Burhave Daniel Elsen wollte Informatiker werden. Doch das Schicksal hat es nicht zugelassen. Als er 18 Jahre alt war, erkrankte er an Leukämie. Fünf Jahre später kann der junge Mann aus Moormerland in Ostfriesland nicht lange stehen und laufen. Die Chemo-Therapie hat die Nerven seiner Beine geschädigt. Streicht er mit der Hand darüber, dann schmerzt es, als sei die Haut mit Brennnesseln überzogen.

Zurzeit hält sich Daniel Elsen, der sein Leben einem Stammzellenspender zu verdanken hat, in Burhave auf. Er und seine Eltern Renate und Folkmar Elsen sind eine von neun Familien aus den Bereichen Oldenburg, Ostfriesland und Hannover, die auf Kosten des Vereins Fussel – Hilfe für krebskranke Urlaub in Butjadingen machen. Zum 22. Mal hat Fussel einen solchen Aufenthalt für von Krebs betroffene Familien organisiert.

Ein Tag ändert alles

Daniel Elsen litt an Müdigkeit und Appetitlosigkeit, hatte bereits einen Arzt konsultiert, weil sich auf seinem ganzen Körper kleine rote Flecken. Der Tag an dem er drei Stunden aus der Nase blutete und sich in einer Oldenburger Klinik ein schrecklicher Verdacht bestätigte, änderte das Leben der ostfriesischen Familie von Grund auf.

„Das kann man nicht beschreiben, wie schlimm sowas ist“, sagt Renate Elsen und muss sich mit einem Taschentuch die Augen trocken wischen, als sie erzählt, dass sich in relativ kurzer Zeit ein Stammzellenspender fand. Zu dem Mann aus Schwäbisch-Gmünd hat die Familie inzwischen regelmäßigen Kontakt. Folkmar Elsen bezeichnet ihn als seinen zweiten Sohn.

Am 5. Februar 2014 wurde Daniel Elsen auf die Transplantationsstation verlegt, auf der er die Stammzellenspende empfing. Davor lagen vier Monate Chemo. Und die verursachte schlimme Nebenwirkungen. Das kleinste bisschen Licht brannte in den Augen des jungen Mannes wie Feuer. Das ist vorbei. Aber das Nervenleiden in den Beinen ist geblieben. Ob es je weggehen, er je ein völlig normales Leben führen, einer Arbeit nachgehen können wird, Daniel Elsen weiß es nicht. „Abwarten“ sagt sein Vater.

Auch in der Familie von Michael Ahlers-Gieseler ist der Krebs allgegenwärtig, obwohl die Erkrankung der Tochter seiner Verlobten Ramona Janßen schon vier Jahre her ist. Fenja Janßen war ein quirliges Mädchen. Ihre Mutter und deren Lebensgefährte wunderten sich, als Fenja immer stiller wurde. Sie konsultierten einen Arzt, der Nierenkrebs feststellte. Der bösartige Tumor war schon 18 Zentimeter groß und in diesem Stadium nicht operabel, weil die Gefahr bestanden hätte, dass er aufplatzt und der Krebs streut. Fenja musste sich einer Chemo-Therapie und einer Bestrahlung unterziehen, ehe der Tumor so weit geschrumpft war, dass operiert werden konnte.

Phase der Zerrüttung

Drei Monate lag die Achtjährige im Krankenhaus. Ihre Mutter war fast die ganze Zeit an ihrer Seite, konnte sich so aber nicht mehr um ihre anderen Kinder kümmern – eine Zerreißprobe für die Familie. Als das Schlimmste überstanden war, ging es in eine Familien-Reha. „Das war sehr wichtig, um die Phase der Zerrüttung aufarbeiten zu können und wieder in normale Bahnen zu kommen“, sagt Michael Ahlers-Gieseler.

Alle drei Monate muss Fenja zur Nachuntersuchung. Bis 2027 läuft dieses Programm für sie noch. Und auch wenn bislang alle Werte gut waren, die Familie zittert vor jedem dieser Termine.

Mit in den Urlaub in Butjadingen durfte Fenja ihre Freundin Mandy nehmen. Außerdem dabei sind ihre Geschwister Marie-Celine (8), Miles-Jerome (6) und der anderthalbjährige Mattheo. Wie die Elsens aus Moormerland engagieren sich auch Ramona Janßen und Michael Ahlers-Gieseler in einem Elternverein. Den Varelern wie den Ostfriesen ist es sehr wichtig, sich mit anderen Betroffenen austauschen zu können.

Bis Freitag bleiben die in Ferienhäusern in Burhave untergebrachten insgesamt 40 Gäste, die bereits zusammen in Bremerhaven waren und an diesem Donnerstag den Jader Park in Jaderberg besuchen. Den Aufenthalt, bei dem die Familien neue Kraft schöpfen können, finanziert Fussel nach Auskunft des Vorsitzenden Heiner Westphal komplett aus Spenden.

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Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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