Ganderkesee /Oldenburg Glück im Unglück: In Brake brannte am Donnerstag die historische St. Bartholomäus-Kirche im Stadtteil Golzwarden, die dortige Arp-Schnitger-Orgel blieb jedoch von den Flammen verschont. Das ist vor allem dem raschen Handeln der Feuerwehren zu verdanken. Die St. Cyprian- und Corneliuskirche in Ganderkesee ist etwa 200 Jahre jünger – sie wurde im 15. Jahrhundert gebaut –, beherbergt aber ebenfalls eine wertvolle Arp-Schnitger-Orgel. Die NWZ hat nachgefragt, ob es Pläne für den Fall der Fälle gibt, um Kirche und Einrichtung vor Feuer und anderen Gefahren zu schützen.

Objekt- statt Masterplan

„Es gibt keinen Masterplan. Die Feuerwehr würde im Falle des Falles tun, was sie kann“, sagte Susanne Bruns, geschäftsführende Pastorin der Kirchengemeinde Ganderkesee. Angst vor Ereignissen wie jetzt in Brake habe sie aber nicht: „Es gibt Dinge, die passieren einfach.“

Ähnliches sagte auch der Gemeindebrandmeister Bernd Lembke: „Einen Brandschutzplan gibt es nicht.“ Da die Begebenheiten immer unterschiedlich seien, werde jedes Szenario individuell angegangen. Unvorbereitet sind die Einsatzkräfte jedoch nicht: „Die Feuerwehren kennen die Objekte in ihrem Einzugsgebiet, machen dort auch regelmäßig Begehungen in den Objekten, um die Gefahren kennenzulernen.“

Für St. Cyprian sieht Axel Hollmann, Ortsbrandmeister in Ganderkesee, keinen dringenden Handlungsbedarf: „Wir haben da eine gute Brandbegrenzung.“ Die Kirche könne einem Feuer aufgrund ihrer vergleichsweise dicken Außenwände wahrscheinlich über zwei Stunden standhalten – ausreichend für erste Rettungsmaßnahmen. Unter der Glocke befindet sich eine Betondecke, die die Glocke im Notfall auffangen kann.

Weil ein Großteil aller Brände durch technische Defekte ausgelöst werde, seien in Ganderkesee entsprechende Vorkehrungen getroffen: „Der maximale Schutz ist eingebaut, ein Kurzschluss wird nicht weitergeleitet.“

Begehungen wichtig

Dennoch betont Hollmann die Bedeutung von Begehungen – im Idealfall alle drei bis fünf Jahre –, da den Einsatzkräften so die Schwierigkeiten vor Augen geführt werden. Der Objektplan, der immer im Einsatzleitwagen mitgeführt wird, hilft zusätzlich bei der Orientierung: „Wir wissen, wo wir reingehen können, wo die Aufgänge sind und was beweglich ist“, so Hollmann.

Die Anfahrt zur Kirche mit der 30 Meter-Drehleiter sei wegen der engen Bebauung nicht einfach, aber dennoch möglich. Auch der geschätzte „Trümmerschatten“, der Gefahrenbereich herabstürzender Teile, befinde sich innerhalb der Kirchenmauern.

Ein verordneter Feuerwehrplan für St. Cyprian liegt nicht vor, da die Kirche deutlich älter als das Bauordnungsamt ist, welches derartige Registrierungen durchführt. Ein solcher Plan kann nachträglich jedoch noch von einem Brandschutzprüfer verordnet werden.

Was den Schutz wertvoller Gegenstände angeht, verweist Lembke auf Objektpläne, die im Brandfall zurate gezogen werden – in der St. Cyprian- und Corneliuskirche ist das im Besonderen die fest installierte Schnitger-Orgel.

Für Neupreis versichert

Was versicherungstechnisch passiert, wenn es doch zum Verlust durch Feuer kommt, erklärte Dirk-Michael Grötzsch, Pressesprecher der Landeskirche in Oldenburg: „Zur Absicherung kirchlicher Vermögenswerte, dies trifft auch auf sehr alte und denkmalgeschützte Kirchen zu, wird eine Gebäudeversicherung abgeschlossen. Im Schadensfall ersetzt der Versicherer die Kosten für den Wiederaufbau.“

Auch Orgeln seien dadurch mitversichert, genau wie die Wiederherstellung zerstörter Kunstschätze. „Der Versicherer erstattet bei einem Totalschaden die Kosten für eine qualifizierte Kopie. Dies ändert aber natürlich nichts daran, dass die originalen, historischen Kunstwerke bei Totalverlust unwiederbringlich vernichtet sind.“

Aus dem Brand in Brake will die Landeskirche jetzt zumindest die richtigen Lehren ziehen. „Wir werden die Ereignisse in Golzwarden sehr intensiv auswerten, um daraus abzuleiten, wie wir den Brandschutz weiter verbessern können“, sagte Grötzsch.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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