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Freitag, der 30. August: Wenn Rainer Lange (61) an diesen Termin denkt, kommen bei ihm gemischte Gefühle auf: „Etwas Angst habe ich schon davor“, gibt er zu. Zum einen darf er sich dann auf den bevorstehenden Ruhestand freuen, zum anderen heißt es, Abschied zu nehmen vom Berufsleben. Am 30. August 2019 endet nicht nur für ihn, sondern auch für die Verwaltung der Gemeinde Ganderkesee eine lange Ära.

„Wo ist die Zeit geblieben“, fragt sich Rainer Lange. Seine Kindheit und Jugend verbrachte der gebürtige Bremer in der Nachbargemeinde Dötlingen. Als Rainer drei Jahre alt war, zogen seine Eltern mit ihm nach Brettorf. Sein Vater arbeitete bei einer Tankstelle in der Nähe des Bremer Weserstadions. Schon als Kind ging Rainer allein von Vaters Tankstelle ins Stadion, um den SV Werder anzufeuern.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Rainer gehört zu den Gründungsvätern des größten Werder-Fan-Clubs: „27801“ in Brettorf. Aber er schaut nicht nur gern den Werder-Profis zu, sondern war selbst ein guter Fußballer. Allerdings musste er seine Spielerkarriere schon mit 19 Jahren wegen eines Knorpelschadens am Knie beenden. Im Alter von 33 Jahren startete er erneut und spielte bis vor kurzem in der Seniorenmannschaft des TSV Ganderkesee.

Neben Fußball, gehört Faustball zu seinen sportlichen Aktivitäten. Seine Kniebeschwerden machten sich dort nicht bemerkbar und so spielte er mit der 1. Herrenmannschaft des TV Brettorf in der Bundesliga. Erst vor drei Jahren beendete Rainer auch im Faustball seine aktive Laufbahn.

Seine schulische Laufbahn hingegen hat er sehr früh beendet: Mit 14 Jahren schaffte Rainer den Realschulabschluss in Wildeshausen. Sein Schulpraktikum hatte er bei der Verwaltung der Stadt Wildeshausen absolviert und war von dieser Tätigkeit Feuer und Flamme. Nach der Realschule besuchte er die Höhere Handelsschule und am 1. August 1974 begann Rainer seine Ausbildung bei der Freien Hansestadt Bremen. „Meine Ernennungsurkunde ist noch vom damaligen Bürgermeister Hans Koschnick unterschrieben worden“, erzählt er.

Als er später in die Abteilung von Finanzsenator Henning Scherf wechselte, nahm dieser sich die Zeit, um mit jedem Auszubildenden ein Gespräch zu führen. „Das hat mich sehr beeindruckt“, schwärmt Rainer. Die Zeit beim Finanzsenator hat ihn geprägt: „Hier habe ich die Zahlen lieben gelernt“. Nach seiner Zwischenprüfung folgten drei Jahre für den gehobenen Verwaltungsdienst, die er 1979 erfolgreich beendete. Rainer arbeitete dann noch einige Jahre beim Senator für Bildung, bis seine Heimatgemeinde Dötlingen 1983 einen Kämmerer suchte. Der Gemeinderat bewies Mut, denn er gab Rainer Lange den Zuschlag – so wurde er der jüngste Kämmerer in der Geschichte der Gemeinde.

„In Dötlingen habe ich gelernt, wie eine Kommunalverwaltung funktioniert“, betont Rainer. Er wollte aber mehr, darum studierte er nebenberuflich an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Oldenburg und erwarb 1992 das Verwaltungsdiplom. Zu diesem Zeitpunkt war er schon bei der Gemeinde Ganderkesee, die zum 1. September 1991 einen allgemeinen Vertreter des Gemeindedirektors gesucht hatte.

Noch heute erinnert Rainer sich an den ersten Auftrag von seinem Chef Gerold Sprung: „Wir benötigen für die Verwaltung neue Räume. Kümmern Sie sich darum“. 1996 konnte er Vollzug melden, denn er war maßgeblich an der Planung des neuen Rathauses beteiligt. 1999 wurde Gerold Sprung zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister gewählt und Rainer wurde Erster Gemeinderat.

Dass es im Leben nicht immer bergauf geht, diese Erfahrung musste Rainer 2006 machen. Da Gerold Sprung auf eine weitere Amtsperiode verzichtete, bewarb er sich um das Bürgermeisteramt. Er unterlag der aktuellen Amtsinhaberin Alice Gerken. „Verlieren ist nie gut, aber es geht weiter“, war seine sportliche Antwort. Er wurde als Erster Gemeinderat bestätigt und bildete zusammen mit der Bürgermeisterin ein höchst erfolgreiches Tandem, wobei er seine Vorliebe für Zahlen und Haushaltsentwürfe ausleben konnte.

Nahm der Stress überhand, so bezog Familie Lange ihre „Rückzugsoase“ und die bestand bis vor einigen Jahren aus einem Wohnwagen auf der Insel Fehmarn. „Obwohl es den Wohnwagen nicht mehr gibt, ist es immer noch ,unsere’ Insel“, schwärmt Rainer. Mit „unser“ sind Ehefrau Elke, die er schon in ganz jungen Jahren auf einer Tanzveranstaltung im Bergedorfer Krug kennen gelernt hatte, und die beiden gemeinsamen Söhne Matti (29) und Onno (23) gemeint.

Was wird ab dem 1. September werden? Ganz ohne Zahlen wird es auch in Zukunft nicht gehen. An drei Tagen in der Woche wird er die Finanzen der Bäder GmbH regeln und sein großer Garten wartet auch auf ihn. „Lange-Weile“ wird es auch in Zukunft bei ihm nicht geben.

Dirk Wieting spricht mit Rainer Lange, Erster Gemeinderat

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