Delmenhorst Um niedergelassene Ärzte vom strapaziösen Bereitschaftsdienst bzw. hausärztlichen Notdienst zu entlasten, haben die Universitätsklinik für Anästhesiologie des Klinikums Oldenburg, die Johanniter-Unfall-Hilfe und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen am 1. Januar 2018 das Modellprojekt „116 117 – Telemedizin als Unterstützung im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst“ gestartet. Die Zwischenbilanz falle durchweg positiv aus, sagte Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Oldenburg der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), am Freitag in der Dienststelle der Johanniter-Unfall-Hilfe Delmenhorst. Sowohl von Patienten-, Angehörigen- als auch Ärzteseite. Auch Dr. Daniel Overheu, Projektverantwortlicher und Ärztlicher Leiter für Telemedizin im Klinikum Oldenburg, zog ein sehr positives Zwischenfazit.

Von Freitagabend bis Montagfrüh wird derzeit in Delmenhorst, Ganderkesee und Lemwerder ein mehrstufiges System mithilfe telemedizinischer Methoden praktiziert, welches es examinierten Gesundheitsfachkräften ermöglicht, bei Bedarf einen Notarzt (Anästhesist) des Klinikums Oldenburg virtuell (Videochat) zuzuschalten und mit ihm eine Behandlung in die Wege zu leiten. Ausgestattet sind die Einsatzkräfte mit einem Gerät für telemedizinische Untersuchungen und einem Tablet. Vitaldaten des Patienten, zum Beispiel ein EKG, können direkt an das Klinikum übertragen werden.

Nach einem Anruf unter der bundesweiten Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) muss somit nicht mehr der Hausarzt in der Nacht zum Patienten rausfahren, bevor wenige Stunden später sein regulärer Praxisdienst beginnt. Diesen Einsatz übernehmen stattdessen in dem zweijährigen Modellprojekt Notfallsanitäter der Johanniter-Unfall-Hilfe. Unterstützt wird das Projekt auch vom Josef-Hospital Delmenhorst und der Berufsfeuerwehr als Trägerin des Rettungsdienstes der Stadt Delmenhorst.

Nach sechs Monaten Vorbereitung ging das zukunftsweisende Projekt am 2. Juli 2018 in die Praxis über. Seither gab es bis zum 30. Juni 273 Einsätze (169 in Delmenhorst, 83 in Ganderkesee, 21 in Lemwerder). In 58 Prozent der Fälle kam die Telemedizin (Videokontakt zum Klinikum Oldenburg) zum Einsatz. Die Notfallsanitäter konnten ohne Arztkontakt 42 Prozent der Einsätze abwickeln. Ein Beratungsgespräch vor Ort und die Behandlung ohne Medikation erfolgte in 65,2 Prozent der Fälle. Eine Medikation oder die Hilfe dabei war in 34,8 Prozent der Fälle nötig.

Etwa ein Drittel der niedergelassenen Hausärzte ist über 60 Jahre alt. Gerade in ländlichen Gebieten droht in den nächsten Jahren ein Versorgungsengpass. Durch die Telemedizin soll die Versorgung von Patienten auf dem Land verbessert werden. Da rund 70 Prozent der derzeitigen Medizinabsolventen Frauen sind, sollen auch gerade sie ermutigt werden, eine eigene Praxis zu eröffnen, statt als Ärztin in einer Klinik zu arbeiten, so Scherbeitz. Der nächtliche Bereitschaftsdienst mit Fahrten alleine in entlegene Winkel könne dabei jedoch eine abschreckende Wirkung haben. Auch vor dem Hintergrund der gestiegenen Zahl der Übergriffe bei medizinischen Einsätzen. Hier soll die Telemedizin mit berufserfahrenem Fachpersonal vor Ort Abhilfe leisten.

Das Projekt läuft bis zum 31. Dezember. Finanziert wird es durch Fördermittel sowie KVN, Johanniter und Klinikum Oldenburg. Die Krankenkassen beteiligen sich bisher noch nicht an der Finanzierung, führte Scherbeitz aus. Man würde sich aber wünschen, die Telemedizin zukünftig auch in der Woche im Bereitschaftsdienst einsetzen zu können, betonte Dr. med. Christoph Titz, Vorsitzender der Vertreterversammlung der KVN und des Bezirksausschusses in Oldenburg.

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Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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