Ganderkesee In Ganderkesee läuft wieder die „Plattdüütsche Week“. Ein Höhepunkt wird sicher das Jugendmusikprojekt „Platt-Slag“ werden. Unter der Leitung der Musikschule Ganderkesee haben sich Jugendliche zusammengefunden, die mit Rock auf Platt begeistern wollen.

Dass Carsten Schulte (41) es einmal mit der plattdeutschen Sprache zu tun haben würde, hätte er sich als Kind vermutlich nicht träumen lassen. Seine Heimat ist Wulfen, ein kleiner Ort im nordrhein-westfälischen Kreis Recklinghausen. Die Musik spielte bei Familie Schulte eine große Rolle. Seine Mutter war Mitglied im Kirchen- und sein Vater im Posaunenchor. Im Alter von fünf Jahren wurde Carsten in die musikalische Früherziehung geschickt. „Angefangen haben wir mit der Blockflöte, aber dieses Instrument mochte ich überhaupt nicht“, erinnert er sich. Vor lauter Frust zerbrach er seine Blockflöte und so war die musikalische Laufbahn zunächst abrupt beendet.

Carsten baute mit seinen Freunden lieber ein Baumhaus im Wald, spielte Fußball bei Blau-Weiß Wulfen oder schwang beim Hockey den Schläger. Erst als er seine Schwester Cornelia, die Geige spielte, zu einem Auftritt begleitete, kam er wieder auf den Geschmack: „Wir hatten ein Klavier geschenkt bekommen und ich habe dann Unterricht genommen.“ Mit zehn Jahren wurde Carsten durch seine Klavierlehrerin mit Mozart, Beethoven und Co. konfrontiert. Viel lieber hätte er aktuelle Popsongs gespielt. Nach zwei Jahren hatte er die Nase voll von dieser Art Klavierunterricht. „Ohne die Klavierlehrerin habe ich dann selbst gespielt und viele Klänge jenseits der Noten entdeckt“, erzählt Carsten. Mit einem anderen Klavierlehrer klappte es später viel besser.

Durch seinen Bruder Christoph kam Carsten dann zum Heavy Metal. Da ein Klavier dabei nicht so gefragt ist, nahm er Bassunterricht beim berühmten Jazz-Gitarristen Herbie Klinger. Durch ihn wurde Carsten ein großer Jazz-Fan. Er war Mitglied der Metalband Dive und spielte zugleich in der Big Band der Gesamtschule Wulfen.

Während der Schulzeit unterrichtete er auch einen Mitschüler im Bassspiel. „Das machte mir so viel Spaß, dass mir klar war: Die Musik soll mich auch beruflich begleiten.“ Nach dem Abitur bereitete er sich ein Jahr auf die Aufnahmeprüfung für das Lehramt im Fach Musik vor. In dieser Zeit verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit dem Austragen von Zeitungen – so dass jeden Tag um 3 Uhr die Nacht beendet war. 1998 bestand er die Prüfung und konnte sein Lehramtsstudium für Musik und Arbeit/Wirtschaft aufnehmen.

Das Instrument Bass wurde seinerzeit nur an der Universität Oldenburg anerkannt und so musste Carsten vom Ruhrgebiet in den Norden ziehen. „Hier habe ich mich gleich sehr wohl gefühlt, nicht zuletzt weil ich mit einigen anderen Studenten eine Jazz-Band gegründet habe und wir auch viele Auftritte hatten.“ Während des Studiums begann Carsten Schulte bei der Musikschule Strings in Delmenhorst und gab Unterricht am Bass, später auch an Klavier und Keyboard.

Nach dem Studium blieb Carsten an der Musikschule Strings und wurde 2010 in deren Ganderkeseer Filiale pädagogischer Leiter. Hier lernte er Jan Frerichs kennen und nicht nur musikalisch verstanden sich die beiden sehr gut. Als die Musikschule Strings vor zwei Jahren die Außenstelle Ganderkesee abgeben wollte, waren beide sich einig: „Das übernehmen wir zusammen!“ Sie haben den Schritt noch in keiner Sekunde bereut – obwohl kaum ein Tag unter zwölf Stunden Arbeitszeit vergeht.

Morgens um sieben ist die Welt bekanntlich noch in Ordnung und zu dieser Zeit spielt Carsten in seiner Delmenhorster Wohnung Klavier, bevor er nach Ganderkesee zur Musikschule fährt. Nach Feierabend heißt es dann aber: abschalten bei Computerspielen. Ob er diesen Tagesablauf weiter einhalten kann, ist fraglich, denn er wird in Kürze mit seiner Lebensgefährtin zusammenziehen. Von Vechta aus wird sein Anfahrtsweg zur Arbeit länger dauern. Aber mit Musik seiner Lieblingsband Roxette dürfte die Fahrt wie im Fluge vergehen.

Carsten Schulte,Leiter der Musikschule Ganderkesee

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