Oldenburg Das Helicobacter-Bakterium wurde erst Anfang der 1980er Jahre von zwei australischen Wissenschaftlern als möglicher Auslöser von chronischen Magenschleimhautentzündungen sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren identifiziert. Die im Jahr 2005 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnete Entdeckung hat zu grundlegenden Veränderungen bei der Behandlung der Gastritis- und der Ulkuserkrankung geführt. Zuvor waren Magengeschwüre als eine psychosomatische Erkrankung eingestuft worden, die insbesondere durch dauernden Negativ-Stress entsteht.

Fachleute gehen davon aus, dass in Deutschland etwa sechs bis sieben Prozent der Kinder und 30 Prozent der Erwachsenen mit dem Bakterium leben, wobei die Infektionsrate mit dem Alter zunimmt. In Ländern mit weniger strengen Hygienestandards liegt die Infektionsrate deutlich höher. Fachleute schätzen, dass rund 50 Prozent der Weltbevölkerung mit Helicobacter-pylori-Bakterien infiziert ist.

Heliobacter pylori verursacht oft keine Symptome

Auch wenn ein Teil der Betroffenen früher oder später mit Folgeproblemen rechnen muss, ist die Infektion zumeist kein Grund zur Sorge, erklärt Prof. Hans Seifert, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin – Gastroenterologie im Klinikum Oldenburg: „Bei den meisten Menschen verursacht die Infektion mit dem Bakterium keine Symptome.“ In diesem Fall sei aus medizinischer Sicht weder eine Untersuchung zur Aufklärung eines Besiedlungsverdachts noch eine Behandlung nötig. Ein flächendeckendes Screening werde in den wissenschaftlichen Leitlinien aus guten Gründen nicht empfohlen.

Beim Helicobacter pylori handelt es sich um ein spiralförmig gewundenes Bakterium, das vermutlich vor allem über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser aufgenommen wird und sich dann in der Schleimhaut des Magens ansiedeln und vermehren kann. Der Erreger bildet ein spezielles Eiweiß, das unter anderem Harnstoff in Ammoniak umwandelt, was wiederum zugleich die Neu­tralisation von Magensäure und den Schutz des Bakteriums zur Folge hat. „Dadurch schädigt Helicobacter die Abwehrmechanismen gegen die aggressive Säure“, schreibt der Bundesverband Deutscher Internisten. Als Folge werden dann Entzündungsprozesse in der Magenschleimhaut ausgelöst.

Immunsystem bekämpft Heliobacter pylori, Symptome bleiben aus.

Beim größten Teil der Betroffenen kommt das Immunsystem des Körpers gut mit entsprechenden Attacken zurecht, so dass sie ungefährlich bleiben, berichtet Prof. Seifert: „Meistens merkt man nichts von der Besiedlung und muss auch nicht mit gesundheitlichen Folgeproblemen rechnen.“ Bei einem kleinen Teil der Betroffenen könne es aber anders kommen, und das Bakterium werde zum Auslöser für schwerwiegende gesundheitliche Schädigungen.

Chronische Probleme

In erster Linie können das chronische, manchmal auch schmerzhafte Entzündungen von Teilen oder der gesamten Magenschleimhaut sein – eine sogenannte Typ-B-Gastritis. Bei rund zehn Prozent der Betroffenen bilden sich Geschwüre im Magen oder dem angrenzenden Zwölffingerdarm. Die Medizin wisse heute, dass Helicobacter pylori der häufigste Auslöser dieser Geschwüre ist. Darüber hinaus können infolge einer Infektion medizinisch als Ulkus bezeichnete Defekte der Magenschleimhaut entstehen. In selteneren Fällen kann die Besiedlung zudem das Entstehen von Magenkrebs sowie den sogenannten MALT-Lymphomen (Tumoren des Lymphsystems im Magen) begünstigen.

Auf ein Problem mit dem Bakterium weisen bei Erwachsenen insbesondere Verdauungsstörungen und sehr unangenehme unspezifische Oberbauchschmerzen hin, die mitunter von Brust- und Gelenkschmerzen, Unwohlsein und Durchfall begleitet werden. Auch starker Mundgeruch kann ein Hinweis sein.

Bei Symptomen sollte mit dem Patienten besprochen werden, welche Konsequenzen ein positiver Keimnachweis hat, betont Seifert: „Eine entsprechende Untersuchung sollte nur dann erfolgen, wenn anschließend auch eine geeignete Therapie durchgeführt wird.“

Den Patientenmuss klar sein, dass die in den meisten Fällen zur Helicobacter-Behandlung eingesetzten Medikamente auch erhebliche Nebenwirkungen verursachen können. Deshalb muss in jedem Einzelfall genau abgewogen werden, ob und wie die Therapie durchgeführt werden soll.

Zur Aufklärung eines Infektionsverdachts bei Beschwerden sollte immer eine Magenspiegelung erfolgen, betont Prof. Hans Seifert. Durch diesen meistens ambulant durchgeführten Eingriff wird sichergestellt, dass ernstzunehmende Befunde nicht übersehen werden. Die Helicobacter-Infektion könne dabei sehr zuverlässig mittels Schleimhautproben diagnostiziert oder auch ausgeschlossen werden.

Oft wird die Besiedlung mit dem Bakterium bei einer Magenspiegelung festgestellt, die wegen einer anderen Erkrankung veranlasst wurde. Bei einer chronischen Magenschleimhautentzündung oder einem Ulkus sollte eine Behandlung der Infektion erfolgen, um Patienten von den Beschwerden und dem Risiko für Folgeerkrankungen zu befreien.

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