Schönemoor Der nordöstliche Teil der Gemeinde Ganderkesee ist alt: Um 1200 herum wurde Schönemoor das erste Mal urkundlich erwähnt. Nicht ganz so alt ist die Schule des Dorfes.

Ideen für den Bau gab es kurz vor Ausbruch des 30-Jährigen Kriegs, aber erst 1658 wurden die Küsterei der St. Katharinen-Kirche und auch eine Schule neu gebaut.

Wie damals üblich, besuchten die Kinder den Unterricht im Winter, weil im Sommer Felder zu bearbeiten waren. Für 1734 vermeldete der örtliche Schulmeister 20 Kinder im Sommer, aber 80 im Winter. Im Jahr 1755 wurde ein Neubau beantragt, weil „[...] das Schulhaus sehr alt und baufällig, auch mit sehr vielen Wanzen inficiret ist, [...]“, aber gebaut wurde erst im Jahr 1810. Zeitgleich schloss auch die Klippschule, die es lange in Mönchhof gegeben hatte.

1854 war Schönemoor dann auf 150 Schulkinder gewachsen und ein neues Schulgebäude wurde errichtet. Dieses ist – wenn auch mehrfach umgebaut und erneuert – bis heute erhalten.

Der Schule verbunden

„Ich war meiner Schule immer sehr verbunden“, blickt Werner Krause zurück. Der pensionierte Techniker wohnt heute direkt nebenan und hält auch noch Kontakt zu seiner ehemaligen Lehrerin, Gisela Schwertgen-Döhle, zu deren erstem Schuljahr er gehörte.

Schule im Rückblick

Die Volksschule Schönemoor Mitte der 60er Jahre: Hauptlehrer: Karl Kruse Lehrerinnen: Hella Oeltjendiers, Ute Ocàsek, Anna Hollmann Unterklasse: 58 Kinder Oberklasse: 51 Kinder

1947 wurde Krause eingeschult. Seine Familie stammte nicht aus Schönemoor sondern war aus Westpreußen geflohen. „Mein Schulweg, das war schon ein Stück weit zu laufen“, erinnert er sich. Es gab zwei Wege: einen längeren, der südlich verlief, und einen kürzeren entlang des Moorgrabens, der aber nicht immer frei war: „Wir hofften dann morgens, dass der Balken über dem Graben lag.“

Zu Schulbeginn lernte Krause das Lesen und Schreiben auf Schiefer – aber nicht auf richtigen Tafeln. „Wir haben nur Schieferbruchstücke gehabt.“ Wie in anderen Ganderkeseer Schulen gab es damals Schulspeisungen für Kinder von geflüchteten Familien. „Da gehörte ich auch dazu“, sagt Krause.

Die Beziehung zu den Lehrern war nicht immer nur von Respekt geprägt. „Das war nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, da wurde auch mal mit dem Rohrstock geschlagen.“ Allerdings nur auf die linke Hand, denn die rechte wurde zum Schreiben benötigt. Böse ist Krause seinen Lehrern deshalb aber nicht mehr: „Wir waren ziemliche Rabauken manchmal. Und anders ging es wohl auch einfach nicht“, sagt er.

Noch gut erinnert er sich an die enge Verbindung von der Schule zur Kirche. Kein Wunder, denn bis 1956 war die Schönemoorer Schule im Besitz der Kirchengemeinde – eine Ausnahme auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Ganderkesee. „Konfirmanden unterricht haben wir in der Schule gehabt, ich weiß es noch genau“, so Krause. Wenn die Kinder den damaligen Pastor zu sehr ärgerten, ging dieser stets direkt zum Hauptlehrer Karl Kruse. „Den Ärger haben wir dann am nächsten Tag sofort bekommen“, blickt Krause mit einem Schmunzeln zurück.

Nachbar behielt den Ball

Auch mit einem Nachbarn gab es manchmal Probleme. „Wenn wir draußen Fußball gespielt haben und der Ball rüberflog, hat der uns den nicht zurückgegeben.“ Stattdessen mussten die Schüler ihre gesammelten Bälle dann beim Gemeindebüro abholen.

Im Unterricht achteten die Lehrer aber darauf, dass keins der Kinder zurückfiel. „Wenn wir lernschwache Schüler hatten, wurden die besseren dann danebengesetzt“, sagt Krause. Den althergebrachten Reihentisch für junge Lehrer, die reihum auf Bauernhöfen verköstigt wurden, gab es in Schönemoor damals auch noch. Kruse: „Frau Schwertgen-Döhle erzählte mir, das sei ihr immer etwas unangenehm gewesen, weil die Gastgeber dann schon stets alle gegessen hatten.“

Auch wenn er kein Lehrer wurde, lernte Krause im Beruf alle Ganderkeseer Schulen kennen: „Als Hochbautechniker war ich in den 70ern überall, ich kenne jedes Gebäude hier“, erinnert er sich.

Die Schönemoorer Schule wurde nach ihrer Schließung als Grundschule benutzt. Monika Lohmann fing dort 1973 als neue Lehrerin an und unterrichtete bis zum Jahr 1995, als der Schulbetrieb aufgelöst und dafür der Kindergarten „Flohkiste“ eingerichtet wurde.

Heute wohnt Lohmann gemeinsam mit ihrem Mann in dem ehemaligen Schulgebäude, „auch wenn ich keine Schulmeisterin war“, wie sie sagt. Dass in bis heute Kinder in einigen Räumen der alten Schule ihre ersten Schritte ins Leben machen, findet sie toll.

Arne Haschen Redakteur / Redaktion Ostfriesland
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