Berlin (dpa/tmn) - Karge Wüste, subtropischer Regenwald oder kühle Farn- und Mooslandschaft: Unter Glas lässt sich eine Vielzahl an Pflanzenwelten nachbilden. Und das nicht nur in großen Gewächshäusern botanischer Gärten, sondern auch im eigenen Zuhause auf der Fensterbank und dem Regal.

Pflanzterrarien sind ein Hingucker, und sie bieten vielen grünen Mitbewohnern ideale Bedingungen. "Trockene Raumluft macht vielen Zimmerpflanzen zu schaffen, vor allem wenn sie auf der Fensterbank über der Heizung stehen", erläutert Hans-Jürgen Weese vom Bundesverband Einzelhandelsgärtner. "Ein Glashaus hingegen hält die Feuchtigkeit und schafft so ein Mikroklima, das für die Pflanzen optimal ist."

Von der Vase bis zum Bonbonglas

Als Wardscher Kasten ist das bepflanzte Glasgefäß in der Wissenschaft bekannt, es wird aber auch als Florarium, Miniaturgewächshaus, Flaschengarten, Farnkiste oder Zimmergarten bezeichnet. Neben speziellen Glashäusern bieten sich dafür Vasen sowie Einmach- und Bonbongläser mit großen Öffnungen an. Die Buchautorin Stephanie Hauschild empfiehlt Anfängern Glasglocken mit Untersetzern. "Die Schalen lassen sich leicht bepflanzen, die hohe Form bietet den Pflanzen viel Raum zum Wachsen."

Sowohl Feuchtigkeit als auch Trockenheit liebende Pflanzen können in geschlossenen Systemen überleben. "Wichtig ist die Menge an Wasser, die zu Beginn hinzugegeben wird", sagt Jeannine Marquardt, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Botanischen Gartens und des Botanischen Museums in Berlin.

Geeignete Pflanzen

Für trockene Zimmergärten empfehlen sich grundsätzlich kleinwüchsige Kugelkakteen wie Mammillaria, Wolfsmilchgewächse, Tillandsien und Sukkulenten wie Lithops, Echeverien oder Aloe.

Zu den subtropischen Grünpflanzen, die besser in feuchten Gefäßen wachsen, gehören kleine Begonien, Tradeskantien, Bubikopf und Einblatt. Fleischfressende Pflanzen wie Fettkraut, Sonnentau, Schlauchpflanzen und die Venusfliegenfalle fühlen sich unter Glas ebenfalls wohl. Und auch Moose und Farne finden hier ideale Bedingungen vor. "Viele Farne mögen es gern schattig, kühl und feucht", erklärt Marquardt. Empfehlenswert sind Frauenhaarfarne, Javafarn, Knopf- und Moosfarne. Ihr Tipp: Arten aus der Aquaristik.

Wem ein schönes Blatt nicht reicht, kann ein Usambaraveilchen ins Glas setzen. Blühende Pflanzen gelten aber grundsätzlich als problematisch. "Sobald die Blüten verblüht sind, müssen sie entfernt werden", erklärt Hauschild. Das kann sich einerseits technisch als aufwendig entpuppen, andererseits wird das Ökosystem durch Schimmel- und andere Pilzsporen gefährdet.

Ein Florarium einrichten

Überhaupt ist Hygiene die Grundlage für ein gesundes Biotop. "Je weniger Fehler man bei der Anlage macht, desto geringer ist später der Pflegeaufwand", betont Hauschild. Die Grundlage des Florariums bildet eine Schicht Kies und Tongranulat. "Die Drainage ist wichtig, damit sich überschüssiges Wasser absetzen kann und die Wurzeln nicht in der feuchten Erde faulen", sagt Marquardt. Ein Löffel Aktivkohle darauf hält Bakterien und Schimmel in Schach und nimmt Schmutz auf.

Zum Schluss folgt die Pflanzenerde. Deren Zusammensetzung richtet sich letztlich nach den eingesetzten Pflanzen. "Bei Sukkulenten und Kakteen kann man ruhig Kies und Sand in die Erde mischen. Sie brauchen einen trockenen Boden", erklärt Weese. Marquardt empfiehlt, für ein gutes Nährstoffgleichgewicht eine kleine Menge Muttererde unter die Pflanzenerde zu mischen. "Mikroorganismen wie Springschwänze, Weiße Asseln und Regenwürmer aus dem Kompost helfen bei der Regulierung von verrottendem Pflanzenmaterial."

Wie viele Pflanzen?

Die Anzahl der Pflanzen richtet sich nach der Größe des Gefäßes. Mehr als drei seien aber nicht empfehlenswert - schließlich wächst das Grün weiter. Während man Kakteen und Sukkulenten einen sonnigen Platz auf der Fensterbank einräumen kann, sollte Feuchtigkeit liebendes Grün eher im Halbschatten stehen. "In der prallen Sonne kann sich das Glas so sehr aufheizen, dass empfindliche Pflanzen wie Farne und fleischfressende Pflanzen verbrennen können", erläutert Weese.

Funktioniert das Ökosystem einwandfrei, ist der Pflegeaufwand minimal - abgesehen vom regelmäßigen Entstauben. "Sind die Behälter richtig dicht, hält ein Florarium ohne Probleme mehrere Jahre", so Hauschild.

Literatur:

Stephanie Hauschild, Melanie Wagner, Christina Kratzenberg: Grün unter Glas. Pflegeleichte Zimmergärten. Thorbecke (2011), 88 Seiten, ISBN 978-3799507165, 14,90 Euro.

Ausstellung:

Geliebt, gegossen, vergessen: Phänomen Zimmerpflanze. Sonderausstellung im Botanischen Museum Berlin. Bis 2. Juni 2019, täglich von 9 Uhr bis 19 Uhr. Botanisches Museum Berlin, Königin-Luise-Str. 6-8, 14195 Berlin.

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