Vechta Wie jeder andere Mensch benötigt ein Säugling vom ersten Atemzug an eine hundertprozentige Sauerstoffversorgung, damit eine normale Entwicklung möglich ist und sich keine gesundheitlichen Folgeschäden einstellen. Die Lunge eines Neugeborenen braucht nach der Geburt meistens eine Minute, bis sie voll einsatzbereit ist.

Kommt es zu einer Störung, insbesondere bei kranken und zu früh geborenen Kindern, kann eine Atemunterstützung für das Baby erforderlich sein – mitunter bis zur künstlichen Beatmung. Das ist dann eine ernstzunehmende Situation, die heute aber in einer Kinderklinik gut zu managen ist, berichtet Dr. Oliver Schirrmacher, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im St.-Marienhospital Vechta: „Die Atemhilfe ist fast immer nur für kurze Zeit nötig. Danach atmet das Baby in der Regel ganz normal. Man muss der Natur einfach etwas Zeit geben.“

Häufige Komplikation

Das gleiche gilt für die weitere Entwicklung der Lunge. Das während der Schwangerschaft im Mutterleib kaum durchblutete Organ braucht bei einem gesunden Säugling zwei bis drei Tage, bis es vollständig vom Blutkreislauf erschlossen ist und sich das Herz an die neue Situation angepasst hat.

Eine Lungenentzündung zählt zu den vergleichsweise häufigen Komplikationen, die mit einer Geburt verbunden sein können. Schon wegen ihres noch nicht voll ausgebildeten Immunsystems sind Kinder während ihres ersten Lebensjahres besonders empfindlich. Säuglinge leben daher mit einem deutlich erhöhten Risiko für eine Pneumonie – also einer Entzündung des Lungengewebes.

Virusinfektion verursacht Atemprobleme

Meistens ist dafür eine Virusinfektion verantwortlich, erklärt Schirrmacher: „Für Erwachsene harmlose Bakterien oder Viren können bei Neugeborenen eine Lungenentzündung auslösen.“ Ein Restrisiko könne man auch mit einer optimalen Hygiene auf der Geburtsstation nicht absolut ausschließen, weil in der Atemluft immer auch Keime enthalten sind.

In seltenen Fällen erfolgt die Infektion bereits während des Geburtsvorgangs, wenn der Säugling die Erregerkeime beim Einatmen von Fruchtwasser der Mutter aufnimmt. Betroffenen Kindern kann man in der Regel schonend und effektiv mittels sorgsam dosierter Antibiotika helfen.

Atemprobleme als Symptom einer Lungenentzündung

Typisches Symptom einer Lungenentzündung ist eine schnelle und erschwerte Atmung des Babys, was sich oft mit einem angestrengten Stöhnen beim Ausatmen bemerkbar macht. Dazu können Abgeschlagenheit, Fieber, Trinkunlust sowie eine erhöhte Herzschlagfrequenz kommen. In schweren Fällen verfärben sich die Lippen blau.

Da eine Virusinfektion bei Kleinkindern häufig mit einem schweren Krankheitsverlauf verbunden ist, sollten Eltern bei entsprechenden Anzeichen frühzeitig den Kinderarzt aufsuchen. Bei einer rechtzeitigen medizinischen Behandlung ist eine Lungenentzündung fast immer nach maximal zwei Wochen ausgestanden, ohne dass Schäden zurückbleiben.

Erkrankung ernstnehmen

Allerdings sollte man die Erkrankung auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen, betont Schirrmacher: „Selten gibt es dramatische Fälle, bei denen es zum Beispiel zur Eiterbildung in der Lunge kommt oder die Erreger sich über die Blutbahn im gesamten Körper ausbreiten.“ Da dann erschwerend hinzukomme, dass das Abwehrsystem noch schwach ist, müssen betroffene Säuglinge im schlimmsten Fall mit lebensbedrohlichen Folgen wie einer Blutvergiftung oder einer Hirnhautentzündung rechnen.

Lungenentzündung bei Kleinkindern im Krankenhaus behandeln

Wenn auf der Geburtsstation im Krankenhaus oder später beim Kinderarzt eine Lungenentzündung festgestellt wurde, ist stets eine stationäre Versorgung im Krankenhaus erforderlich, wo dem Kind intravenös – also per Tropf – entzündungshemmende Antibiotika gegeben werden und eine ärztliche Kontrolle des Krankheitsverlaufs erfolgt.

Wenn das eingesetzte Medikament gut wirkt, stellt sich nach wenigen Tagen eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustands ein, betont Dr. Schirrmacher: „Das Fieber geht dann zurück, und auch die Atmung normalisiert sich nach und nach. Man sieht dem Kind deutlich an, dass es ihm wieder besser geht.“

Nach einer Pneumoniesind keine besonderen Schutzmaßnahmen erforderlich. Dr. Oliver Schirrmacher empfiehlt viel frische Luft und Bewegung. Mit warmer Kleidung versehene Säuglinge müssen sich auch nicht vor kalten Temperaturen fürchten. Eine einfache Regel sei, dass der Säugling stets eine Kleidungsschicht mehr tragen sollte als ein Erwachsener. Schützen sollte man das Baby auch im Sommer vor Nässe und Zugluft. Aufs Rauchen sollten Eltern mit Rücksicht auf das empfindliche Atemsystem des Kleinkinds in dessen Anwesenheit komplett verzichten.

Eine mit Husten und Schnupfen verbundene Erkältung ist auch bei Kleinkindern kein Grund zur Beunruhigung. Allerdings ist das Erkältungsrisiko in diesem Alter höher als bei einem Kind mit einem ausgereiften Immunsystem. Auch der Verlauf der Erkrankung ist häufig schlimmer als in späteren Lebensjahren. Bei starken Beschwerden oder wenn sich auch nach zwei bis drei Tagen keine Besserung einstellt, sollte man den Säugling bei einem Kinderarzt vorstellen.

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