WESTERSTEDE Der künstliche (Koma)-Schlaf wird durch verschiedene Medikamente erzeugt, die auch bei ganz normalen Operationen eingesetzt werden. „Wesentliche Effekte sind, dass der jeweilige Patient für eine bestimmte Zeit zugleich in Hypnose versetzt und vor Stress und Schmerzen geschützt werden kann“, erklärt der Medizinische Geschäftsführer und Direktor der Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin der Westersteder Ammerland-Klinik, Dr. Michael Wuttke: „Der Organismus des schwer kranken Menschen wird durch den künstlichen Schlaf entlastet. In vielen Fällen ist nur so eine effektive Behandlung möglich.“

Je nach Art und Schwere der Erkrankung kann die medikamentös verlängerte Narkose einige Stunden oder mehrere Tage dauern. Der Körper könne dadurch Zeit zur Erholung und Heilung gewinnen, so Dr. Wuttke. So werde u. a. verhindert, dass es durch Muskelverspannungen, Krampfanfälle oder unerwünschte Bewegungen zu lebensbedrohlichen Zusatzbelastungen des geschwächten Menschen kommen könne.

Das künstliche Koma sei in diesen Fällen nichts anderes als die Herstellung einer Schutzfunktion, wenn die körpereigenen Rettungssysteme überfordert seien, erklärt Klinikdirektor Wuttke.

Exakte Steuerung

Die heute zur Verfügung stehenden Narkosemedikamente würden eine zumeist sehr exakte Steuerung der Schlaftiefe und -Dauer ermöglichen. Dank des Einsatzes der reversiblen Koma-Therapie könnten Patienten zügig wieder aus dem Schlaf geweckt werden, sobald es medizinisch sinnvoll sei. Die Behandlung erfolge auch wegen der dafür nötigen Apparate-Ausstattung grundsätzlich auf einer Intensiv-Station. Auch in der Ammerland-Klinik würden speziell ausgebildete Pfleger und Ärzte sowie modernste Medizingeräte den in ein künstliches Koma versetzten Patienten rund um die Uhr eine optimale Kontrolle und größtmögliche Sicherheit bieten, betont Dr. Wuttke.

Anders sei das bei einem unkontrolliert auftretenden natürlichen Koma, in das der Körper beispielsweise infolge schwerer Organfunktionsstörungen oder Hirnverletzungen plötzlich und unvermittelt von selbst fallen könne. In diesen – etwa nach einem „Zuckerschock“, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall – fast immer lebensbedrohlichen Fällen müsse sofort gehandelt werden, damit die Körperfunktionen erhalten bzw. wiederhergestellt und Folgeschäden minimiert werden. Während ein künstlicher Tiefschlaf jederzeit beendet werden könne, gebe es nur wenig Möglichkeiten die Dauer eines natürlichen Komas zu beeinflussen. Es könne dann lange dauern, bis ein Patient aus einer tiefen Bewusstlosigkeit aufwache.

Das Aufwachen aus einem künstlichen Koma funktioniere wie ein langsames Herausschleichen aus der Medikamentengabe, erklärt Dr. Wuttke. Die Dosis der Hypnose- und Schmerzmedikamente werde dafür langsam, aber sicher reduziert – bis der Patient behutsam wieder zu Bewusstsein komme. Vor allem damit der Körper die eigenständige Wahrnehmung der Organ- und Muskelfunktionen erst gar nicht verliere bzw. sich wieder daran gewöhne, werde der Patient noch während der Narkose ab und an fast an die Aufwachgrenze herangeführt. Auf diese Weise könne auch der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers weitgehend erhalten werden, was dem Organismus wiederum unnötigen „Umstellungsstress“ erspare.

Beatmung sicherstellen

Notwendig sei der Therapieeinsatz des künstlichen Komas vor allem, wenn die Schwere der jeweiligen Erkrankung oder Verletzung eine künstliche Beatmung erforderlich mache. Der in der Atemluft enthaltene Sauerstoff sei für den Körper wie Benzin zum Autofahren, so Dr. Wuttke: „Ohne eine ausreichende Sauerstoffversorgung würden lebenswichtige Organe den Betrieb einstellen.“

Um den Sauerstoffbedarf so gering wie möglich zu halten, sollte der Energieverbrauch bei künstlich beatmeten Patienten möglichst niedrig sein. Das künstliche Koma sei dafür schon deshalb eine gut geeignete Therapie, weil ein medikamentös erzeugter Tiefschlaf auch eine schonende Ruhephase für den Körper bedeute.

Um den heilsamen Ruhezustand zu optimieren, werde die Körpertemperatur während des künstlichen Komas bei Patienten nach einer Wiederbelebung oft auf 32 bis 34 Grad abgesenkt. Dadurch werde der Stoffwechsel verlangsamt und der Sauerstoffverbrauch gesenkt, was dem Gehirn helfe, mit der bedrohlichen Situation zurechtzukommen, so Dr. Wuttke: „Der Organismus kann sich in diesem Ruhezustand so lange auf das Wesentliche konzentrieren, bis er stark genug ist, sich selbst zu versorgen.“

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