Holzkamp „Andere können besser reden“, sagt Ingo Claußen. Er selbst zieht praktische Taten vor und gehört deshalb zu den ersten Landwirten, die in Ganderkesee ein grünes Kreuz aufgestellt haben.

Existenzen bedroht

Damit zeigt er seinen Protest gegen das sogenannte Agrarpaket, ein Anfang September vom Umweltministerium vorgestellter Katalog, der unter anderem ein Glyphosatverbot ab 2023 sowie Tierwohl- und Insektenschutzmaßnahmen umfasst. Bundesweit sehen Landwirte ihre Existenz bedroht, weil das Paket aus ihrer Sicht nur der Nachschlag zur verschärften Düngemittelverordnung und der Karte der nitratbelasteten „roten Gebiete“ darstellt, in denen pauschal 20 Prozent weniger gedüngt werden soll.

„Das geht so einfach nicht“, meint Claußen, „was in Berlin jetzt mit uns Landwirten geplant wird.“ Die bundesweite Protestaktion „Grüne Kreuze“, die vom rheinischen Landwirt Dr. Willi Kremer-Schillings über seine Webseite „Bauer Willi“ Anfang letzten Monats initiiert worden war, zieht mittlerweile bundesweite Kreise.

An Feldrändern aufgestellte grüne Kreuze sollen als Mahnung an Verbraucher und die Gesellschaft dienen, sich des Werts der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden und welche Konsequenzen die diskutierten Maßnahmen auch für die Verbraucher hätten.

Kein offizieller Aufruf

„Wir rufen nicht offiziell zur Teilnahme auf“, stellt Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands Oldenburg, klar, „aber wir begleiten die Aktion und wir sprechen darüber.“ Die derzeitige politische Richtung führe seiner Meinung nach dazu, dass immer mehr Landwirte ihre Betriebe aufgeben müssen.

So sieht es auch der 1. Vorsitzende Jürgen Seeger: „Die Dürre, schlechte Milchpreise, solche Zeiten haben die Höfe immer irgendwie verkraftet. Aber pauschal 20 Prozent weniger düngen? Da fällt uns nichts mehr zu ein.“ Auch dass CO2 nicht nur emittiert, sondern auch wieder großflächig auf Feldern absorbiert wird, werde immer wieder „gerne vergessen“.

Das Agrarpaket – Was ist geplant?

Glyphosat soll nach dem Ablauf der aktuellen EU-Zulassung Ende 2023 bundesweit verboten werden.

Mindestabstände von zehn Metern zu Gewässern beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, falls die Abstandsflächen nicht dauerhaft begrünt sind.

Bei Nutzung von Pflanzenschutzmitteln sollen Landwirte eine Kompensation aus einem Katalog für die Biodiversität leisten.

Artenreiches Grünland und Streuobstwiesen sollen als Biotope künftig unter das Bundesnaturschutzgesetz fallen.

Freiwillige Teilnahme

In Ganderkesee ruft das Landvolk die Mitglieder ebenfalls nicht offiziell dazu auf, Kreuze aufzustellen. „Wir haben uns dazu Anfang der Woche beratschlagt“, sagt Volker Schmidt, 2. Vorsitzender des Ortslandvolks. Alle Mitglieder sollen demnach selbst entscheiden, ob sie mitmachen wollen. „Es gibt derzeit viele Entwicklungen, die uns Sorgen machen“, so Schmidt, „die Kreuze sind ein stiller Protest, der Menschen zum Nachfragen anregen soll.“

Davon ist auch Ingo Claußen überzeugt. „Ich glaube das bringt etwas, Kreuze aufzustellen“, sagte der Landwirt. „Wir wollen gerne was ändern, aber das kann die Landwirtschaft nicht alleine machen.“ Es sei wichtig, dass die Menschen sich Gedanken darüber machen, was mit derzeit Landwirten geschehe.

Besonders ärgere ihr die Frequenz der diskutierten Einschnitte: „Eine Maßnahme muss auch erstmal zu Ende durchgeführt werden, bevor etwas Neues in Angriff genommen wird.“

Humus wird zerstört

Von der Idee, Flächen in Zukunft pauschal unter Bedarf zu düngen, hält er überhaupt nichts. „Was jetzt in Sachen Düngung geplant ist, geht vielleicht ein bis zwei Jahre gut, dann ist die Humusschicht im Boden aber verbraucht“, so Claußen. Genau diese wollen Landwirte aber unbedingt erhalten – nicht zuletzt, weil dadurch das Wasser im Ackerboden gehalten wird. Was eingedenk der letzten beiden Sommer ein mehr als wichtiger Aspekt geworden sei.

Trotz der schwierigen Aussicht für die heimische Landwirtschaft gibt sich Claußen kämpferisch: „Wer nichts macht, hat verloren.“


Der Aufruf der Webseite “Bauer Willi“:     www.bit.ly/grünkreuz 
Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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