Aktionswoche In Oldenburg
Hilfe für erkrankte Seelen

Vom 15. bis 21. Oktober sollen Betroffene „entstigmatisiert“ werden, so die Zielsetzung. Das Oldenburger Psychose-Seminar gewährt da zudem exklusive Einblicke.

Bild: Marc Geschonke
Risse im Leben: Psychische Erkrankungen sind nicht immer gleich von Außenstehenden zu erkennen. Das erschwert den Umgang mit Betroffenen.Bild: Marc Geschonke
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Oldenburg Gestresst, überfordert, gebrochen – wenn Familienmitglieder die Liebsten nicht mehr aus dem Loch zu ziehen vermögen, Arbeitskollegen täglich Frust oder seltsame Anwandlungen von Betroffenen miterleben müssen, und Arztpraxen von Verzweiflung überfüllt sind, dann sind die Warnsignale längst zu dröhnenden Sirenen geworden. Mit ein paar individuell gestalteten Urlaubstagen zur Erholung ist es da sicher nicht getan. Vielleicht mag da ja aber eine ganze „Woche der seelischen Gesundheit“ helfen. Vor allem den Menschen drumherum. „Wir wollen Betroffene entstigmatisieren“, sagt Dr. Peter Orzessek vom Sozialpsychiatrischen Dienst im Gesundheitsamt der Stadt – und meint damit vor allem die nun initiierten Aktionstage vom 15. und 21. Oktober. „Unser Ziele ist die Aufklärung und damit auch der Abbau von Vorurteilen.“

Nun gilt der Oldenburger an sich zwar weitestgehend frei von letzteren, trotzdem wird hier wie dort über psychische Probleme und Belastungsstörungen nur selten gesprochen. Vielleicht aus Angst vor möglichen Konsequenzen in Job und Privatleben, ganz sicher aber auch vor Unverständnis oder gar steten Stigmatisierungen. Und das, obgleich jeder Vierte im Jahresverlauf an einer psychischen Erkrankung jedweder Art leiden soll, mindestens. So besagt es jedenfalls eine aktuelle Statistik der Thieme-Unternehmensgruppe.

Teilhabe für alle

Nun ist die Begrifflichkeit recht weit gefasst, eine Einordnung ohne ärztliche Unterstützung entsprechend diffus. Darunter fallen Ängste oder Phobien, aber auch Essstörungen, Suchterkrankungen, depressive Episoden oder gar Demenz. „Wir wollen, dass der Gang zum Therapeuten so akzeptiert ist wie der Weg zum Hausarzt“, so Diplom-Psychologe Orzessek.

Nicht ohne Grund stehen da die „11. Niedersächsischen Aktionstage für seelische Gesundheit“ auch unter dem Leitthema Inklusion – schließlich hat die Stadt Oldenburg diesmal deren Ausrichtung übernommen.

Die so erhoffte „Gesellschaft ohne Ausgrenzung“ (so Schirmherr und Oberbürgermeister Jürgen Krogmann), also eine „Teilhabe für alle“, schließt eben nicht nur sichtbare Beschwerden, sondern auch seelische Behinderungen ein. Rund um die landesweite Fachtagung am 17. Oktober („Psychiatrie und Inklusion – Na, wie geht’s?, Spannungsreiche Perspektiven für den Versorgungsalltag“, Vorträge und Workshops mit Experten), bieten Mitstreiter des Sozialpsychiatrischen Verbundes da ein umfangreiches Portfolio an Wissenserweiterungen für jedermann zum Thema an. Da ist beispielsweise das Psychose-Seminar mit Betroffenen, Angehörigen und Beschäftigten psychiatrischer Einrichtungen, das sich nun einmalig zum 20-jährigen Bestehen öffentlichkeitswirksam präsentiert. Auf Augenhöhe werden dort Probleme und Erfahrungen diskutiert – Thema am 18. Oktober: „Erste Hilfe bei psychischen Krisen“.

Umgekehrte Inklusion

Bei einer themenbezogenen Jobmesse im PFL werden die „großen Arbeitgeber“ sich und ihre Angebote, seine Depression hingegen der bekannte Bochumer „Live-Literat“ und Blogger Tobi Katze vorstellen. Spannend auch das Programm zur offiziellen Eröffnungsveranstaltung im Casablanca-Kino: Dort wird am 16. Oktober die filmische Dokumentation „Blender“ gezeigt – Filmemacherin Susann Reck ist dann vor Ort und wird über ihre Kindheitserlebnisse in einem von ihren Eltern gegründeten Heim für psychisch kranke Menschen berichten – quasi eine umgekehrte Form der klassischen Inklusion ...

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