Hitzeprobleme
Kollapsgefahr bei über 30 Grad

Hitzewellen mit mehr als 30 Grad bedeuten nicht nur Badespaß und Vergnügen. Vor allem ältere und chronisch kranke Menschen müssen mit gesundheitlichen Problemen rechnen.

Bild: Johanniter-Verband
Dr. Hans-Peter Reiffen empfiehlt bei heißen Temperaturen verschiedene Vorsichtsmaßnahmen wie vor allem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.Bild: Johanniter-Verband
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Vechta Die Körpertemperatur beträgt bei einem gesunden Menschen normalerweise 37 Grad Celsius. Durch körperliche Anstrengungen im Beruf oder in der Freizeit kann die Temperatur für kurze Zeit um bis zu zwei Grad ansteigen, ohne dass dadurch gesundheitliche Risiken entstehen. Der Organismus ist in der Lage, die über die normale Körpertemperatur hinausgehende Wärme auf verschiedenen natürlichen Wegen an die umgebende Umwelt abzugeben – etwa über die Atmung oder die Transpiration.

Diese Wärmeregulierung gelingt allerdings umso schlechter, je mehr sich die Außen- und Körpertemperatur infolge einer Hitzewelle angleichen. Besonders problematisch wird es, wenn der Organismus durch das Alter oder eine Erkrankung geschwächt ist.

Durch intensiven Sport, körperlich stark forderndes Arbeiten im Freien oder in der Nähe von Wärmequellen sowie eine extreme Aufheizung des Wohn- und Arbeitsumfelds erhöht sich auch bei jungen und gesunden Menschen das Risiko für hitzebedingte Beschwerden und Erkrankungen. Das gilt umso mehr, wenn man zu wenig trinkt, da die etwa durchs Schwitzen verloren gegangene Flüssigkeit dann nicht ausreichend ersetzt wird.

Austrocknung möglich

Als Folge kann sich ein Hitzekollaps einstellen, der oftmals durch eine auch als Dehydrierung bezeichnete Austrocknung des Körpers ausgelöst wird. In der Medizin werden drei verschiedene Formen der Dehydrierung unterschieden. Je nach Art und Ausprägung wirkt vor allem das Zusammenspiel von großer Hitze und einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr an einer Austrocknung mit. Zudem kann eine Dehydrierung mitunter auch durch die Einnahme von Medikamenten begünstigt werden.

Weil das Durstgefühl im höheren Alter natürlicherweise nachlässt, müssen Senioren besonders auf einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt achten, um eine Dehydrierung zu verhindern. „Die aktuelle Hitze macht vor allem vielen alten Menschen sehr zu schaffen. Die hohen Temperaturen seien eine zusätzliche Belastung für ihren oft ohnehin geschwächten Körper“, betont Dr. Irene Link, Chefärztin der Akut- und Rehabilitationsgeriatrie im St. Marienhospital Vechta. Im Alter vermehrt auftretende Erkrankungen der Niere, der Lunge oder des Herz/-Kreislaufsystems kommen bei Hitzeproblemen noch erschwerend hinzu.

Ohne Vorsichtsmaßnahmen müsse man nach einem langen Aufenthalt in der prallen Sonne unabhängig vom Alter und vom allgemeinen Gesundheitszustand mit einer eher harmlosen Hitzeerschöpfung oder auch einem mit schwereren Beschwerden verbundenen Hitzschlag rechnen, berichtet Dr. Hans-Peter Reiffen, Landesarzt beim Johanniter-Landesverband Niedersachsen/Bremen. Als erste Anzeichen für eine mögliche Hitzeschädigung nennt er Unwohlsein, starke Kopfschmerzen sowie ein ansonsten unerklärliches Erschöpfungs- und Schwächegefühl. Dazu können in schlimmeren Fällen auch Schwindel, plötzliche Verwirrtheit und Kreislaufprobleme bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen.

Schnell in den Schatten

Bei einer leichten Überhitzung könne es ausreichen, sich umgehend in den kühlen Schatten zurückzuziehen und auf anstrengende körperliche Tätigkeiten zu verzichten. Neben einer weitgehenden Erholung und Schonung empfiehlt Dr. Reiffen einige weitere Maßnahmen, die jeder selbst umsetzen kann. Zur Abkühlung könne es zum Beispiel sehr wohltuend sein, die Körpertemperatur mit kühlen Umschlägen sanft zu senken.

In dramatischen Fällen wie Ausfallerscheinungen oder schweren Kreislaufproblemen müsse dagegen sofort die Rettungsdienstnummer 112 verständigt werden, die den Betroffenen zur Akut-Versorgung in das nächstgelegene Krankenhaus bringt. Bis zum Eintreffen der professionellen Retter sollte der Betroffene in den Schatten und dort in eine stabile Seitenlage gebracht werden. Insbesondere wenn das Hitze-Opfer nicht ansprechbar ist, müsse die Atmung überprüft und bei einem Atemstillstand sofort mit Maßnahmen zur Wiederbelebung begonnen werden.

HitzebedingteGesundheitsprobleme lassen sich mit einigen Vorsichtsmaßnahmen vermeiden oder zumindest begrenzen. Zum Beispiel sollte man sich in der besonders heißen Mittagszeit wenn möglich im Haus oder an einem schattigen Ort aufhalten. Wer sich beruflich im Freien aufhalten muss, sollte luftdurchlässige Kleidung tragen, regelmäßig Pausen einlegen und bei körperlichen Anstrengungen einen Gang tiefer schalten, betont Dr. Hans-Dieter Reiffen. Zudem sei es sinnvoll, sich zwischendurch die Hände, den Nacken und das Gesicht immer wieder mit Wasser abzukühlen.

Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, sollte beim Gebrauch der Klimaanlage bedenken, dass auch dadurch Beschwerden wie Kopfschmerzen oder eine Nackensteife entstehen können. Für Babys und Kleinkinder ist es besonders wichtig, dass sie keiner großen Hitze und Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Vor allem der Kopf müsse bei ihnen stets sorgfältig mit einer leichten, gut zur Form und Größe passenden Bedeckung geschützt werden.

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