Wir beamen uns gedanklich ins Jahr 1983. Der HSV holt die sechste Deutsche Meisterschaft. Unsere Eiche im Vorgarten zeigt am Stamm einen Pilzfruchtkörper. Wir lassen einen Baumfachmann kommen, der sieht den Pilz. Seine Beurteilung: der Baum muss dringend weg. Wir sind nicht nur vom HSV tief beeindruckt, sondern auch vom Sachverstand des Baumfachmanns.

Jetzt sind wir wieder im hier und jetzt. Der HSV ist erneut nicht aufgestiegen. Diesmal ist am Lindenbaum ein Pilzfruchtkörper vorhanden. Wieder holen wir uns einen Baumfachmann. Der sieht den Pilz. Seine Beurteilung lautet wieder: der Baum muss dringend weg. Diesmal jedoch jagen wir ihn vom Hof und er bekommt für seine klägliche Dienstleistung kein Geld. Ein Vergleich zu den Fußballern beim HSV wäre jetzt rein zufälliger Art.

Was ist in den vergangenen 40 Jahren passiert, zum einen beim HSV, zum anderen bei den Pilzen?

Ähnlich wie die Gehälter beim HSV ist das Wissen über holzzersetzende Pilze an Bäumen in den letzten Jahrzehnten in die Höhe geschossen. Früher sagte man (Stufe 1 des Pilzwissens): Pilz am Baum bedeutet Fällung. Heute weiß der ausgebildete Baumfachmann (Stufe 2 des Pilzwissens), dass von den etwa 1500 Pilzarten, die in Europa an Holz vorkommen, lediglich etwa 15 Pilzarten als bedenklich gelten.

In der derzeitigen Stufe 3 des Pilzwissens geht es um die weitere Unterscheidung: welche Pilzart ist an welcher Baumart bedenklich. Beispiel: die Pilzart „Zottiger Schillerporling“ gilt an der Esche als bedenklich, an der Baumart Platane ist der Pilz eher unbedenklich.

Den besten Pilzschutz hat sich der Baum im Lauf der Evolution selbst „ausgedacht“: die intakte Borke. Pilze können durch diese Schutzschicht nicht hineinwachsen. Pilze benötigen eine Verletzung des Holzkörpers, um in den Baum eindringen zu können. Zudem weiß man heute, dass Bäume einem Pilzbefall nicht schutzlos ausgeliefert sind. Bäume können sich effektiv gegen Pilze wehren (Fachbegriff: Abschotten). Das wiederum führt dazu, dass holzzersetzende Pilze meist nur sehr langsam den Holzkörper zerstören können. Es braucht im Regelfall Jahrzehnte, bis eine markante Höhlung im Baum entstehen kann.

Mit einfachen Patentrezepten lässt sich heute kein Baum mehr beurteilen. Es bedarf eines breiten und differenzierten Wissens um Bäume und es braucht langjähriger Erfahrungen, um Bäume sicher beurteilen zu können.


     www.vegetus-baumgutachten.de 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.