Ganderkesee Anderswo gehen freitags Tausende auf die Straße – in Ganderkesee steht ein Einziger vor dem Supermarkt. Manfred Bestenbostel macht das nichts aus: „Greta stand zuerst auch ganz allein da“, sagt er. Und wofür die 16-jährige Greta Thunberg mittlerweile weltweit streitet, dafür setzt sich der 77-jährige Ganderkeseer ebenso unbeirrt in seinem Heimatort ein: „Mahnwache für den Klimawandel“ steht auf dem Schild, das er in der Hand hält.

Vor zwei Wochen machte sich Manfred Bestenbostel erstmals auf zu seinem ganz persönlichen Klimaprotest in Ganderkesee. Zunächst stand er vor dem Rathaus, „aber da war kaum Publikum“. Darum zog er mit seinem Schild zur Raiffeisenstraße, vor die Tore von Aldi und Inkoop. Dort fühlt er sich auch thematisch besser aufgehoben: „Hier kaufen die Leute ein“ – genau die richtige Umgebung also, um über Verpackungsmüll oder den Kauf regionaler Produkte zu sprechen.

An diesem Freitag ist der Klimaaktivist nicht mal allein vor den Märkten: Seine Tochter Claudia und deren Kinder Josefine (7) und Lorenz (4) unterstützen ihn – sie sind gerade in Ganderkesee, weil ihr Vater und Großvater am Vortag seinen 77. Geburtstag gefeiert hat. „Meine Restlaufzeit ist begrenzt“, sagt Bestenbostel, „ich mache das für meine Kinder und Enkelkinder.“ Annette Lenz ist auch dabei: Die 63-Jährige kennt Bestenbostel gut und teilt seine Sorge um das Klima und die Zukunft der nachfolgenden Generationen.

Claudia Bestenbostel-Özkök, die mit ihrer Familie in Hamburg-Bergedorf lebt, denkt wie ihr Vater: „Das Thema beschäftigt uns sehr“, sagt die 40-Jährige. Zur großen Klima-Demo in Hamburg nahm sie Tochter Josefine schon mit. Die Zweitklässlerin weiß selber auch, worum es geht: Für die Demo ihres Opas am Freitag hat sie ein Bild gemalt, auf dem sie zu „mehr Fahrrad fahren“ aufruft.

Tochter und Enkelkinder finden gut, was Manfred Bestenbostel macht. Und was er konsequent fortsetzen will: Möglichst jeden Freitag, falls kein wichtiger Termin dazwischenkommt, wird er sich für eine halbe Stunde vor die Verbrauchermärkte an der Raiffeisenstraße stellen – allein, wenn’s sein muss, „aber ich würde mich natürlich freuen“, betont er, „wenn sich Mitmahnende anschließen.“

Über Protest-Erfahrung verfügt der 77-Jährige zur Genüge: In den 80er-Jahren fuhr er mit anderen Ganderkeseer Atomkraft-Gegnern zur Demo nach Brokdorf – damals schon mit Tochter Claudia, die gerade mal so alt war wie jetzt ihre eigene Tochter. An einer Menschenkette gegen den Nato-Doppelbeschluss nahmen sie auch teil. Seit Langem engagiert sich Bestenbostel in der Nabu-Ortsgruppe. Als im März erstmals in Ganderkesee Schüler an einem Freitag für ihre Zukunft demonstrierten, war er gleich als Ordner dabei. Dass die Kampagne hier danach nicht weiterlief, findet er schade. „Die Schulleitung hat das verhindert“, glaubt er.

So sind die „Fridays for Future“ in Ganderkesee derzeit „Fridays for one“. Aber der eine will durchhalten. „Das habe ich mir fest vorgenommen“, sagt Bestenbostel.

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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