OLDENBURG Typische Anzeichen einer Depression in jüngeren Jahren sind unter anderem Antriebsarmut, Hoffnungslosigkeit, sozialer Rückzug und in besonders schlimmen Fällen auch suizidale Gedanken. Der so erzeugte psychische Leidensdruck ist bei älteren Menschen mit einer Depressionserkrankung genauso vorhanden. Für sie kommt oft erschwerend hinzu, dass sich die psychische Erkrankung hinter körperlichen Beschwerden wie Übelkeit, Magen-Darmbeschwerden und dauernden Schmerzen versteckt. „Mitunter wird das dann erst sehr spät erkannt“, berichtet Dr. Thomas Brieden, Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie und Psychotherapie in der Oldenburger Karl-Jaspers-Klinik.

Zusätzliche Hilfe

Beim Hausarzt würden oft zunächst ausschließlich die körperlichen Beschwerden behandelt. Erst wenn man damit nicht weiterkomme, werde zusätzlich Hilfe bei einem psychiatrischen Facharzt gesucht. Zudem werden Symptome, die eigentlich Anzeichen für eine Depression wären, von den Betroffenen selbst und ihren Bezugspersonen oft einfach als normaler Altersvorgang hingenommen. „Das passiert insbesondere dann, wenn sich ein älterer Mensch immer mehr zurückzieht und soziale Kontakte als Last empfindet“, so Dr. Brieden. In solchen Fällen nichts zu tun, sei völlig falsch: „Man lässt den Betroffenen dann hilflos mit seinem Problem allein. Die Folge ist, dass der alte Mensch immer tiefer in den Teufelskreis der Depressionserkrankung hineingerät.“

Altersdepression kann schlimme Folgen haben.

In schweren Fällen könne das gefährliche Folgen haben. Vor allem bei älteren Männern sei die Gefahr sehr groß, dass ein einmal gefaster Suizid-Entschluss auch tatsächlich ausgeführt werde. Aktuelle Forschungen gehen davon aus, dass bis zu zehn Prozent der über 65-Jährigen in Deutschland wegen einer Depression behandelt werden müssten – was die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen bei weitem übersteigt.

Neben Patienten, die im Laufe ihres Lebens schon mehrfach wegen einer Depression behandelt wurden, gibt es auch Menschen, die im Alter erstmals betroffen sind. „Die Symptome sind dann plötzlich wie aus dem Nichts da“, berichtet Dr. Brieden, in dessen Klinik im Jahr jeweils rund 300 entsprechende Patienten stationär und ambulant behandelt werden.

Ursachen von Altersdepression

Rein organisch kann man eine Depression als Folge einer Stoffwechselstörung im Gehirn erklären. Warum es dazu kommt, ist in der Wissenschaft nicht abschließend geklärt. Sicher ist aber, dass eine Depression im Alter besonders oft durch den Verlust des Lebenspartners oder den plötzlichen Umzug in ein ungewohntes Lebensumfeld ausgelöst wird. Problem-Faktoren können auch schwere körperliche Erkrankungen, chronische Schmerzen oder eine tiefe Unzufriedenheit mit der eigenen Lebensbilanz sein. Nicht zuletzt können erstmals auftretende Depressions-Symptome im Alter auch ein Hinweis auf eine beginnende Demenz sein.

Umfangreiche Anamnese

Die Therapie in der Karl-Jaspers-Klinik beginnt stets mit einer umfangreichen Anamnese, bei der unter an­drem ein detailliertes Arzt-Gespräch mit dem Betroffenen und seinen Angehörigen über die Lebensgeschichte und die aktuelle Situation im Mittelpunkt steht. „Wir klären dabei zum Beispiel ab, welche Symptome vorliegen und wie lange diese schon bestehen“, berichtet Dr. Brieden. Die anschließende medizinische Behandlung besteht in der Regel aus der Kombination einer vom behandelnden Klinik-Arzt gesteuerten Medikation und einer breit gefächerten psychotherapeutischen Behandlung, die genau auf die individuellen Möglichkeiten des Patienten abgestellt wird. Das Angebot der Karl-Jaspers-Klinik reicht hier von der Einzel-Gesprächstherapie mit einem Psychotherapeuten oder der Diskussion in der Gruppe bis zu sportlichen Aktivitäten oder Kreativarbeit in der Werk- und Bastelgruppe.

Die häufig vier bis sechs Wochen dauernde stationäre Behandlung verhilft den meisten Betroffenen zu deutlich mehr Lebensqualität, berichtet Dr. Thomas Brieden: „Mehr als 98 Prozent der Patienten geht es nach der Therapie sehr viel besser. Ein Großteil kann sogar dauerhaft von der Depression befreit werden.“

Die Angehörigen können bei einer plötzlich auftretenden Depression eines alten Menschen nur wenig zur medizinischen Behandlung beitragen. Mit Beistand und Zuspruch allein sei es bei eindeutigen Symptomen leider nicht getan, betont Dr. Thomas Brieden: „Wirklich helfen kann dann nur ein Facharzt für Psychiatrie oder Gerontopsychiatrie.“

Dessen ungeachtet sei es insbesondere nach einem schweren Schicksalsschlag wichtig, dass sich der Betroffene nicht allein fühlen muss und die Bezugspersonen genau auf psychische Veränderungen achten. Dazu gehöre auch, dass die Angehörigen und auch der Hausarzt offen über mögliche Depressions-Symptome mit dem Betroffenen sprechen.

Da die Karl-Jaspers-Klinik auch über einen Neurologen und einen Facharzt für Innere Medizin verfügt, können dort auch Menschen mit körperlichen Erkrankungen behandelt werden. Bei schweren Erkrankungen, die etwa eine Chemotherapie erfordern, wird die psychologische Behandlung auch in den Kliniken in Oldenburg und Westerstede durchgeführt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.