Geschnittene Figuren, manchmal auch als Bonsai-Version, sind durchaus häufiger im Oldenburger Land zu sehen, einen historisch komplett erschlossenen Taxusgarten wie diesen „finden Sie im norddeutschen Raum kein zweites Mal“, sind die Hofbesitzer stolz auf ihren grünen Schatz. „Deshalb ist es uns auch wichtig, den Besuchern die Entstehungsgeschichte näher zu bringen“, erklärt Georg Meyer zu Nutteln. Der Garten ist „nur“ leidenschaftliches Hobby. Um in das ursprüngliche Lebensgefühl des Taxusgartens einzutauchen, lohnt sich eine Führung auf dem denkmalgeschützten Hof, dessen Wurzeln sogar bis zu Karl den Großen zurückreichen.

Wurzeln bis zu Karl dem Großen

Die alte Hofstelle ist um 800 n.Chr. entstanden, die Familien- und Hofgeschichte des Meyerhofes (von Majordomus) kann bis ca. 900 n.Chr. zurückverfolgt werden, weiß Meyer zu Nutteln. „Wenn die Hofbeamten nicht vernünftig wirtschafteten, konnten sie ‚abgemeiert‘ werden“, erklärt er den Namensursprung. Seine männliche Ahnenlinie kann er bis 1446 zurückverfolgen; in den Besitz der Familie kam der Hof 1756. Das heutige Zweiständerhaus in Fachwerkbauweise stammt von 1816. Auch der Ursprung des Taxusgartens liegt im 19. Jahrhundert.

Stattliches Brautpaar

Es war ebenfalls ein Georg Meyer zu Nutteln, der laut Überlieferung auf seiner Hochzeitsreise eben diese Idee zum Taxusgarten mitgebracht und 1860 verwirklicht hatte. Die Liebe zu seiner Frau fand hier auch seinen ganz besonderen Ausdruck in den stattlichen, heute fast vier Meter hohen Figuren „Braut und Bräutigam“. Der Blumen- und Gemüsegarten sind das Reich der Frau, deshalb steht die weibliche Figur genau in der Mittelachse zwischen diesen beiden Gärten. Um von den einen in den anderen Garten zu gelangen, muss man um die Frauenfigur herumgehen. Der Mann wurde in diesem Gartenreich abseits der Gartenachse platziert. Durch eine notwendige Umgestaltung geriet die Frau mit der prachtvollen Taille und den aufgestützten Armen geringfügig aus der Mittelachse. „Einige behaupten, ich hätte den Versatz extra gemacht“, schmunzelt der Hausherr.

Intensiver Formschnitt

Wenn die Hainbuchenhecke im Frühjahr austreibt, ist der Taxusgarten rundum von dieser grünen Grenze eingefasst und wie ein kleines Paradies abgeschlossen von der übrigen Welt. Allerdings braucht der Taxus baccata auch genügend Licht, so die Erfahrung des Hobbygärtners. Die kunstvollen historischen Spiralen konnte er nicht halten, da die Eiben durch zu viel Schatten an dieser Seite auskahlten. Genauso empfindlich reagierte die älteste und schattenverträglichste Baumart Europas früher auf die Ammoniak-Emissionen aus den Hühnern- und Schweinestellen im Westen; dort befinden sich heute nur noch Pferdeställe.

„Ich bin für die gröberen Arbeiten wie Heckeschneiden und Rasenmähen zuständig“, so der Hausherr bescheiden. Wem allerdings so akkurat ein exakter Formschnitt nur mit Augenmaß und frei Hand gelingt, muss viel Erfahrung haben. „Ich versuche, die Eibe im Oktober vor den Nachtfrösten zu schneiden, dann bilden sich erst im April neue Knospen und die Figuren sind bis in den Sommer noch gut zu erkennen“, hat die Pflege ein überschaubares Maß. „Jedes Jahr geht da trotzdem eine Heckenschere durch“, erklärt der Eiben-Experte, der bis aufs alte Holz zurückschneidet. Pro Jahr entsteht so ungefähr nur ein Zuwachs von einem Millimeter. „Der Bogen war früher breiter, jetzt komme ich mit der Karre kaum noch durch“, zeigt er die stete Entwicklung in Höhe und Breite auf.

Blumen, Obst und Gemüse sind Frauensache

Wo im Frühjahr Narzissen links und rechts am Weg im Taxusgarten blühen, entfalten sich im Sommer wunderschöne Rosen wie die Lions-Rose, das knallig-rote „Olympische Feuer“, die weiß-rötliche Aspirin, die gelbe Gloria Day sowie pflegeleichtere ADR-Rosen. Obwohl Karin von Erdmann die Narzissen früh runterschneidet, damit die Rosenknospen genügend Licht bekommen, vermehren sich die Osterglocken enorm. Auch in ihrem Refugium, einem zehn Jahre alten, mit Buchsbaum eingefassten Gemüsegarten, freut sie sich über kräftigen Wuchs. Hinter dem alten Gartenzaun, der noch aus dem historischen Blumengarten stammt und wohl auch an die 70 Jahre alt ist, gedeihen verlässlich Freilandtomaten, Salat, Kohl, Bohnen, Kohlrabi, Möhren, Zwiebeln und alles, was der Gaumen begehrt. Die natürliche Düngung mit Kompost und Pferdemist sorgt für eine reichhaltige eigene Ernte. „Man muss Freude daran haben“, findet Karin von Erdmann: „Ich entspanne mich dabei, wenn ich auf der Erde herumkrieche“.

Für vielseitige Ernte sorgen auch die verschiedenen, vor einigen Jahren neu angepflanzten Obstbäume: Nashi-Birne, Kirsche, Pflaume, Mirabellen und Reineclauden, eine Apfelweide schließt dahinter an – allesamt verbinden die Blickachse von der Haustür zum Hofkreuz an der Warnstedter Straße.

Eigentlich haben die Hofbesitzer keinen Feierabend und Lieblingsplätze gibt es überall – vor dem Giebel in der Abendsonne, auf der Südterrasse oder bei einem Spaziergang auf dem 100 Hektar großen Gut. Die frische Landluft und die Liebe zum Garten halten beide gesund und fit.

Visitenkarte zum Vorzeigen

„Der Garten wurde damals gelebt, war eine Visitenkarte zum Vorzeigen. Deshalb hat man auf und um den Hof interessante Gehölze verwendet“, erinnert zu Nutteln an die Zeit seines Namensvetters. Parallelen sind bis heute zu erkennen, wer erlebt, mit welchem Eifer der Hausherr beim kleinen Rundgang im 4000 Quadratmeter großen Garten auf dem insgesamt 100 Hektar großen Gelände, vorbei am alten Spieker von 1688, nicht nur die Geschichte lebendig werden lässt, auch mit welcher Hingabe er gemeinsam mit seiner Frau dieses historische Anwesen pflegt. Während drei seiner Kinder in Amerika, Schweden und China leben, tritt Sohn Christoph bereits in die väterlichen Fußstapfen, um eines Tages den Hof mit seinem Taxusgarten in die nächste Generation zu führen. Eine ländliche Idylle vor den Toren der Kreisstadt Cloppenburg, die nicht ohne Grund jedes Jahr zahlreiche Besucher anzieht. Eine grüne Perle zwischen Moor und Meer.

Taxusgarten Meyer zu Nutteln

Georg Meyer und Karin von Erdmann

Warnstedter Str. 10, 49692 Cappeln

Eintritt 3 Euro pro Person, Führungen nach Absprache, Öffnungszeiten nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 04471 82365.

Swantje Sagcob Redakteurin / Sonderthemen Redaktion
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