Düsseldorf Theo Zwanziger trat noch einmal nach. Inmitten klingelnder Telefone nahm der frühere DFB-Präsident den Sieg im „Krebsgeschwür“-Prozess gegen Katar wie eine Selbstverständlichkeit hin – und er teilte wieder kräftig aus. Nur bei der Frage nach dem brisanten Prozess gegen Günter Netzer, bei dem er am kommenden Mittwoch in Köln erneut der Beklagte sein wird, wurde er mundfaul.

„Das Wort Krebsgeschwür war eine deutliche Kritik, die aber möglich sein muss, wenn es um einen Skandal solcher Dimension geht“, sagte Zwanziger nach der Urteilsverlesung des Düsseldorfer Landgerichts am Dienstag: „Dieses Land ist halb so groß wie Hessen, da herrscht eine unglaubliche Hitze, Menschenrechte werden mit Füßen getreten. Dort die WM 2022 auszutragen, ist ein Witz.“ Es folgte einer seiner Seitenhiebe gegen den Deutschen Fußball-Bund: „Ich bin enttäuscht, dass alle Funktionäre, auch beim DFB, das als gottgegeben hinnehmen.“

Die Unterlassungsklage des katarischen Fußball-Verbandes QFA, vertreten durch den früheren CSU-Spitzenpolitiker Peter Gauweiler, wies das Gericht ab. In der Begründung hieß es, das Wort „Krebsgeschwür“ sei ein „beleidigendes Werturteil“, überschreite aber nicht die Grenze zur Schmähkritik. „Scharfe Aussagen sind erlaubt, sonst kann es zu einer Lähmung des Meinungsbildungsprozesses kommen“, betonte der beisitzende Richter. Die Kanzlei Bub und Gauweiler kündigte am Dienstag an, in Berufung gehen zu wollen.

Von Katar muss sich der streitbare Zwanziger (70) also weiter nicht den Mund verbieten lassen. Ob Netzer (71) dies gelingt, wird sich vor dem Landgericht Köln zeigen. Beide Funktionäre trieben gemeinsam die deutsche Bewerbung um die WM 2006 voran, Zwanziger im Organisationskomitee, Netzer im Aufsichtsrat. Vor Gericht geht es um ein Treffen 2012 am Flughafen Zürich. Zwanziger behauptet: Netzer habe ihm damals mitgeteilt, die Stimmen der vier Asiaten in der Exekutive des Weltverbandes Fifa für die WM-Vergabe am 6. Juli 2000 seien gekauft gewesen.

Netzer bestreitet dies vehement. Er verweist auf die Anwesenheit seiner Gattin Elvira – sie könne bezeugen, dass Zwanziger lüge. „Ich bin in allen Dingen guten Mutes“, sagte dieser nun, einen weiteren Kommentar lehnte er ab. Er war aber im Dezember deutlich geworden: Elvira Netzer solle seinetwegen „ruhig den Meineid schwören. Netzer geht hohes Risiko“.

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