Viele Geschäftsideen, die heute ein Erfolgsmodell sind, entstanden mehr oder weniger durch Zufall. So war es auch bei Frank Dobrin (53) und seiner Ehefrau Antje. Als ihre Kinder in der Schule für eine Veranstaltung etwas zum Verkauf benötigten, kreierte Antje unter anderem einen Birnensenf. Dieser erwies sich als absoluter Renner und so entstand die Idee: „Wenn das so gut ankommt, dann machen wir es zum Beruf“.

Im September 2013 eröffneten die Dobrins „Die Schlemmerei“. Ihren Sitz hat diese Genussmanufaktur im ehemaligen Verkaufsraum der Bäckerei Hüholt an der Grüppenbührener Straße in Ganderkesee. Selbst hergestellte Senfspezialitäten, wie etwa Bananen-Curry-Senf, sind genauso beliebt wie die Confits – eine Art Chutney, oder die feinen Saucen mit Schuss. In vielen Wein- und Feinkostgeschäften in ganz Deutschland werden diese Köstlichkeiten mittlerweile angeboten. „Von der Herstellung in eigener Küche bis zum Versand ist bei uns alles in einer Hand“, erklärt Frank.

Heute ist er sowohl geschäftlich als auch privat in der Gemeinde Ganderkesee verwurzelt. Groß geworden ist Frank in Delmenhorst, hat aber auch zwei Jahre in Südamerika verbracht. Sein Vater wurde 1975 beruflich nach Kolumbien versetzt und holte seine Familie nach einem halben Jahr zu sich nach Bogota. Frank war zu dem Zeitpunkt gerade zehn Jahre. „Es war eine spannende Zeit und auch das Erlernen der spanischen Sprache ging schnell. Wir hatten immer gutes Wetter“, erinnert sich Frank. Nach zwei Jahren war das berufliche Engagement seines Vaters beendet und es sollte direkt weiter nach Ceylon gehen. Der Vater wollte seiner Familie jedoch einen erneuten Wechsel in ein anderes Land ersparen und so kehrten sie zurück nach Delmenhorst.

Frank besuchte das Max-Planck-Gymnasium, hatte aber keine klaren Vorstellungen, in welche Richtung es beruflich gehen sollte. Nach der Bundeswehr, die er als „furchbar langweilig“ empfand, entschied er sich dann für die kaufmännische Schiene. Bei der Norddeutschen Wäschefabrik in Delmenhorst machte Frank anschließend eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Danach wollte er aber noch etwas anderes sehen und so war er für ein Jahr im Hamburg tätig, ehe er in das Unternehmen seines Vaters wechselte, der mittlerweile einen Großhandel für Arzneimittel hatte.

„Es war mit meinem Vater und mit mir ein reiner Familienbetrieb“, erzählt er. Ab 2005 übernahm er mit Unterstützung seiner Schwester dann das Unternehmen. Die Rahmenbedingungen für den Vertrieb von Arzneimitteln wurden allerdings immer schwieriger. Da war es schon eine Fügung, dass 2012 die Idee für „Die Schlemmerei“ entstand.

Hieran war Antje Dobrin-Stein nicht ganz unbeteiligt. Bei einem gemeinsamen Kurs vor vielen Jahren auf dem Max-Planck-Gymnasium hatte Frank Augen für alles andere, aber nicht für sie. Jahre später vertrat sie ihren Bruder in seinem „Hardball-Cafe“ in Delmenhorst, dort war Frank auch ein häufiger Gast. „Als ich Antje sah, war ich beeindruckt“, gibt Frank zu. Beim nächsten Besuch im „Hardball-Cafe“ war Antje schon nicht mehr da, daher gab Frank ihrem Bruder seine Visitenkarte, mit der Bitte um Antjes Rückruf. Diese Visitenkarte wurde zur Eintrittskarte für ihr gemeinsames Glück.

2005 wurde auf Ibiza geheiratet – da es dort keinen evangelischen Pfarrer gab, wurde dieser aus Mallorca eingeflogen. „Es war wunderschön“, schwärmt das Ehepaar noch heute. Allerdings änderte sich Franks Leben schlagartig. Da waren die beiden Kinder Liza (25) und Austen (20) aus der ersten Ehe von Antje, dazu waren 2004 noch die gemeinsamen Zwillingstöchter Sophie und Hannah gekommen.

„Ehe ich mich versah, hatte ich eine Großfamilie. Es war schon eine Umstellung, aber es war und ist auch noch heute wunderbar“, freut sich Frank. Selbst sein geliebtes Motorrad steht seit Jahren unbenutzt in der Garage. Dafür unterstützt er seine Zwillingstöchter bei ihrem Leistungssport: Beide spielen Fußball bei den C-Juniorinnen des TSV Ganderkesee. Dazu ist Tochter Hannah eine erfolgreiche Tänzerin. „Da müssen so einige Fahrten und Termine koordiniert und organisiert werden. Bleibt dann noch Zeit, bastle ich in meiner Werkstatt“, erzählt Frank.

Mehr als Kurzurlaube sind für die Familie nicht drin. „Wenn Antje und ich nicht im Betrieb sind, ist keiner da, der für uns weiter das Geld verdient“, schmunzelt er. Das nimmt er gerne in Kauf, denn privat und auch beruflich hat Frank sein großes Glück gefunden – und das können nicht alle von sich behaupten.

Dirk Wieting spricht mit Frank Dobrin von der „Schlemmerei“

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