Bad Zwischenahn Antriebslosigkeit, tiefe Traurigkeit, quälende innere Unruhe sowie eine zunehmende Schweigsamkeit bis zur Erstarrung des Körpers: Eine Depressionserkrankung kann unterschiedliche Gesichter haben. Je nach Subtyp und Ausprägung bewirkt sie nicht nur eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. Aktuelle Studien zeigen zudem, dass Menschen mit einer unzureichend oder gar nicht behandelten Depression mit einer um rund zehn Jahre verringerten Lebenserwartung rechnen müssen.

Der Grund ist nicht in erster Linie die erhöhte Suizidgefahr, die eine schwere Depression mit sich bringt. Vielmehr sorgt die „Egal-Stimmung“ der Erkrankten dafür, dass sie sich und ihre Bedürfnisse vernachlässigen . Neben der Seele wird dann auch der Körper geschädigt. Weil ihnen Energie und Kraft fehlen, kümmern sich zum Beispiel Diabetiker und Bluthochdruckpatienten während einer depressiven Phase häufig nicht mehr um die medikamentöse Einstellung ihrer körperlichen Erkrankung.

Zudem werden Schmerzen stärker wahrgenommen und entwickeln sich mitunter zum Leitsymptom. Dazukommt, dass eine Depression gerade bei Männern nicht selten mit bestimmten Herzerkrankungen sowie einem krank machenden Lebensstil korrespondiert. Das Erkrankungsrisiko nimmt zwar im höheren Alter deutlich zu. Es können aber auch schon junge Menschen erkranken.

Welt erscheint negativ

„Für viele Betroffene ist bereits das morgendliche Aufstehen oder Zähne putzen eine unerträgliche Belastung. Ohne medizinische Hilfe rutschen sie häufig tief in eine ausschließlich negativ wahrgenommene Welt ab und sehen oft keinen Ausweg mehr“, erklärt Prof. Dr. Dr. Rene Hurlemann, Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in der Karl-Jaspers-Klinik in Bad Zwischenahn: „Von einer Depression kann man innerhalb weniger Monate komplett zugrunde gerichtet werden.“

Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass eine Depression nicht nur eine Hirnerkrankung ist, sondern den gesamten Organismus erfasst. Auslöser ist eine Vernetzungsstörung bestimmter Hirnregionen. Ihre Kommunikation funktioniert nicht mehr – mit negativen Auswirkungen auf das Gemüt sowie das Gedächtnis, die Konzentration und letztlich auf den gesamten Organismus. Verantwortlich ist dafür vor allem anhaltender Stress, der etwa durch eine berufliche Krise, eine Trennung oder Einsamkeit ausgelöst wurde. Viele Menschen, die im Erwachsenenalter eine Depression entwickeln, leben mit seelischen Narben aus der Kindheit. Hinzukommt, dass eine genetische Disposition das Erkrankungsrisiko begünstigt.

Frühzeitig Hilfe suchen

Um einen unnötig langen Leidensdruck und eine Chronifizierung der Erkrankung zu verhindern, sollte im Verdachtsfall möglichst früh ärztliche Hilfe gesucht werden. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt oder ein Psychiater bzw. Psychotherapeut. Zwar handelt es sich bei einem vorübergehenden seelischen Tief längst nicht immer um eine behandlungsbedürftige Depression. Wenn typische Beschwerden aber über mehr als zwei Wochen anhalten, muss das Problem von einem mit der Erkrankung vertrauten Mediziner abgeklärt werden, betont Prof. Hurlemann: „Eine Depressionserkrankung wird ohne eine qualifizierte Behandlung meistens immer schlimmer. Weil die Verzweiflung auf Dauer nicht auszuhalten ist, lässt der Lebensmut irgendwann nach.“

NWZonline.de/gesundheit
Alles zum Thema Gesundheit finden Sie hier!

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.