Grüppenbühren Im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen, werden sie wieder aktiv. „Ich habe wohl die meisten Mitarbeiterinnen in der Gemeinde“, sagt Jürgen Stöver (67) lächelnd und meint damit seine fleißigen Bienen. Immerhin hat er 20 Bienenstöcke, und jedes dieser einzelnen Völker umfasst ca. 45 000 bis 50 000 Bienen. Ein Leben ohne seine flotten Bienen kann sich Jürgen überhaupt nicht mehr vorstellen. „Wenn ich bei meinen Bienen bin, vergesse ich alles um mich herum.“

Dabei war es purer Zufall, dass er vom passionierten Angler zum leidenschaftlichen Imker wurde. Vor 34 Jahren wollte Jürgen einen Bekannten zum Angeln abholen. Dieser hatte im Garten einen Bienenkorb, und aus Interesse warf Jürgen einen Blick ins Innere: „Das war mein größter Fehler, dadurch wurde ich hörig“, sagt Jürgen Stöver lächelnd. „Es ist immer wieder faszinierend, wie bei den Bienen alles abläuft und wie sie alles organisieren.“

Mit den Jahren ist Jürgen Stöver zum absoluten Experten geworden. So war er viele Jahre Vorsitzender des Imkervereins Delmenhorst und Umgebung. In diesem Jahr übergab er an einen Nachfolger. Ferner ist er Bienensachverständiger und arbeitet eng mit dem Kreisveterinäramt zusammen. Ein großes Anliegen ist es Jürgen, die junge Generation für Bienen zu begeistern. Sein Wissen gibt er auch in Kindergärten und Schulen weiter. „Imkerei ist sehr umfangreich, das lernt man nicht in einem Jahr“, gibt Jürgen Stöver zu bedenken. Nicht umsonst wurde er vor einigen Wochen von der Gemeinde Ganderkesee mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet.

„Alles, was Natur war, war meins“, beschreibt Jürgen seine Kindheitserinnerungen. Zusammen mit seinen drei Geschwistern ist er in Bürstel aufgewachsen, und der Fuhrenkamp war beliebter Aufenthaltsort für ihn und die Nachbarskinder. Da seine Eltern in Bürstel ein Kolonialwarengeschäft hatten, musste er natürlich auch im Laden mithelfen.

Von seiner beruflichen Zukunft hatte er keine genauen Vorstellungen, und so besuchte Jürgen nach dem Schulabschluss zwei Jahre die Handelsschule in Delmenhorst. Seine Eltern hatten die leise Hoffnung, dass aus ihm ein guter Kaufmann werden könnte. Er absolvierte eine Ausbildung als Groß- und Einzelhandelskaufmann bei Dallmayr Kaffee in Bremen. Die Ausbildung machte Spaß, aber Kaufmann auf Lebenszeit zu sein, konnte er sich nicht vorstellen.

Das Jahr 1974 war für Jürgen ein besonderes. Zum einen wurde er zur Bundeswehr eingezogen, zum anderen heiratete er seine Jutta. Da der Wehrsold nicht gerade üppig war, verpflichtete sich Jürgen für vier Jahre und seine Karriereleiter ging bis zum Stabsunteroffizier. Da er als Kaufmann sehr gut mit der Schreibmaschine umgehen konnte, waren seine Haupttätigkeiten in der Verwaltung und nicht beim Manöver.

Nach der Bundeswehr kehrte er zunächst in seinen Lehrberuf zurück und arbeitete in der Verwaltung einer Bremer Schlachterei. „Nach einem Jahr hatte ich genug von diesem Beruf“, erklärt Jürgen. Allerdings waren freie Stellen Mangelware. So verdiente er sein Geld als Lkw-Fahrer und bei Timmermann Fassadenbau in Delmenhorst auf dem Bau. Wegen massiver Rückenprobleme konnte er diese Tätigkeiten aber nicht mehr ausführen. „Im Nachhinein hätte ich gerne Tischler gelernt“, blickt Jürgen zurück.

Es dauerte ein Jahr, bis sein Rücken wieder halbwegs in Ordnung war, und es folgten noch schöne berufliche Jahre beim Berufsförderungswerk in Bookholzberg. Angefangen als Pförtner, war er dort nach einigen Jahren bis zu seinem Rentenbeginn 2016 als Internatsleiter tätig.

Seinen Ruhestand genießt er auf einem ehemaligen Bauernhof in Grüppenbühren. „Auf unserem kleinen Hof bin ich der Knecht und meine Jutta ist die Chefin“, schmunzelt Jürgen. Beide lernten sich am 1. Weihnachtstag 1970 auf einem Ball in Falkenburg mit den legendären „Blue Boys“ kennen. Jutta und die drei Kinder Julia (44), Frank (43) und Janin (39) unterstützen ihn bei seiner Bienen-Leidenschaft. Besonders stolz ist er auf Enkel Jan (9): „Jan ist auf dem besten Wege, in meine Fußstapfen zu treten“, so der stolze Opa.

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