Oldenburg Mit einer bösartigen Geschwulst im Gebärmutterkörper müssen Frauen insbesondere nach dem Ende der Wechseljahre rechnen. Besonders gefährdet sind Frauen nach der Menopause mit bestimmten Risikofaktoren wie einer oft durch hohes Übergewicht verursachten, unnatürlich hohen Östrogen-Produktion sowie Bluthochdruck oder Diabetes, erklärt Prof. Dr. Eduard Malik, Ärztlicher Direktor der Frauenklinik im Klinikum Oldenburg: „Bei dieser Risikogruppe besteht eine erhöhte Gefahr, dass in Folge einer ständigen Stimulation der Gebärmutterschleimhaut eine bösartige Geschwulst entsteht.“

Blutungen nach den Wechseljahren sind ein Alarmzeichen.

Das wesentliche Warnzeichen für einen Gebärmutterkörperkrebs ist eine nach Abschluss der Wechseljahre auftretende Blutung. Zwar sei dann längst nicht immer eine Krebserkrankung die Ursache. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten betroffene Frauen die überraschende Blutung umgehend von ihrem Gynäkologen abklären lassen, betont Prof. Dr. Malik: „Das ist schon deshalb wichtig, weil die Heilungschancen bei einem frühzeitig erkannten Gebärmutterkörperkrebs sehr gut sind.“ Ohne rechtzeitige medizinische Intervention kann aber auch diese Krebsrat auf andere Organe übergreifen und tödlich enden.

Optimale Bedingungen

Die Gebärmutter erfüllt bei Frauen im gebärfähigen Alter – als entscheidender Bestandteil des Fortpflanzungsapparats – vor allem die Funktion als Fruchthalter. Während des weiblichen Zyklusses bereitet sie sich unter anderem mit der Bildung der Gebärmutterschleimhaut jeden Monat aufs Neue darauf vor, optimale Bedingungen für die Einnistung eines befruchteten Eies zu liefern, damit die Schwangerschaft beginnen kann. Wenn kein befruchtetes Ei aufgenommen wurde, wird die dann nicht benötigte Gebärmutterschleimhaut in regelmäßigen Abständen vom Organismus abgestoßen, was letztlich die Regelblutung der Frau ist.

Voraussetzung für eine auf natürlichem Weg herbeigeführte Schwangerschaft ist, dass die für die Befruchtung benötigten Spermien beim Geschlechtsakt in der Scheide aufgenommen und von dort durch den Gebärmutterhals und den Gebärmutterkörper in den Eileiter gelangen, wo sich die weibliche Eizelle und der männliche Samen begegnen können. Nach einer geglückten Befruchtung wird das Ei in den Gebärmutterkörper transportiert, wo es weiter reifen und der so erzeugte Embryo bis zur Geburt wachsen kann.

Jede Blutung nach den Wechseljahren muss abgeklärt werden.

Mit Beginn der Menopause bereitet sich der weibliche Körper nicht mehr auf eine Schwangerschaft vor. Da die Gebärmutter dann eigentlich keine Funktion mehr hat, wird auch die zuvor im Zusammenwirken der weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen erfolgende Produktion der Gebärmutterschleimhaut eingestellt – als dessen Folge dann die monatliche Regelblutung dauerhaft ausbleibt. Eine vor allem durch zu viel Fettgewebe ausgelöste Überproduktion von Östrogen kann dazu führen, dass die längst abgeschlossene Produktion von Gebärmutterschleimhaut wieder in Gang gesetzt wird. Als Folge erhöht sich die Gefahr für die Bildung bösartiger Krebszellen.

Oft andere Ursachen

Der Gynäkologe untersucht im Verdachtsfall zunächst, ob andere Ursachen als Krebs für die unnatürliche Blutung verantwortlich sind. „Das können zum Beispiel gutartige Gewebeveränderungen oder Entzündungen in der Gebärmutter sein“, berichtet Prof. Dr. Malik. Für die Diagnostik nach einer auffälligen Ultraschalluntersuchung reicht eine meistens nur wenige Minuten dauernde Spiegelung und Ausschabung der Gebärmutter aus. Bei diesem ambulanten Eingriff kann der Gynäkologe krankhaften Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut mittels einer am Computerbild sichtbar gemachten Optik auf die Spur kommen, die durch ein ferngesteuertes flexibles und millimeterdünnes Rohr von der Scheide aus in die Gebärmutter eingeführt wurde. Mit einem ebenfalls in die Scheide eingeführten „Löffel“ können bei dem gleichen Eingriff sofort Proben von dem verdächtigen Bereich genommen werden. Für eine sichere Diagnose muss das Gewebe zunächst von einem Pathologen untersucht werden, so Prof. Dr. Malik: „Zum Glück wird der Gebärmutterkörperkrebs in drei Viertel der Fälle so früh erkannt, dass wir die meisten Frauen dauerhaft davon befreien können.“

Bei der DiagnoseGebärmutterkörperkrebs ist fast immer die komplette Entnahme der Gebärmutter sowie der Eileiter und Eierstöcke erforderlich. Da diese Geschlechtsorgane nach den Wechseljahren keine Funktion mehr erfüllen, bedeutet das aus medizinischer Sicht keinen Verlust, erklärt Prof. Dr. Eduard Malik. Dessen ungeachtet haben betroffene Frauen mitunter erhebliche emotionale Probleme mit einem entsprechenden Unterleibseingriff. Neben besonderer Fürsorge des Partners kann im Anschluss auch eine psychologische Betreuung nötig sein.

Um alle Krebszellen zu erwischen, müssen auch die Lymphknoten aus dem benachbarten kleinen Becken entnommen werden, da sich dort bösartige Krebszellen abgelagert haben können. Zudem kann man durch die Untersuchung des Lymphgewebes feststellen, wie weit der Krebs fortgeschritten ist und wie bösartig die Zellen sind. Die Operation erfolgt meistens durch einen Bauchschnitt und dauert etwa 120 Minuten. Die Frauen bleiben zur Kontrolle in der Regel etwa sieben Tage in der Klinik.

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