Oldenburg Untersuchungen der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zeigen, dass auf deutschen Straßen jeder neunte Verkehrstote mit dem Fahrrad unterwegs war. Bei tödlichen Unfällen innerhalb geschlossener Ortschaften beträgt der Anteil der Radfahrer demnach sogar über 25 Prozent. Im Jahr 2017 hat die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) 382 Menschen registriert, die bei einem Fahrradunfall getötet worden sind.

Dazu kommen pro Jahr rund 2500 Radfahrer, die etwa wegen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas intensivmedizinisch in einem spezialisierten Traumazentrum versorgt werden müssen. 2017 wurden insgesamt mehr als 14000 schwer verletzte sowie zusätzlich rund 65000 leicht verletzte Radfahrer registriert, bei denen nach einem Unfall eine medizinische Versorgung erforderlich war.

Als Hauptursache für Fahrradunfälle nennt die DGOU Alleinunfälle, bei denen der Radfahrer ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer stürzt. Die meisten schweren Verletzungen entstehen allerdings infolge eines Zusammenstoßes mit einem Pkw, Bus oder Lkw. Ein häufiger Grund ist, dass der Radler beim Abbiegen übersehen und dessen Vorfahrt missachtet wird. Diese Unfälle sind für Radfahrer besonders gefährlich, weil sie bei einem Aufprall weder von einem Airbag noch von einer Knautschzone geschützt werden.

An Kopfform anpassen

Bei rund 60 Prozent der Verletzungen sind die Arme und Beine des Radfahrers betroffen. Mit einem Anteil von 25 Prozent folgen Kopfverletzungen auf Platz drei, die wiederum noch vor Verletzungen des Brustraums die Ursache Nummer eins für lebensgefährliche Verletzungen und Todesfälle sind. Mit einem erhöhten Risiko für schwerwiegende Unfallfolgen müssen insbesondere Radfahrer ohne einen ausreichenden Schutz rechnen, berichtet Dr. Claas Unverferth, Chefarzt in der Klinik für Neurologie im Reha-Zentrum Oldenburg: „Den besten Schutz vor einer schweren Kopfverletzung bietet ein fachgerecht an die Kopfform angepasster, qualitativ hochwertiger Fahrradhelm.“

Wer bei einem leichten Fahrradunfall mit einer geringen Geschwindigkeit stürzt, kommt zumeist mit einer harmlosen Beule oder Schürfwunde davon. Es kann aber auch sein, dass die Verletzung deutlich schlimmer ist als auf den ersten Blick erkennbar. Das gilt nach Angaben der DGOU vor allem für Kopfverletzungen im Kindesalter. Ein in jungen Jahren erlittenes leichtes Schädel-Hirn-Trauma könne zu Entwicklungsverzögerungen und einer kognitiven Leistungsminderung führen. Bei Menschen, die regelmäßig blutverdünnende Medikamente einnehmen, kann schon eine leichte Gehirnerschütterung schlimmstenfalls eine lebensbedrohliche Hirnblutung auslösen.

Schwellungen des Hirns

Zu den schweren Kopfverletzungen nach einem Fahrradunfall zählen auch Quetschungen und Schwellungen des Gehirns sowie Schädelfrakturen. Ohne einen Fahrradhelm besteht dafür bereits bei einer niedrigen Geschwindigkeit mit Tempo 15 oder 20 ein hohes Risiko. „Ein Helm reduziert die bei einem Aufprall auf den Kopf einwirkende Energie und wirkt wie ein Schutzpuffer“, erklärt Dr. Unverferth. Selbst bei Geschwindigkeiten über 20 Stundenkilometer lassen sich damit die Folgen eines Sturzes mildern. Aktuelle Studien beziffern das Reduktionspotenzial tödlicher Hirnverletzungen für Helmträger auf 60 bis 70 Prozent.

Insbesondere wer gern schnell mit Fahrrad oder einem E-Motor-unterstützten Bike fährt, muss dessen ungeachtet einkalkulieren, dass auch ein Fahrradhelm keinen absoluten Schutz bieten kann und dessen Schutzwirkung mit jedem Stundenkilometer mehr auf dem Tacho nachlässt. Auch mit einem Helm können schwere Verletzungen etwa des Kopfes und der Halswirbelsäule sowie im Gesicht auftreten.

NWZonline.de/gesundheit
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