GANDERKESEE Die Gruppe hat knapp 30 Mitglieder, und die treffen sich regelmäßig zum Kegeln, unternehmen fröhliche Ausflüge mit dem Bus, ebenso gerne auch mit dem Fahrrad, sie gehen gemeinsam ins Theater oder sitzen einfach nur nett zusammen und reden . . . „Wir sind ein Club wie jeder andere“, sagt Erwin Wendt. „Nur ohne Alkohol!“

Erwin Wendt aus Heide kümmmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit in der Guttempler-Gemeinschaft Ganderkesee. Und in dieser Funktion hat er zurzeit ein bisschen mehr zu tun als sonst – die Selbsthilfegruppe besteht nämlich an diesem Montag, 28. Juli, seit genau 30 Jahren. Und das Jubiläum soll gefeiert werden: Am Sonnabend, 2. August, findet ein Festakt im Ganderkeseer Rathaus statt. Um 15 Uhr beginnt das Programm, in dessen Mittelpunkt ein Vortrag von Hanna Plate, 2. Vorsitzende der Gemeinschaft, stehen wird. Vertreter der Gemeinde, der Kirche, anderer Selbsthilfegruppen und befreundeter Guttempler-Organisationen werden erwartet.

Besonderen Grund zum Feiern haben fünf Guttempler, die von Anfang an dabei waren: Jonny Sobek, Helga Geßler, Ruth und Hartmut Schneider sowie Horst Lindert gehörten zu den Gründern der Ganderkeseer Gemeinschaft, die seinerzeit vom Kreisverband Delmenhorst angestoßen wurde. Die Ganderkeseer wiederum haben später in Nachbargemeinden bei der Gründung neuer Gemeinschaften mitgeholfen, so in Altenesch und Harpstedt. 1. Vorsitzender der Guttempler ist Heinz Corssen, neben Hanna Plate und Erwin Wendt gehören noch Kassenführer Harmut Schneider und Schriftführer Bernhard Kühn zum Vorstand.

In den ersten Jahren haben sich die Ganderkeseer Guttempler im ev. Gemeindehaus am Ring getroffen, später nutzten sie die Räume der Lebenshilfe an der Pestalozzistraße, und seit einiger Zeit kommen sie in der alten Schule in Bookhorn zusammen – immer montags für gut eineinhalb Stunden. „Meistens hat irgendjemand ein Problem“, erklärt Erwin Wendt. Das „Problem“ hat in der Regel mit Alkohol zu tun: Auch wer seit Jahren oder Jahrzehnten abstinent lebt, ist nicht frei von Versuchungen. „Ich habe selber manchmal ein komisches Gefühl“, sagt Wendt, der vor 13 Jahren mit dem Trinken aufgehört hat. Darüber in der Gemeinschaft zu reden, hilft enorm: „Es ist wichtig, dass die Gruppe für einen da ist“, betont Wendt.

Der 67-Jährige ist auch außerhalb der Ganderkeseer Guttempler-Gemeinschaft im Hilfseinsatz: Regelmäßig ist er in der Fachklinik „to hus“ in Neerstedt, führt dort Beratungsgespräche mit Patienten. „Das ist für mich dann auch immer Arbeit an mir selbst“, gibt er zu. Anderen zu helfen, von der Sucht wegzukommen, ist das Fundament der Guttempler-Arbeit. „Wir bereiten den Weg vor“, erklärt Erwin Wendt das Prinzip, „gehen muss ihn dann aber jeder für sich.“

Guttempler gibt es seit mehr als 150 Jahren

International ist die Organisation der Guttempler, die 1851 in den USA gegründet. Es gibt heute 4,5 Millionen Guttempler in mehr als 60 Ländern.

In Deutschland sind Guttempler seit 1889 vertreten. Bundesweit sind etwa 7000 Menschen in rund 250 Orten mit 450 Gemeinschaften und über 500 Selbsthilfegruppen organisiert. Auch Nichtmitglieder können die Angebote kostenlos in Anspruch nehmen.

Die Arbeit der Guttempler beruht auf der ehrenamtlichen Tätigkeit der Mitglieder. Die Guttempler in Deutschland bilden den größten nichtkonfessionellen Verband in der Suchtselbsthilfe. Sie sind Mitglied des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (dhs).

Sie sind als gemeinnützig und mildtätig anerkannt.

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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