Berlin Nach der Rückzugsankündigung von FIFA-Chef Joseph Blatter wird auch über die Möglichkeit einer Neu-Vergabe der umstrittenen WM-Turniere in Russland 2018 und Katar 2022 debattiert. Noch fehlt hierfür aber jede juristische Grundlage. Die Verträge mit den WM-Gastgebern sind unabhängig von der Person des Präsidenten geschlossen. Dennoch gibt es Szenarien, die eine neue Ausschreibung der Fußball-Turniere möglich machen könnten:

Die Schweizer Justiz ermittelt nach der Strafanzeige der FIFA weiterhin in alle Richtungen. Mehrere Wahlmänner von 2010 - wie die FIFA-Vizepräsidenten Issa Hayatou und Angel Maria Villar Llona - wurden schon befragt. Auch Franz Beckenbauer steht auf der Verhörliste. Finden die Ermittler aus Bern belastendes Material, das Korruption oder Vorteilsnahme bestätigt, könnte und müsste die FIFA eine Neuvergabe einleiten.

Die Hoffnungen der Russland- und Katar-Gegner ruhen auch noch auf dem Garcia-Report. Der Bericht des ehemaligen Chefermittlers der FIFA-Ethikkommission, Michael Garcia, wurde noch nicht veröffentlicht. Finden sich dort mehr belastbare Anschuldigungen, als bislang von den Ethikhütern publiziert, müsste die FIFA auch aktiv werden. Je nachdem, welche Interessen der Blatter-Nachfolger hat, könnte der Garcia-Report instrumentalisiert werden.

Die WM-Debatte nahm derweil teilweise skurrile Züge an. „Wenn ich bei den katarischen Organisatoren wäre, würde ich nicht sehr gut schlafen“, sagte der englische Verbandschef Greg Dyke. Die Antwort aus dem Emirat: Dyke solle sich darauf konzentrieren, dass er „bis zur WM 2022 in Katar eine englische Mannschaft aufbaut, die den Titel gewinnen kann.“

Russland, das weiterhin an Blatters Seite steht, will sich durch die aktuellen Entwicklungen nicht ablenken lassen. „Das Wichtigste ist, dass Russland seine Vorbereitung für die Weltmeisterschaft 2018 fortsetzt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

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