Oldenburg Eine Hirnhautentzündung wird in rund 80 Prozent der Fälle durch Viren ausgelöst. Abgesehen von den sehr schmerzhaften Beschwerden ist diese Form der Erkrankung meistens harmlos. Den Betroffenen geht es in der Regel nach einigen Tagen deutlich besser, und es bleiben nur selten Folgeschäden zurück.

Anders ist das bei einer bakteriellen Meningitis. Diese oft durch Meningokokken, Listerien oder Pneumokokken ausgelöste, zweithäufigste Form der Hirnhautentzündung ist fast immer mit einem schweren Krankheitsverlauf verbunden – bis hin zum Notfall auf Leben und Tod innerhalb weniger Stunden nach dem Auftreten erster Symptome.

Symptome einer bakteriellen oder viralen Meningitis

Zu den typischen ersten Anzeichen einer Meningitis zählt neben sehr starken Kopfschmerzen und hohem Fieber vor allem eine auffällige Nackensteifigkeit, die infolge extremer Muskelverspannungen entsteht. „Die Beschwerden treten innerhalb von Stunden auf und sind für den Betroffenen kaum auszuhalten“, berichtet Prof. Dr. Karsten Witt, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie im Evangelischen Krankenhaus Oldenburg.

Folgeschäden begrenzen

Bei entsprechenden Symptomen sei aus mehreren Gründen immer schnelles Handeln geboten. Einerseits gehe es darum, die unerträglichen Schmerzen möglichst schnell zu lindern. Noch wichtiger ist, die negativen Auswirkungen einer bakteriellen Hirnhautentzündung mit geeigneten medizinischen Maßnahmen zu begrenzen. Weil es dabei auf wenige Stunden ankommen kann, sollte bei einem Meningitis-Verdacht sofort ein Arzt aufgesucht werden, betont Witt: „Falls die Beschwerden nachts oder am Wochenende auftreten, muss der Betroffene umgehend in die Notaufnahme.“

Beim Arzt sollten Betroffene und ihre Begleitpersonen die Symptome möglichst präzise schildern. Da sich die Beschwerden einer viralen nicht von einer bakteriellen Meningitis unterscheiden, werden Verdachts-Patienten im Krankenhaus als Erstes sicherheitshalber mit zwei Breitbandantibiotika versorgt, die einem weiteren Fortschreiten der Entzündung entgegenwirken, indem die Wirkstoffe das Wachstum der Bakterien und Viren hemmen und die Erreger schließlich töten. So wird Zeit für weitere Untersuchungen gewonnen, mit denen man den Erregern sicher auf die Spur kommen kann, um sie dann noch gezielter bekämpfen zu können.

Virale Meningitis diagnostizieren

Neben einer Computertomografie, die einen Blick auf das Gehirn und Teile der Hirnhäute ermöglicht, gehört zur weiteren Diagnostik vor allem eine Nervenwasseruntersuchung. Die Entnahme des Liquors erfolgt mittels einer Lumbalpunktion im letzten Abschnitt der Rückenwirbel, die heute dank sehr dünner Kanüle nicht schmerzhafter als eine Injektion an anderer Stelle ist.

Auch wenn die Lumbalpunktion von den Betroffenen oft als unangenehm empfunden wird, ist sie unverzichtbar für eine zielgerichtete Behandlung., berichtet Prof. Witt: „Bei einem Blick auf das Nervenwasser unter dem Mikroskop können wir die Entzündung bewerten, die viralen und bakteriellen Erreger oft binnen kurzer Zeit sehr gut differenzieren und die dann erforderlichen Maßnahmen einleiten.“

Mit Antibiotika versorgen

Wenn klar ist, dass die Hirnhautentzündung durch Bakterien ausgelöst wurde, müssen möglichst schnell jene Antibiotika gefunden und eingesetzt werden, die sich am besten zur wirksamen Bekämpfung der Erreger eignen. „Eine übersehene und damit unbehandelte Meningitis verläuft in 90 Prozent der Erkrankungen tödlich“, erläutert Prof. Witt, der mit seinem Team entsprechende Fälle in einer durchgehend geöffneten Notfallambulanz behandeln kann.

Mit der richtigen Therapie sind die schädigenden Bakterien nach ein bis zwei Tagen besiegt und verschwunden. Dessen ungeachtet muss der Patient für zehn bis 14 Tage zur weiteren Behandlung und Kontrolle im Krankenhaus bleiben und in dieser Zeit per Tropf auch weiter mit den benötigten Medikamenten versorgt werden.

Erst dann könne man bei einer bakteriellen Meningitis sicher sagen, wie gut der Patient die Erkrankung überstanden hat.

Eine durch Virenausgelöste Hirnhautentzündung wird initial wie eine bakterielle Meningitis behandelt, so lange die Diagnose unklar ist. Eine klare Differenzierung ist durch eine Begutachtung der entzündlichen Veränderungen im Nervenwasser möglich. „Im Fall einer viralen Meningitis geht es den Patienten meistens schon wenige Tage nach dem Behandlungsbeginn sehr viel besser“, so Prof. Dr. Karsten Witt. Oft reichen dann einige Tage im Krankenhaus aus. Danach ist der Patient fast immer ohne Folgen geheilt.

Eine bakterielle Meningitis verläuft dagegen insbesondere bei einer späten Diagnose in vielen Fällen tödlich. Darüber hinaus müssen mehr als ein Drittel der Patienten mitunter für immer mit Folgebeschwerden wie zum Beispiel Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen oder einem immer wieder auftretenden Schwindelgefühl leben. Die Infektion kann unter anderem durch Tröpfchenübertragung erfolgen. Meningokokken oder Pneumokokken können dann über den Blutkreislauf in die Hirnhäute gelangen und Entzündungen verursachen.

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