Zürich Der weltweite Proteststurm gegen Fifa-Dauerregent Joseph Blatter reißt auch mehrere Tage nach der Wiederwahl nicht ab. Die EU-Kommission und die Bundesregierung fordern Veränderungen im Weltverband, ein ehemaliger Fifa-Vize verlangt Ermittlungen gegen den Schweizer, und der englische Verband will den Deutschen Fußball-Bund für einen WM-Boykott gewinnen.

Eine Abspaltung Europas von der skandalumwitterten Fifa lehnt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach aber weiter ab: „Wir wollen keine Verhältnisse wie beim Boxen, wo es mehrere Parallelverbände gibt. Das funktioniert nicht.“

Vor dem Champions-League-Finale an diesem Sonnabend in Berlin wollen die mehrheitlich Blatter-kritischen Uefa-Mitglieder ihre Strategie für die fünfte Amtszeit des Fifa-Präsidenten festlegen. Große Hoffnungen hegt Niersbach jedoch nicht. Seit Blatter seine Kandidatur erklärt hatte, habe Europa „nicht zu einer schlagkräftigen Strategie gefunden“, kritisierte der DFB-Chef.

Auch ein WM-Boykott wird auf der Diskussionsagenda stehen. Englands-Verbandschef Greg Dyke rief Deutschland und andere wichtige Fußball-Nationen aus Protest gegen Blatter zu einem gemeinsamen Verzicht auf die Weltmeisterschaft auf.

Vergangene Woche waren in Zürich sieben Fußball-Funktionäre verhaftet worden, die US-Behörden klagten 14 Personen an. Der zwischenzeitlich festgenommene frühere Blatter-Stellvertreter Jack Warner forderte Ermittlungen gegen den Fifa-Boss.

Kein anderer habe so viel Schande über die Fifa gebracht, sagte der ehemalige Spitzenfunktionär der Zeitschrift „Stern“. Peinlich: Warner fiel bei dem Versuch, sich gegen alle Korruptionsvorwürfe zu wehren, auf eine Satire-Zeitschrift rein. In mehreren Videos auf Facebook bezeichnete der ehemalige Fifa-Vizepräsident die Ermittlungen amerikanischer Behörden gegen seine Person als Rachefeldzug. Wenig später hielt er einen Beitrag des Satiremagazins „The Onion“ in die Kamera, um seine Argumentation zu untermauern.

Die EU-Kommission richtete deutliche Worte an die Fifa. „Die Fifa hat genug Zeit und Gelegenheiten zur Reform bekommen“, sagte eine Sprecherin. Nun sei es Zeit für Veränderungen. Es bestehe dringender Handlungsbedarf in der Fifa, erklärte auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Einzig Brasiliens Fußball-Legende Pelé kann die Aufregung um die Fifa und ihren Chef nicht nachvollziehen. Der 74-Jährige bezeichnete die Wahl Blatters als „perfekt“.

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