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Turbo gezündet

Eine Prise Atlético, ein Schuss Bayer und ganz viel VfB: Das Fußball-Süppchen, das die Oldenburger am Sonntag Regionalliga-Rivale Lübeck servierten, mundete diesem gar nicht. Die Elf von Dietmar Hirsch, die den Fans in dieser Saison neben kleinen Leckereien oft schnöde Hausmannskost aufgetischt hatte, kochte den bisherigen Tabellendritten beim 3:0 (2:0)-Heimerfolg mit einem scharfen Rezept eiskalt ab.

„Das ist der Fußball, den ich mir vorstelle: leidenschaftlich, kämpferisch, eklig“, sagte Hirsch und verglich den Auftritt mit zwei prominenten Beispielen der vergangenen Tage. Seine Elf rührte wie Atlético Madrid in der Champions League gegen den FC Bayern (1:0) ein kompaktes Defensiv-Püree an. Zudem legte sie sich den Gegner im Stile von Bayer Leverkusen in der Bundesliga gegen Dortmund (2:0) mundgerecht zurecht.

„Ich glaube, das haben wir getoppt – aber immer im Rahmen“, meinte Hirsch mit Blick auf Leverkusens 21:7 Foulbilanz, über die sich BVB-Coach Thomas Tuchel echauffiert hatte. Im Marschwegstadion hatte wohl keiner der 1908 Zuschauer exakt mitgezählt, aber Lübeck bekam in der Tat ein scharfes „Hirsch-Ragout“ aufgetischt. „Wir wussten, dass eine aggressive Mannschaft auf uns wartet“, erklärte Gästetrainer Rolf Martin Landerl, musste aber klar eingestehen: „Wir haben uns den Schneid abkaufen lassen.“

Nur in den ersten 20 Minuten waren die Holsteiner die aktivere Mannschaft gewesen, bissen sich aber an der Abwehr der rackenden Gastgeber die Zähne aus. Einzig ein 18-Meter-Schuss von Marvin Thiel (14. Minute, knapp daneben) sprang heraus.

„Wir mussten erst ins Spielfinden – das haben wir über die Zweikämpfe“, sagte Conrad Azong, der mit den Gastgebern ab der 20. Minute den Löffel in die Hand nahm. „Es war ein Abtasten“, meinte Daniel Franziskus, der die erst etwas auf Sparflamme köchelnde Offensive schließlich mit Andreas Pollasch aufdrehte.

Ein Zusammenspiel der Leistungsträger brachte das 1:0 durch Christopher Kramer, der im Sommer aus Lübeck gekommen war (24. Minute). Azong legte nach starkem Pass von Pollasch nach (40.). „Wir haben die Tore zur richtigen Zeit gemacht“, meinte der 23-Jährige, für den es der erste Saisontreffer war.

Nach der Pause versuchten die Lübecker, ihrer Magerkost etwas Würze zu geben, verschluckten sich aber an der eigenen Abschlussschwäche (60., Doppelchance von Marcello Meyer und Gary Noel) oder den Paraden von Patrick Nettekoven (54., 56., 89.). Auf der anderen Seite verpasste es Kramer, den Deckel früh draufzumachen (61.).

Doch wenig später servierte Franziskus einmal mehr eine Fußball-Delikatesse. Der 25-Jährige (zurück nach Gelb-Rot-Sperre bei St. Pauli II, 1:2) garnierte das VfB-Dinner mit einem Zauber-Freistoß von der linken Seite in den hinteren Torwinkel (70.).

„Das trainiere ich jeden Tag“, verriet Franziskus, der nicht nur mit Leckerbissen glänzt (schon in Minute 34 ging ein Freistoß ans Lattenkreuz). Auch als Scharfmacher geht er voran. „Männlichkeit und eine gewisse Härte“ seien das Rezept. „Das ist der Maßstab“, sagte Hirsch zur fußballerischen Sterne-Küche an diesem Tag und ergänzte, ehe er sich ein Getränk genehmigte: „Die Leistung müssen wir kontinuierlich abrufen. Daran arbeiten wir. Prost.“

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Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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