Was sind heimische Pflanzen?

Olaf Schachtschneider: Pflanzen, die hier in Norddeutschland natürlich vorkommen. Die Frage ist nur: seit wann? Seit einigen Tausend Jahren – also vor der Eiszeit? Dann wäre sogar der Ginkgo in Norddeutschland heimisch. Gehen wir 300 Jahre zurück, dann würden wir feststellen, dass der Genussapfel, so wie wir ihn kennen, hier nicht heimisch ist. Was ich damit sagen möchte: die Evolution ist immer noch nicht abgeschlossen. Die heimische Natur verändert sich, auch wenn häufig der Mensch seine Finger im Spiel hat.

Was sind die bekanntesten heimischen Pflanzen?

Olaf Schachtschneider: Schlehe, Weißdorn, Holunder, Schneeball, Weiden, Vogelbeere und natürlich die Buchenwälder – ursprünglich war ja Norddeutschland fast komplett bewaldet.

Wie würden Sie heimischen Pflanzen charakterisieren?

Olaf Schachtschneider: Heimische Pflanzen sind Gewinnerpflanzen, denn sie mussten lernen sich durchzusetzen. Zum einen mussten sie lernen, vor den Eismassen zu fliehen – zum anderen mussten sie die Ersten sein, als die Eismassen sich zurückgebildet haben. Das war aufgrund der hohen Alpen gar nicht so einfach. Und da Norddeutschland eigentlich immer komplett bewaldet war (bis auf die Moore), mussten Blühpflanzen und Gehölze immer ganz schnell sein, wenn sich eine Lücke im Wald gebildet hat – zum Beispiel nach einem Sturm oder Brand.

Warum sind heimische Pflanzen so wichtig?

Olaf Schachtschneider:Die heimischen Pflanzen gehören zu dieser Region wie das „Moin“. Viele Tierarten nutzen unsere heimische Flora als Nahrungsquelle. Ein Biotop aus heimischen Blühpflanzen ist viel artenreicher, als wenn man ausschließlich fremdländische Pflanzen einbezieht.

Welche Blumen-Trends gibt es 2019 im Pflanzenhof Schachtschneider?

Olaf Schachtschneider: Man möchte der Umwelt etwas zurückgeben. Der Mensch hat begriffen, dass der Garten nicht nur für sich selbst bestimmt ist, sondern auch für die Tierwelt. Daher sind sowohl heimische Pflanzen als auch fremdländische Pflanzen, die Nektar und Pollen bieten oder Früchte bilden, sehr gefragt. Unsere Kunden achten stark auf die Vielfalt, die wiederrum sehr wichtig für unsere Tierwelt ist.

In Ihrem Sortiment sind Bienenpflanzen. Ein Trend 2019?

Olaf Schachtschneider: Den Trend gab es schon vorher. Seitdem die Presse und dabei auch ganz besonders die NWZ viel über fehlende Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten berichtet haben, sind zum Beispiel die bienenfreundlichen Pflanzen ein Megatrend geworden. Es ist schön, dass diese Pflanzen so angesagt sind. Vor zwei Jahren haben wir aus Anlass „50 Jahre Fußgängerzone Oldenburg“ die Jubiläumsrose „Summer of Love“ getauft. Damals sind wir noch belächelt worden, weil wir uns für eine pollenfreundliche ungefüllte Rose entschieden haben. Heute zählt diese Rose zu den beliebtesten im Sortiment.

Wie sieht ein „bienenfreundlicher Garten“ konkret aus?

Olaf Schachtschneider: Er muss Vielfalt zeigen, das ist wichtig. Mit zum Beispiel drei Lavendelpflanzen bekommen wir das nicht hin. Es sollten unterschiedliche Gartenpflanzen genutzt werden, und es sollte in jedem Fall ein Trachtfließband gepflanzt werden. Die Pflanzen in diesem Trachtfließband sollten vom Frühjahr bis zum Herbst in Blüte sein, damit die Insekten dauerhaft Futter haben. Gerade fremdländische Pflanzen haben oft eine spätere Blüte und sollten daher auch in Naturgärten nicht zwangsläufig fehlen.

Welche Möglichkeiten gibt es noch, um Insekten anzulocken?

Olaf Schachtschneider: „Insektenhotels“ alleine reichen nicht aus. Wichtig sind auch Sandflächen im Garten, denn die meisten Insekten brüten in kleinen Höhlen im Boden. Auch darf ein Garten nicht zu aufgeräumt sein. Totes Holz und alte Staudenstengel sollten ihren Platz im Garten haben. Auch dürfen wir den Mut haben und ein paar Wildkräuter (Unkräuter) im Garten zuzulassen.

Welche bienenfreundlichen Pflanzen sind gerade angesagt?

Olaf Schachtschneider: Das sind bei den heimischen Gehölzen Weißdorn, Schneeball und Weide. Sehr populär bei den Stauden sind Salbei, Ehrenpreis, Bienenlauch oder herbstblühende Sträucher wie „Sieben-Söhne-des-Himmels“.

Gärtnermeister Olaf Schachtschneider (48) ist seit 1993 Inhaber vom „Pflanzenhof Schachtschneider“ in Aschenstedt, der 1970 von seinen Eltern gegründet wurde. Seine beiden Brüder Jens und Udo produzieren Pflanzen und Stauden in der Gemeinde Dötlingen, die der Pflanzenhof zum Verkauf anbietet. Olaf Schachtschneider bezeichnet sich selbst als „Pflanzenverrückt“. Jedes Jahr fährt er durch Europa, um interessante Neuheiten für seinen Pflanzenhof zu gewinnen. Eine dieser „Fundstücke“ ist die russische Eberesche, die er seit dem letzten Jahr im Angebot hat. Auf Anhieb entwickelte sich die russische Eberesche zum Verkaufsschlager.

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