Oldenburg Psychische Probleme, vielleicht ja sogar schwerwiegende Störungen: Sie waren im vergangenen Jahr die häufigsten Gesprächsthemen in der Sprechstunde der „Beratungs- und Koordinationsstelle für Selbsthilfegruppen Oldenburg“, kurz: Bekos.

Seit nunmehr 35 Jahren ist der Verein hilfesuchenden Menschen in Oldenburg und umzu ein Begriff; wer auch den Namen „Bekos“ nicht in seine Einzelteile aufzuschlüsseln vermag, weiß dennoch um die wertvolle Unterstützung in Krisenlagen, um Beratung und Begleitung durch das hier tätige Team und die so zahlreich angeschlossenen Selbsthilfegruppen. 215 sind es aktuell, plusminus. Mal laufen einzelne Gruppen mangels Beteiligung aus, mal entstehen spontan neue.

16 Initiativen

Allein 16 Initiativen zur Gründung neuer Selbsthilfegruppen zählte die Bekos im vergangenen Jahr, darunter die Themengebiete „Blasenkrebs“, „Junge Menschen mit Angst“, „Chronisch krank – ich leb’ damit“, „Gemeinsam statt einsam“, „Alleingeborene Zwillinge“ oder auch „Coming Out mit 50 plus“.

Manch Kurioses dabei – so mögen sich wohl Nicht-Betroffene denken. Tatsächlich gibt es immer wieder neue Themen aus dem gesundheitlichen, psychischen oder sozialen Selbsthilfebereich, mit denen sich Menschen überfordert und alleine fühlen. Was sie natürlich nicht sind. Dennoch fehlt es oft genug an Wissen und Räumen, um Gleichgesinnte und -Betroffene zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen. Für Abhilfe beziehungsweise Weichenstellungen sorgen da die Bekos-Mitarbeiterinnen.

Das betrifft entsprechend nicht nur den Bereich der psychischen Störungen, sondern auch viele weitere: Chronische Erkrankungen, Sucht, Familie und Partnerschaft, Behinderung, Soziales, Geschlechteridentitäten und ebensolche Fragen – so die weiteren, im Jahr 2018 nach Bedarf sortierten Themengebiete von Betroffenen wie Angehörigen.

Die Bekos verteilt Suchende aber nicht nur auf die Selbsthilfegruppen, sondern gibt letzteren auch Halt. „Selbsthilfegruppen aus dem Bereich der Chronischen Erkrankungen brauchen häufig Unterstützung bei organisatorischen und planerischen Fragen“, so der Jahresbericht des Vereins, „besonders fragt diese Personengruppe jedoch nach Finanzierungsmöglichkeiten für Vorhaben und Projekte.“ Anders sehe es bei den Psychischen Erkrankungen aus – diese Gruppen brauchen „häufiger Unterstützung zu inhaltlichen Fragen und bei der Öffentlichkeitsarbeit“, heißt es.

Da gibt es Arbeitshilfen wie DVD-Player, Beamer oder FM-Anlagen zur Hörunterstützung, da gibt es aber auch sinnvolle Literatur für die Gruppenarbeit. Die Erstellung von Faltblättern, die Suche nach neuen Räumlichkeiten oder sogar Geldquellen, Hilfe bei der Organisation von Tagungen und Seminaren. Kern der begleitenden Arbeit aber mache die „Unterstützung bei inhaltlichen Fragen der Gruppenarbeit“ aus.

Umbruch- und Krisensituationen durchleben nicht nur einzelne Betroffene, sondern auch gesamte Gruppen. Beispielsweise, wenn sich Interessenlagen verändern, Teilnehmer ausbleiben, sich Mitglieder nicht an Redezeiten und Absprachen halten, vielleicht ja sogar schwerlich zu vollziehende Generationenwechsel? Oder aber es sind auch thematisch neue Gruppen, die auf keinerlei Erfahrungswerte zurückgreifen können. „Zum Beispiel ist die Selbsthilfegruppe der Ex-Zeugen-Jehovas die einzige Gruppe in ganz Niedersachsen, so dass mehrere Vorbereitungsgespräche notwendig waren“, wie es heißt. Das aber offenbar mit Erfolg: Auch nach einem Jahr sei die Gruppe stabil und treffe sich regelmäßig 14-tägig im Selbsthilfezentrum. So muss es aber nicht immer laufen.

Wegweise zu Ärzten

„Wir vermuten, dass wir häufig als niedrigschwellige Anlaufstelle in Anspruch genommen werden“, so heißt es aus der Bekos, „zum Teil unabhängig davon, ob die Ratsuchenden Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe oder zum professionellen Hilfesystem suchen.“ Sprich: Oft genug ist die Bekos auch Wegweiser zu den mitunter nötigeren, ersten Anlaufstellen wie Ärzten und Therapeuten. Dort, wo alles beginnt, wenn erst einmal vieles, wenn nicht sogar alles im Leben zu enden droht.

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Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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