Ganderkesee Die unvergessene Marlene Diedrich sang einmal: „Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin“ und so war es auch bei Willy Körner (68). „Ich wäre gerne in Berlin geblieben“, aber dann entschied er sich doch für seinen Heimatort Hengsterholz, wo er seine ersten Lebensjahre verbracht hat. Sein Opa Heinrich Schütte war Schuster und hatte nebenbei eine kleine Landwirtschaft. Diese wurde von seinen Eltern fortgeführt. Willy war gerade sechs Jahre alt, als seine Mutter verstarb. „Mein Vater und meine Großmutter waren immer für mich und meine Schwester da, das hat uns geholfen“, erinnert sich Willy Körner.

Im Alter von 13 Jahren musste Willy sein geliebtes Hengsterholz verlassen. Sein Vater hatte eine neue Frau kennengelernt und Willy zog mit ihm und seiner Schwester zur neuen Stiefmutter nach Bremen. Die hatte ebenfalls zwei Kinder und ein gemeinsamer Sohn vervollständigte diese Patchworkfamilie. Vom beschaulichen Dorf in eine Großstadt. Für Willy aber kein Problem. „Man hat uns herzlich aufgenommen. Ich hatte schnell neue Freunde“, erinnert er sich. Trotzdem fuhr er oft mit dem Fahrrad nach Hengsterholz und organisierte ein Fußballspiel zwischen seinen Hengsterholzer und seinen Bremer Freunden.

Die Schule war für ihn eher ein „Muss“. Da er gerne bastelte, mochte er das Fach Werken. Gerne wäre er Radio- und Fernsehtechniker geworden, aber ohne Realschulabschluss nicht möglich. „Werde doch Technischer Zeichner“, meinte sein Vater. Bei drei Firmen bestand er den Eignungstest und konnte sich dadurch den Ausbildungsplatz aussuchen.

Bei „KSB-Pumpenbau“ machte er nicht „nur“ eine Ausbildung zum Technischen Zeichner. Um praktische Erfahrung zu sammeln, musste er auch in der Schlosserei arbeiten. Nach seiner Ausbildung wurde er als Geselle übernommen, doch sein Vater wollte mehr: „Du musst weiter lernen. Mach Deinen Realschulabschluss.“ Auch hier folgte er dem Ratschlag seines Vaters. Mit dem Realschulabschluss in der Tasche musste er zunächst zur Bundeswehr. Hier absolvierte er unter anderem den Leistungsschein der DLRG.

Nach der sportlichen Zeit bei der Bundeswehr ging es wieder auf die Schulbank: zunächst drei Jahre an der Hochschule in Bremen für ein Maschinenbau-Studium und anschließend dann ein weiteres Studium an der Technischen Universität in Berlin. „An die Großstadt Berlin musste ich mich erst gewöhnen. Das Schwarzbrot und das Bier schmeckten mir anfangs überhaupt nicht. Bei Besuchen in der Heimat habe ich dann eingekauft, dass meine Studienkollegen und ich in Berlin überleben konnten“, verrät Willy Körner. Ansonsten war er von Berlin fasziniert und das hat sich bis heute nicht geändert.

Nach seinem Abschluss als Diplom-Ingenieur war er an drei Tagen in der Woche als Dozent an der Fachhochschule in Berlin tätig. Gerne wollte er einen Fulltime-Job und diesen bekam er dann bei der Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin. Hier war er für ein zweijähriges Forschungsvorhaben im Bereich der Hochgeschwindigkeitsbahn tätig.

Inzwischen war seine Großmutter in Hengsterholz verstorben und Willy war für das Haus verantwortlich. Immer wieder fuhr er von Berlin nach Hengsterholz, um es instand zu halten. 1982 entschloss er sich, zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin wieder nach Hengsterholz zu ziehen. So ganz konnte er Berlin nicht loslassen, denn seine Mietwohnung behielt er insgesamt 24 Jahre.

Nach einer Auszeit nahm er Ende 1984 beruflich wieder Fahrt auf: zunächst als Prüfingenieur bei einer Bremer Firma, dann wechselte Willy Körner zu MBB, wo er unter anderem Projektleiter für den ersten Windpark bei Cuxhaven war.

Während dieser Zeit lernte er Rolf Hartmann kennen, den Inhaber der Firma Hawart in Ganderkesee. Dieser hatte 1992 einen schweren Verkehrsunfall. Die Firma musste weiterlaufen und so wandte sich seine Ehefrau Charlotte Hartmann an Willy. Da MBB inzwischen aus der Windenergie ausgestiegen war, nahm er dieses Angebot an und holte sich Bernd Kläner dazu. Als sich abzeichnete, dass Rolf Hartmann arbeitsunfähig bleiben würde, machte er ein Kaufangebot. Seit dem 1. Juni 1993 ist Willy Körner mit Bernd Kläner und Reinhard Bonke Inhaber von Hawart. Ein wichtiges Standbein ist die Produktion für Windenergie – und das weltweit.

Nimmt sich Willy mal eine Auszeit, dann warten in Hengsterholz sein Garten und einige Tiere. Gerne fliegen er und Ehefrau Christa am Wochenende auf eine Insel. Einen Piloten benötigen sie nicht, denn Willy Körner hat vor 24 Jahren eine Flugausbildung für einmotorige Flugzeuge absolviert.

Willy Körner, einer von drei Inhabern der Firma Hawart

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.