zu Mensch unterschiedlich gut funktioniert. Genau das ist vermutlich einer der Gründe dafür, dass Raucher mitunter selbst dann nicht an COPD oder Lungenkrebs erkranken, wenn sie ihr Lungen- und Bronchiensystem über Jahre einem Dauerangriff von tausenden verschiedenen Schadstoffen ausgesetzt haben.

Schadstoffe kleben fest

Das Schutzsystem funktioniert, in einfachen Worten erklärt, im Wesentlichen dank einer Schleimschicht im Inneren der Bronchien, an der eingeatmete Schadstoffe kleben bleiben. Darunter liegende Flimmerhärchen sorgen dafür, dass der Schleim mit den Schadstoffen schnell wieder ausgestoßen wird. Husten ist ein explosionsartiges Ausatmen, das diesen Vorgang unterstützt, wenn zu viel Schleim produziert wird. Da Raucher dieses System mit sehr vielen zusätzlichen Schadstoffen belasten, lagern sich über Jahre immer mehr von ihnen in der Schleimschicht ab. „Bei den meisten Betroffenen ist es nur eine Frage der Zeit, dass die Schleimschicht und die Flimmerhärchen dadurch irreparabel geschädigt werden“, erklärt Dr. Regina Prenzel. Da der gleiche Effekt auch durch andere Schadstoffe erzeugt werden kann, können auch Nichtraucher an COPD erkranken.

Bei einer COPD-Erkrankung kommt erschwerend hinzu, dass auch die schleim­erzeugenden Drüsen in den Bronchienwänden in Mitleidenschaft gezogen werden. Betroffene merken das oft leidvoll daran, dass die Schleimproduktion zunimmt und der Auswurf wegen der deutlich zäheren Konsistenz schlechter abgehustet werden kann.

Ein gefährlicher Nebeneffekt einer COPD-Erkrankung ist, dass es auch Viren und Bakterien leichter haben, das Schutzsystem zu überwinden, betont Dr. Regina Prenzel: „COPD-Patienten mit schweren Symptomen sind besonders empfindlich für alle möglichen Krankheitserreger, die das Bronchien- und Lungensystem angreifen können.“ Eine verringerte Lebensqualität stellt sich oft erst im höheren Lebensalter ein, weil sich die Erkrankung und die damit verbundenen Beschwerden meistens über viele Jahre entwickeln. Die in vier Schweregrade unterteilte Erkrankung wird oft als Begleiterscheinung des Nikotinkonsums hingenommen.

Zum Arzt gehen Betroffene mitunter erst, wenn die Beschwerden so schlimm werden, dass die Atmung in Folge dauernder Luftnot zur Qual wird. Das A und O einer erfolgreichen Behandlung ist, dass man sofort und dauerhaft komplett auf Zigaretten verzichtet. Eine Heilung ist zwar nicht möglich. Eine gute Therapie kann COPD-Betroffenen aber eine deutliche Linderung der Beschwerden v

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