Aachen Die Augen blitzen wie eh und je, fast ein wenig schelmisch. Egidius Braun ist die Freude über den Besuch in seinem Haus in Aachen anzusehen, er sitzt da, wo er viele der letzten Jahrzehnte zugebracht hat, um den deutschen Fußball voranzubringen: am Schreibtisch!

An den Wänden hängen Bilder, Braun mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit Ex-Bundespräsident Johannes Rau und anderen Politik-Größen, Erinnerungen und Auszeichnungen. So auch die 2013 verliehene Urkunde über die Verleihung des Ehrenordens Mexikos, „Orden Mexicana del Águilar Azteca“, die höchste Auszeichnung, die das lateinamerikanische Land zu vergeben hat.

An diesem Freitag vollendet Braun, der Ehrenpräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), sein 90. Lebensjahr. Anlass für den DFB zu einer Feierstunde in die Sportschule Hennef einzuladen. Denn wie kein Zweiter hat der gebürtige Aachener die Popularität des Fußballs genutzt, um die Not in der Welt zu lindern.

„Er ist der Präsident, der neben dem Spitzenfußball und der Amateurbewegung das soziale Engagement als dritte Säule in die Verbandsarbeit integriert und in der Satzung manifestiert hat“, lobt der jetzige Verbandschef Wolfgang Niersbach.

Braun, der trotz seiner angeschlagenen Gesundheit nach erlittenem Schlaganfall 2006 mit großer Disziplin jeden Tag spazieren geht, führt die Gäste durch sein Haus. „Musik und Kunst“, sagt der Jubilar. Braun zeigt seine Kunstwerke und die umfangreiche Klassiksammlung, er ist stolz darauf.

In einem Korb auf dem Parkettboden befinden sich überdimensionale Schecks – Zeugnisse der erfolgreichen Aktivitäten Brauns für den guten Zweck. 1986 bei der WM in Mexiko hob er zusammen mit Rudi Völler die Mexiko-Hilfe aus der Taufe. Inzwischen trägt die DFB-Stiftung, die das soziale Engagement des größten Sportfachverbandes der Welt (6,8 Millionen Mitglieder) bündelt, den Namen Egidius Braun.

„Als Kind wollte ich Lokomotivführer werden, Weichensteller bin ich geworden“, sagt er gerne über sich. Braun gelang es dabei immer, mit der ihm eigenen Beharrlichkeit, die Großen aus Politik, Wirtschaft und Sport für die sozialen Zwecke einzuspannen. Völler, Toni Schumacher, Hans-Peter Briegel oder Oliver Bierhoff, um nur einige zu nennen, stehen bis zum heutigen Tag zur Verfügung. Sie kommen, wenn sie von Egidius Braun gerufen werden.

In seiner Zeit als DFB-Präsident (1992 bis 2001) traf er wegweisende sportpolitische Entscheidungen. Finanziell unabhängig machte sich Braun mit großem Engagement ans Werk, stets von seiner Ehefrau Marianne unterstützt. Vor unpopulären Entscheidungen drückte sich der Mann nie, der so gerne Augustinus zitiert und einst sogar Philosophie studierte. In der Öffentlichkeit wurde immer gerne das Bild des jovialen „Pater Braun“ gezeichnet. Intern konnte der ehemalige Kartoffelgroßhändler aber auch knallhart sein.

Dies bekamen Uli Stein 1986 und Stefan Effenberg 1994 zu spüren, die beide vorzeitig von der WM nach Hause geschickt wurden. 1998 bei der WM-Endrunde in Frankreich wollte Braun sogar die deutsche Mannschaft vom Turnier zurückziehen, nachdem Hooligans in Lens den Gendarmen Daniel Nivel ins Koma prügelten.

Braun zeichnete immer aus, die Themen aus möglichst vielen unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten und zu beurteilen. Auch unbequeme Querdenker bezog er in seine Überlegungen mit ein, auch sie halfen ihm, sehr differenzierte Entscheidungen zu fällen. Seinem Uefa-Netzwerk war es schließlich auch zu verdanken, dass Deutschland die WM 2006 erhielt. Ohne Braun wäre das Sommermärchen nicht möglich gewesen.

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