Oldenburg Während Patienten mit einer chronischen Bronchitis in erster Linie unter dauerndem Husten und Auswurf leiden, ist permanente Luftnot und eine daraus folgende Verschlechterung der körperlichen Leistungsfähigkeit das wichtigste Beschwerdebild eines Lungenemphysems. Für eine ausgeglichene Atmung muss die Lunge zwei Aufgaben übernehmen. Sie muss die Atemluft über die Bronchien in den Brustkorb leiten und wieder abgeben, was medizinisch als Ventilation bezeichnet wird.

Die Lunge sorgt für den Gasaustausch.

Die Lunge sorgt bei gesunden Menschen für einen ausgeglichenen Sauerstoffaustausch. Der beim Einatmen aufgenommene Sauerstoff wird in den beiden Lungenflügeln so weitergeleitet, dass er vom Blut aufgenommen und mit diesem in alle Organe transportiert werden kann. Beim Ausatmen wird mit dem verbrauchten Sauerstoff insbesondere das Kohlendioxid nach außen abgegeben, das – ähnlich wie in einem Kraftwerk – im Zuge des Stoffwechsels durch die Verbrennung von Nährstoffen wie Kohlenhydraten oder Fetten entsteht. Dies nennt man den Gasaustausch.

Atmen wird anstrengend

Bei Menschen mit COPD kann das Atmungsorgan diese Aufgaben nur noch bedingt erfüllen. Die bei einem Lungenemphysem typische Luftnot entsteht, weil immer ein Rest der aufgenommenen Atemluft in der Lunge verbleibt. Die Folge ist, dass man beim Ausatmen nicht genügend verbrauchte Luft abgeben kann. Dadurch wird die Atmung anstrengender und es entsteht Luftnot – zunächst nur bei großen Belastungen. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung kann die Luftnot aber schon beim Sprechen auftreten.

Beim Lungenemphysem macht das Lungengewebe schlapp.

Das Hauptproblem ist bei einem Lungenemphysem, dass die elastischen Fasern in der Lunge durch die ständige Überbeanspruchung ihre Spannkraft verlieren und wie bei einem Luftballon ausleiern. Die im Rahmen der Sauerstoffverarbeitung für einen gut funktionierenden Gasaustausch verantwortlichen Lungenbläschen werden nach und nach zerstört. Aus vielen kleinen werden so deutlich weniger größere Lungenbläschen – mit dem Nachteil, dass sich die bei gesunden erwachsenen Menschen durchschnittlich rund 70 Quadratmeter große Lungenoberfläche reduziert, die für den Gasaustausch zur Verfügung steht. Die Folge ist, dass der Sauerstoffgehalt im Blut immer weiter absinkt und die Organe zunehmend schlecht versorgt werden.

Durchs Emphysem mangelt es dem Patienten an Sauerstoff.

Die so entstehende Mangelversorgung bewirkt eine deutliche Verringerung der Leistungsfähigkeit und Lebensqualität, erklärt Dr. Regina Prenzel, Direktorin der Klinik für Innere Medizin und Pneumologie im Pius-Hospital Oldenburg: „Viele Betroffene geraten schon nach wenigen Schritten außer Atem und trauen sich im Alltag immer weniger zu. Nicht selten stellen sich dann neben den körperlichen auch psychische Probleme wie etwa Depressionen ein.“ Hauptrisiko für das Entstehen einer COPD ist die Inhalation schädlicher Substanzen, überwiegend durch Rauchen. Dadurch werden die natürlichen Reparaturmechanismen der Lunge zerstört. Ob ein Mensch erkrankt, hängt neben der genetischen Disposition von der Dauer und Intensität des Rauchens ab.

Häufige Volkskrankheit

Ernsthafte Beschwerden stellen sich bei den meisten Betroffenen erstmals zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr ein. Fachgesellschaften schätzen, dass in Deutschland rund acht bis zwölf Prozent der Bevölkerung an einer der verschiedenen Formen von COPD erkrankt ist. Weltweit liegt die Zahl bei etwa 600 Millionen Menschen, womit chronische Lungenerkrankungen zu den am weitesten verbreiteten Volkskrankheiten gehören.

Die Dunkelziffer könnte sogar noch höher sein. „Viele Frauen und Männer glauben zunächst, dass mit einem Lungenemphysem verbundene Beschwerden eine Begleiterscheinung des Alterungsprozesses sind und nehmen die Probleme als vermeintlich natürliche Entwicklung lange Zeit hin“, berichtet Dr. Regina Prenzel. Tatsächlich werde ein Lungenemphysem oft erst im fortgeschrittenen Alter bei einem Lungenfunktionstest festgestellt, der im Rahmen einer anderen Verdachtsdiagnostik erfolgt.

Verdächtige Symptomesollte man auch schon in jüngeren Jahren frühzeitig vom Hausarzt oder Lungenfacharzt abklären lassen, empfiehlt Dr. Regina Prenzel: „Emphysembedingte Schäden sind irreversibel. Um so weiter die Erkrankung fortgeschritten ist, desto schlechter sind die Chancen für die Wiederherstellung einer Lungenfunktion, die eine gute Lebensqualität ermöglicht.“ Mit einer frühzeitigen Diagnose und qualifizierten medizinischen Behandlung könne man das Fortschreiten der Erkrankung in der Regel aufhalten und in vielen Fällen eine deutliche Linderung der Beschwerden erreichen. Die Heilung eines Lungenemphysems – und auch die Wiederherstellung zerstörter Gewebestrukturen – sei aber nicht möglich.

Zur Besserung der Beschwerden kann der Patient mit einem konsequenten Rauchverzicht eine Menge beitragen. Denn mit dem Einatmen des Zigarettenrauchs wird die Schädigung der Lungenbläschen immer weiter vorangetrieben. Der Einsatz von Medikamenten hat bei einer Emphysem-Therapie dagegen eine eher zweitrangige Bedeutung.

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