Oldenburg Wie hoch der Flüssigkeitsbedarf ist, hängt unabhängig vom Alter bei jedem Menschen von mehreren Faktoren ab. Neben einer sehr warmen Witterung können auch anstrengende körperliche Aktivitäten oder der Verzehr stark gewürzter Speisen der Grund für vermehrten Durst sein. Auch wer zum Beispiel von einer meistens durch Viren verursachten Magen-Darm-Erkrankung betroffen ist, muss den damit verbundenen Flüssigkeitsverlust ausgleichen. Wenn das Kind aber auch nach einer überstandenen Infektionserkrankung übermäßig viel trinkt und entsprechend viel Urin ausscheidet, können andere Ursachen für den hohen Flüssigkeitsbedarf verantwortlich sein.

Als normale Trinkmenge gilt bei Säuglingen und Kleinkindern rund ein Liter Flüssigkeit pro Tag. Bei Jugendlichen wird eine Trinkmenge von täglich bis zu drei Litern Flüssigkeit als normales Trinkverhalten angesehen, erklärt Prof. Dr. Hermann Müller, Direktor der Klinik für Allgemeine Kinderheilkunde, Hämatologie/Onkologie im Klinikum Oldenburg: „Wenn der Bedarf dauerhaft deutlich höher ist oder das Kind sogar nachts immer wieder mit quälendem Durst aufwacht, sollte man zeitnah einen Kinderarzt aufsuchen.“

Als Folge der übermäßigen Flüssigkeitsaufnahme müssen betroffene Kinder häufiger als sonst Wasser lassen. Was nicht selten mit nächtlichem Bettnässen verbunden ist, weil das Kind den unnatürlich starken Harndrang nicht unter Kontrolle bekommt. Der Grund für ein dauerhaft erhöhtes Trinkverlangen ist bei den meisten Kindern und Jugendlichen ein unerkannter Diabetes Typ 1. In deutlich selteneren Fällen kann das unnatürlich starke Durstgefühl auch auf ein hormonelles Defizit oder im schlimmsten Fall auf einen Hirntumor hinweisen.

Zur Aufklärung reicht in der Regel zunächst eine Untersuchung beim Kinderarzt aus. Im Rahmen einer sorgfältigen Anamnese werde dem Arzt dabei geschildert, welche Flüssigkeitsmenge das Kind über Getränke und Speisen zu sich nimmt und wie viel Urin ausgeschieden wird. Mittels einer Ausschlussdiagnostik kann der Kinderarzt anschließend dem auslösenden Problem auf die Spur kommen, so Prof. Dr. Müller: „Einen Diabetes Typ 1 kann man meistens schon mittels einer Urin-Analyse erkennen.“ Dabei könne der Arzt leicht feststellen, wie hoch der Glukosegehalt im Urin ist.

Müdigkeit und Schwäche

Weitere Symptome einer Zuckererkrankung können vor allem ein unerklärlicher Gewichtsverlust, Müdigkeit und Antriebsschwäche sowie ein schlechter körperlicher Allgemeinzustand mit eingeschränkter Belastbarkeit sein. Im Schulalter fallen betroffene Kinder oft auch durch einen plötzlichen Leistungsrückgang in der Schule auf.

Anders als bei einem oft durch einen ungesunden Lebensstil erworbenen Typ 2 Diabetes ist bei einem Typ 1 Diabetes nicht nachweisbar, dass äußere Faktoren eine Rolle spielen. Hauptproblem ist bei einem Typ 1 Diabetes, dass die Bauchspeicheldrüse die Produktion des zur Zuckerverarbeitung erforderlichen Hormons Insulin zu einem großen Teil oder sogar komplett einstellt. Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft leben in Deutschland rund 200 000 Menschen mit einem Diabetes Typ 1 – davon rund 30 000 Kinder und Jugendliche. Erste Symptome treten meistens bis zum frühen Erwachsenenalter auf. Den meisten Patienten kann man heute sehr gut mit einer genau kontrollierten Zufuhr von Insulin helfen.

Kontrolle beim Kinderarzt

Wenn die Diabetes-Diagnose feststeht und die Ersteinstellung der Insulinbehandlung abgeschlossen ist, reicht fast immer die Behandlung und regelmäßige Kontrolle durch den ohnehin zuständigen Kinderarzt aus. Nur in seltenen Ausnahmefällen – etwa bei einer schweren akuten Zuckerentgleisung – sei die stationäre Versorgung in einer Kinderklinik erforderlich. Mit einer sorgfältigen Diabetes-Behandlung kann man solchen Notfällen vorbeugen. Dafür ist es allerdings erforderlich, dass die Eltern und mit zunehmendem Alter auch das betroffene Kind lernen, wie sie im Alltag mit der Diabetes-Erkrankung umgehen müssen.

Für eine guteLebensqualität und zur Vermeidung krankheitsbedingter Folgeschäden müssen Patienten mit einem Diabetes Typ 1 einige Regeln beachten. Vor allem sollte durch regelmäßige Blutzuckerkontrollen sichergestellt sein, dass die Medikation richtig angepasst ist. Dafür ist neben Blutzuckermessungen und einer disziplinierten Aufzeichnung der Werte eine je nach Ernährung und Tagesform genau zum Bedarf passende Insulinzufuhr unabdingbar. Das kann mittels eines Piekses oder durch einen kleinen Sensor erfolgen, der direkt mit einer Insulinpumpe verbunden ist. Der durch den Sensor ermittelte Insulinbedarf wird automatisch von der Insulinpumpe gedeckt. Bei gut versorgten Patienten verschwindet neben anderen Symptomen auch das erhöhte Trinkverlangen.

Nach der Diagnose eines Diabetes Typs 1 ist bei Kindern meistens ein kurzer stationärer Klinikaufenthalt nötig, bei dem auch ein umfangreicher Gesundheitscheck erfolgt. Zudem wird der Insulinbedarf ermittelt und die daraus folgende Einstellung der Medikation festgelegt.

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