Oldenburg Für eine Krebserkrankung kann es viele unterschiedliche Ursachen geben. Wie hoch das Risiko ist, wird abgesehen von der genetischen Disposition und dem Lebensalter vor allem durch den Lebensstil beeinflusst. „Rauchen ist nach wie vor der wichtigste vermeidbare Krebsfaktor“, berichtet das Deutsche Krebsforschungszentrum in seinem aktuellen Tabakatlas. Bundesweit sterben pro Jahr mehr als 125000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das sind rund 13 Prozent aller registrierten Todesfälle.

Besonders schädlich wirkt sich Rauchen auf das Atemsystem aus. Das Zentrum für Krebsregisterdaten hat für das Jahr 2016 fast 58000 Lungenkrebs-Neuerkrankungen verzeichnet. Trotz der Fortschritte in der Krebstherapie sind 2016 innerhalb eines Jahres rund 16500 Frauen und mehr als 29300 Männer in Folge bösartiger Tumoren in der Lunge verstorben. „Bei 80 Prozent der Lungenkrebs-Patienten mit einem schweren oder tödlichen Verlauf ist Rauchen der wesentliche Grund für die Erkrankung“, betont Prof. Dr. Claus-Henning Köhne, Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin - Onkologie und Hämatologie im Klinikum Oldenburg.

Hoher Leidensdruck

Auch für andere Tumorerkrankungen wie etwa Darm- und Leberkrebs spielt der Nikotinkonsum nach Einschätzung medizinischer Fachgesellschaften eine wichtige Rolle. Ähnliches gilt für Herz-/Kreislauferkrankungen sowie etliche andere erworbene Gesundheitsschäden. Neben einem hohen Leidensdruck für die erkrankten Menschen und ihre Angehörigen entsteht auch ein riesiger wirtschaftlicher Schaden. Die DKFZ beziffert die in Folge des Rauchens entstehenden Kosten allein für Deutschland auf fast 100 Milliarden Euro pro Jahr. Zudem wirkt sich die Tabakproduktion schädlich für die Umwelt aus.

Beim Rauchen nimmt der Körper bei jedem Zug aus der Zigarette, Pfeife oder Zigarre eine Vielzahl nachweislich krebserzeugender Stoffe auf. Die beim Verbrennungsprozess entstehenden Problemmacher gelangen über den Mund- und Rachenraum nicht nur in die Lunge. Sie werden auch in den Blutkreislauf aufgenommen und erreichen darüber alle Gewebestrukturen und Zellen des Organismus.Langjähriger Nikotinkonsum schädigt vor allem die oberen Lungenflügel, weil diese Region des Bronchialsystems mit jedem Atemzug belüftet wird und einem besonders intensiven Kontakt mit den im Nikotin enthaltenen Schadstoffen ausgesetzt ist.

Oft lange unerkannt

Wie bei anderen Krebsarten hängt die Behandlungs- und Heilungsprognose beim Lungenkarzinom davon ab, ob die Erkrankung früh erkannt und therapiert wird. „Das Problem ist, dass sich ein bösartiger Tumor mitunter über viele Jahre in der Lunge ausbreitet, bevor der Betroffene nennenswerte Beschwerden wahrnimmt“, erklärt Prof. Dr. Köhne. Wenn sich typische Alarmzeichen wie etwa Atemnot, dauernder Husten oder Schmerzen in der Brust bemerkbar machen, ist der Lungenkrebs häufig schon weit fortgeschritten – inklusive Tochtergeschwülsten die nicht selten auch schon andere Organe erreicht haben.

Dank neu entwickelter Medikamente sowie optimierter Früherkennungs- und Therapieverfahren kann man heute vielen Lungenkrebs-Patienten besser helfen. Es bleibt aber dabei, dass Rauchen den gesamten Organismus schädigt, betont Prof. Dr. Köhne. Der größte Teil schwerer Lungenerkrankungen wie Krebs oder COPD wäre durch einen Nikotinverzicht vermeidbar.

NWZonline.de/gesundheit
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