Frage: Herr Griess, Ihr Programm haben Sie überschrieben mit „Hauptsache, es knallt!“. Um den Konsum von Alkohol geht es vermutlich nicht… Wo sehen Sie aktuell den größten Sprengstoff?
Griess: Von Syrien bis Sachsen, von Trump bis Erdogan, von Seehofer bis Söder – überall scheint das Motto der Akteure zu lauten: „Hauptsache, es knallt!“ Und um das zu ertragen, braucht man entweder Alkohol oder gutes Kabarett nach dem Motto: Lacht kaputt, was euch kaputt macht.
Frage: Wenn Sie auf die Weltpolitik schauen: Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass die Satire von der Realität überholt wird – wenn zum Beispiel der US-Präsident von seiner „großartigen und unübertroffenen Weisheit“ twittert?
Griess: Satire ist doch die Waffe der Ohnmächtigen: Mit Witz die Mächtigen der Lächerlichkeit preisgeben. Mein Job ist, aus all den Themen, die sonst nur schlechte Laune machen, Funken der Hochkomik und des Absurden zu schlagen. Härtere Zeiten brauchen härtere Pointen. In meiner Show gibt es großes Welttheater auf der kleinen Bühne und da ist nichts heilig! Da geht es ans Eingemachte, sehr zur Freude des Publikums übrigens, weil es auf der Bühne nochmal ganz anders zur Sache gehen kann als im Fernsehen.
Frage: Ganz allgemein: Wo finden Sie Ihre Themen und Bühnenfiguren?
Griess: Alles, was mich ärgert und aufregt, wird bei mir zu Komik. So spar’ ich mir den Therapeuten und bereite dem Publikum eine Menge Spaß!
Frage: Gibt es auch Themen, die sich für die Kabarett-Bühne überhaupt nicht eignen? Wo liegt die Grenze, bei der dem Publikum – oder auch Ihnen selbst – das Lachen im Halse stecken bleibt?
Griess: Sagen wir: Es gibt Themen, über die niemand lachen will. Kindesmissbrauch etwa. Insgesamt sollte man keine Witze über Opfer machen, sondern stets über Täter.
Frage: Hat das politische Kabarett heute noch den gleichen Stellenwert wie zu Zeiten von Dieter Hildebrandt? Oder wird es von der allgegenwärtigen Comedy verdrängt?
Griess: Der Stellenwert des Kabaretts in der Gesellschaft verändert sich ständig. Allein auch, weil die Medienlandschaft sich verändert. Aber: Kabarett wurde schon so oft totgesagt und ist heute lebendiger denn je. Im Gegensatz zur Comedy, wo ständig neue Leute die immer gleichen Witze machen, Lachen aus Schadenfreude über die Dämlichkeit oder Missgeschicke von anderen. Aber live in einem Theater die Verhältnisse in Frage zu stellen und die zum Tanzen zu bringen – dabei entsteht zwischen Komiker und Publikum schon manchmal eine magische Energie.
Frage: In Ganderkesee treten Sie ganz im Nordwesten und in einem ländlich geprägten Raum auf. Lachen die Menschen in den Großstädten im Rheinland über andere Pointen als das Publikum in der Provinz?
Griess: In Zeiten des Internets, wo alle gleich informiert sind, spielt das tatsächlich keine Rolle mehr. Die Leute im Norden – das ist zumindest meine Erfahrung – lachen manchmal sogar lauter und mehr als die im Rheinland – weil es bei uns einfach mehr zu lachen gibt. Schließlich ist Köln die Welthauptstadt der Misswirtschaft.

Eintrittskarten:

An diesem Donnerstag, 17. Oktober, ist Robert Griess in der Ganderkeseer-Kleinkunstreihe zu Gast. Um 20 Uhr beginnt in der Mensa des Schulzentrums, Am Steinacker 12, sein Programm „Hauptsache, es knallt!“. Karten sind für 22 Euro im Vorverkauf bei der regioVHS Ganderkesee-Hude, Telefon   04222/4 44 44, erhältlich sowie an der Abendkasse.
Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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