Back to the roots – so lautet ein beliebter Ausspruch, übersetzt: Zurück zu den Wurzeln. „Auf mich trifft das perfekt zu“, sagt Oliver Koke (45), der seit dem 1. November vergangenen Jahres wieder in Ganderkesee angekommen ist – wenn auch „nur“ beruflich. Im Obergeschoss des ehemaligen LzO-Gebäudes am Markt ist er mit seiner „Schülerhilfe“ eingezogen. Dieses Nachhilfeinstitut ist einer von mehr als 1100 Standorten der „Schülerhilfe“ in Deutschland. Umso glücklicher ist Oliver Koke, dass er seine Filiale ausgerechnet in Ganderkesee eröffnen konnte. Denn seinen Heimatort kennt er wie seine Westentasche.

Seit seinem achten Lebensjahr spielte er Fußball, zunächst beim TSV Ganderkesee und später beim VfL Stenum. Seiner ersten Freundin spendierte Oliver ein Eis im „La Gondola“ in der Rathausstraße. Auch hier heißt es „Back to the roots“, denn das Eiscafé von Inhaber Paolo Brunetti wird ebenfalls in das ehemalige LzO-Gebäude einziehen. In der Nachbarschaft war bis vor wenigen Jahren auch noch der Verbrauchermarkt Famila. Hier konnte der junge Oliver sein Taschengeld aufbessern. „Als Jugendlicher war für mich oft Party angesagt und das musste ja irgendwie finanziert werden“, bemerkt Oliver mit einem Augenzwinkern.

Beruflich wollte er schon immer etwas in der freien Wirtschaft machen. Vom Gymnasium Ganderkesee kommend, besuchte er nach der zehnten Klasse das Wirtschaftsgymnasium in Delmenhorst, hier machte er sein Abitur. Dann wurde er zur Bundeswehr einberufen – nur: Oliver hatte keine Lust auf Wehrdienst. Und das, obwohl sein Vater Berufssoldat war. „Er hatte aber Verständnis dafür, dass ich lieber den Zivildienst machen wollte“, erzählt Oliver Koke. Diesen absolvierte er bei der St.-Marien-Gemeinde in Delmenhorst. Ob bei der Kinderbetreuung oder als rechte Hand des Küsters: Hier war er der Mann für alle Fälle. Dieses eine Jahr und auch die Zeit als junger Messdiener in Ganderkesee haben ihn aber nicht zum fleißigen Kirchgänger werden lassen.

Nach dem Zivildienst nahm Oliver ein duales Studium auf. Den theoretischen Teil absolvierte er an der Akademie für Wirtschaft in Bremen und den praktischen Teil in der Autogalerie Schickel in Oldenburg. Hier gefiel es ihm so gut, dass er nach seinem Abschluss als Betriebswirt diesem Autohaus treu blieb. In den letzten 15 der insgesamt 23 Jahre war er Verkaufsleiter und dabei auch verantwortlich für die kaufmännischen Auszubildenden. Obwohl ihm die Arbeit sehr viel Spaß bereitete, reifte in ihm mehr und mehr der Gedanke, noch einmal einen beruflichen Neuanfang zu wagen. Da ihm das Thema Bildung schon immer wichtig war, stieß er im Internet auf das Konzept „Schülerhilfe“.

„Ich habe mich von jeher dafür interessiert, junge Leute weiterzubringen“, erzählt Oliver Koke. Ein Jahr nach den ersten Überlegungen hatte er sein Vorhaben in die Tat umgesetzt. Mit den ersten Monaten ist er mehr als zufrieden. „Über den bisherigen Zulauf habe ich mich sehr gefreut, das hätte ich so nicht erwartet“, gesteht er. Zu seinem Team gehören mittlerweile acht Lehrer und Studenten, die den Schülern beim Lernen Hilfe leisten. Oliver selbst unterrichtet Mathematik und Englisch. Durch die Corona-Pandemie gibt es seit dem 17. März „nur“ Unterricht per Video-Chat, was bei den Schülern sehr gut ankommt.

Auch ein Grund für den beruflichen Neuanfang war seine Familie: „Mein bisheriger Job war schon sehr zeitintensiv.“ Dabei hatte er seine Ewelina in der Autogalerie Schickel zum ersten Mal gesehen, als er ihr ein Auto verkaufte. War sie damals „nur“ eine Kundin, so traf man sich zufällig auf dem Oldenburger Kramermarkt wieder. Nach seinen Erzählungen musste er schon mächtig Gas geben, bis er ihr Herz endgültig erobern konnte. Ewelina brachte Tochter Laura (15) mit in die Beziehung. Laura gehört zu den Sandkruger Showakrobaten „Green Spirits“, die in diesem Jahr bei der Sportlerwahl im Landkreis Oldenburg auf Platz eins gewählt wurden. Der gemeinsame Sohn Jonas (5) macht die Familie komplett, die in Sandkrug ihr Zuhause hat.

Wenn Jonas etwas älter ist, möchte Oliver wieder in die Berge, denn die waren in jungen Jahren sein großes Hobby. Den Mont Blanc noch zu besteigen, das ist sein Traum. Die Zugspitze und den Kilimandscharo – immerhin 5900 Meter hoch – hat er schon geschafft. Unvergesslich auch seine Reise nach Venezuela, wo er einige Tage in einem abgelegen Indio-Dorf verbringen durfte. „Es hat mich tief beeindruckt, in welchen ärmlichen Verhältnissen die Dorfbewohner hier leben und wie zufrieden sie dabei sind.“ Zufrieden ist Oliver Koke aber auch – mit sich und seiner neuen beruflichen Herausforderung.

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