Ganderkesee Beate Lührßen erinnert sich noch genau daran, wie es ihr damals ging: „2002 war das. Ich musste auf einmal oft Wasser lassen und hatte ständig Durst. Ich dachte erst, ich hätte was an der Blase“, sagt die 65-Jährige. Doch die Diagnose lautete ganz anders: Lührßen ist Typ-2-Diabetikerin.

14. November bewusst ausgewählt

Der Weltdiabetestag wird seit 1991 von der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) begangen. Seit 2007 ist der Weltdiabetestag ein offizieller Tag der Vereinten Nationen. Der 14. November ist der Geburtstag von Frederick G. Banting, der gemeinsam mit Charles Herbert Best 1921 das lebenswichtige Insulin entdeckte.

Die Selbsthilfegruppe in Ganderkesee trifft sich jeden zweiten Montag im Monat ab 19 Uhr im Schulungsraum der admedic GmbH am Ebereschenweg 1. Bei jedem Treffen gibt es ein Thema, wie „Der richtige Insulin-Pen“ oder „Tabletten einnehmen leicht gemacht“. Einmal im Jahr unternimmt die Gruppe einen Tagesausflug zu einer Diabetesklinik. Die Gruppe ist zu erreichen unter Telefon  04222/80 96 99.

www.diabetes-selbsthilfe-gruppe-ganderkesee.de

Und davon gibt es immer mehr in Deutschland. Das geht unter anderem aus dem „Diabetes-Atlas“ der Barmer hervor, den die Krankenkasse anlässlich des Weltdiabetestages an diesem Mittwoch vorlegte. 2017 litten laut Barmer 7,6 Millionen Bürger, das sind 9,2 Prozent der Bevölkerung, an der Krankheit. Das seien knapp sechs Prozent mehr als 2013. Mehr als 90 Prozent der Betroffenen litten unter Diabetes vom Typ 2.

Allen Erkrankten rät Beate Lührßen, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Das tut sie selbst auch. Regelmäßig nimmt sie an den Treffen der Diabetes-Selbsthilfegruppe Ganderkesee teil. „Eine Selbsthilfegruppe ist eine ganz große seelische Stütze“, sagt die 65-Jährige. „Man sieht: Ich bin nicht allein.“

Die Ganderkeseer Selbsthilfegruppe gibt es seit 2010. Gegründet hat sie Thomas Franzki. Der 73-Jährige, ebenfalls Typ-2-Diabetiker, bekam die Diagnose vor 34 Jahren. „Es ist wichtig, sich mit anderen auszutauschen. Es gibt viele Diabetiker, die unter Depressionen leiden“, sagt Franzki. „Ärzte haben für lange Gespräche keine Zeit.“

In der Gruppe gehe es zum einen darum, über Ängste zu sprechen. Der Gedanke an mögliche Folgeschäden sei für viele Diabetiker eine große Belastung, sagt Franzki und zählt Nieren-, Augen- sowie Nervenschäden und in der Folge Amputationen auf.

Der Wissensaustausch stehe laut Franzki im Mittelpunkt. Denn Diabetes sei komplex. Bei jedem Diabetiker müsse die richtige Behandlungsform gefunden werden. Franzki etwa startete mit zuckersenkenden Medikamenten, die verursachten aber Bauchschmerzen und Blähungen. Heute pikst er sich mehrmals am Tag in den Finger. Ein Messstreifen zeigt dann, wie hoch der Zuckergehalt im Blut ist. Ist er zu hoch, spritzt er sich mit einer Stechhilfe Insulin in den Bauch. Das jüngste Mitglied der Gruppe, die 38-jährige Stefanie Eiben, hingegen nutzt eine neuere Technik: Auf ihrer Brust klebt ein Sensor, der die Blutzuckerwerte misst. Eine App auf ihrem Smartphone zeigt ihr die Werte an. Beate Lührßen wiederum verabreicht sich Langzeitinsulin, so dass sie ihre Werte nur zweimal am Tag messen muss.

„Sobald in einer Familie ein Diabetiker geoutet ist, ist in der Familie erstmal Chaos“, sagt Franzki. Deshalb seien nicht nur die Erkrankten selbst, sondern auch Angehörige in der Gruppe willkommen. Erich Eiben begleitet seine Frau Stefanie zu jedem Gruppentreffen. „Wenn man sich vorstellt, der Partner ist nachts unterzuckert, da will man schon wissen, was zu tun ist“, sagt der 50-Jährige.

Die Zahl der Gruppenmitglieder ist in den vergangenen Jahren von 17 auf 50 gestiegen. Und vielleicht werden es bald noch mehr. Denn dass die Zahl der Betroffenen steigt und die Krankheit zudem bei vielen unentdeckt ist, beobachtet auch die Gruppe selbst: Beim Ganter-Tach Anfang des Monats bot sie Blutzuckermessungen an: Bei einem Viertel der 60 Getesteten war der Wert zu hoch.

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Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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