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Bookholzberg „Jetzt müsste es Schlag auf Schlag gehen“, hofft Dietmar Mietrach. Nachdem sich die Bemühungen, aus der Freilichtbühne Bookholzberg einen Lern- und Geschichtsort zu machen, schon seit fast 15 Jahren hinziehen, sieht der Vorsitzende des Fördervereins Freilichtbühne Bookholzberg nun endlich der Verwirklichung des Projekts entgegen: Einstimmig hat der Kreistag am Dienstagabend die finanzielle Beteiligung des Landkreises Oldenburg beschlossen.

Damit ist gesichert, dass sich der Kreis und die Gemeinde Ganderkesee die ungedeckten Kosten für den Ankauf und die Sanierung des Gebäudes, in dem das Informationszentrum Freilichtbühne Bookholzberg eingerichtet werden soll, teilen. Der Erwerb des Hauses Nummer 21 im ehemaligen Spieldorf der Bühne schlägt mit 54 000 Euro zu Buche, ungleich teurer indes wird die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes: 257 000 Euro werden nach einer ersten Berechnung des Oldenburger Architekturbüros Angelis und Partner dafür nötig sein. Zur Gegenfinanzierung werden 100 000 Euro aus dem EU-Förderprogramm Leader und Eigenleistungen des Fördervereins im Wert von 30 000 Euro erwartet. Die verbleibenden 181 000 Euro übernehmen je zur Hälfte Landkreis und Gemeinde.

Der Hauskauf soll nun schnell über die Bühne gehen: Am Donnerstag muss der Stiftungsrat der Landesstiftung für berufliche Integration dem Kaufvertrag noch zustimmen. Der Stiftung gehört das Gelände des Berufsförderungswerkes, auf dem sich die Freilichtbühne befindet. Dietmar Mietrach geht von einem positiven Votum aus und hofft, dass die Bauarbeiten dann schnell ausgeschrieben werden. „Wenn alles optimal läuft, könnten wir vielleicht im Frühjahr 2020 mit der Einrichtung beginnen.“

Über Jahre haben der Förderverein und der Arbeitskreis „Geschichtsort Stedingsehre“ Materialien und Informationen zusammengetragen – auch zur Nachkriegsgeschichte der Freilichtbühne, vor allem aber über deren Entstehung und Nutzung während der NS-Diktatur. 1935 und 1937 wurden dort vor Zehntausenden Zuschauern Inszenierungen des August-Hinrichs-Stückes „De Stedinge“ aufgeführt, das den Freiheitskampf der Stedinger Bauern glorifiziert. Ein Lern- und Geschichtsort an dieser Stelle soll vor allem die ideologische Verführbarkeit der Massen dokumentieren – „ein hochaktuelles Thema“, wie Mietrach betont.

Das sahen auch viele Kreistags-Politiker so: Von einem „wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte“ sprach Axel Brammer (SPD). Dr. Reinhold Schütte (Grüne) zeigte sich froh, dass die „Entmythologisierung“ des einstigen NS-Areals weitergehe. Auch Günter Westermann (CDU) hält es für erforderlich, an dieser Stelle auf die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte hinzuweisen. „Jede Form des Extremismus muss benannt werden, um sie jungen Menschen bewusst zu machen“, sagte Patrick Scheelje (AfD). Kreszentia Flauger (Linke) warnte vor dem Neuentstehen rechtsextremistischer Tendenzen.

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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