Oldenburg Die einen saßen feiernd auf dem Zaun des Gästeblocks und konnten ihr Glück kaum fassen – die anderen trotteten mit hängenden Schultern am Zaun der Gegentribüne im Marschwegstadion entlang und klatschten enttäuscht mit den heimischen Anhängern ab: Nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle mussten die Regionalliga-Fußballer des VfB Oldenburg eine bittere Niederlage im Halbfinale des NFV-Pokals einstecken. In einer packenden Partie setzte sich Drittligist VfL Osnabrück am Donnerstag vor 5940 Zuschauern im Marschwegstadion mit 5:3 (1:1, 0:0) nach Elfmeterschießen durch und löste als Finalist des Landeswettbewerbs das Ticket für die erste DFB-Pokal-Runde 2015/2016.

„Auf der einen Seite sind wir tief enttäuscht über diese Niederlage – andererseits bin ich aber auch sehr stolz auf die Mannschaft. Was die Jungs geleistet haben, war fantastisch“, sagte Oldenburgs Coach Predrag Uzelac. „Kompliment an den VfB für diese Leistung“, meinte VfL-Trainer Maik Walpurgis, dessen Team seiner Favoritenstellung in der regulären Spielzeit nicht gerecht geworden war.

Geringe Prämie

111 000 Euro entgehen dem VfB durch die Niederlage. Als unterlegener Halbfinalist erhält er nur 4000 Euro. Bei einem Weiterkommen wären es mindestens 115 000 Euro gewesen. Die Finalisten erhalten für die Teilnahme an der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde 2015/2016 jeweils 140 000 Euro. Der Sieger gibt davon 10 000 Euro an den NFV ab, der Verlierer 25 000 Euro.

Die in der Regionalliga gegen den Abstieg kämpfenden Gastgeber hielten stark dagegen und ließen aus dem Spiel heraus fast keine Chancen zu. Eine Freistoßvariante, bei der Christian Groß am Elfmeterpunkt den Ball nicht erwischte (15. Minute) und ein 35-Meter-Freistoß von Marcos Alvarez über das Tor (41.) waren die besten Möglichkeiten der Gäste vor der Pause. Auf der anderen Seite vergab Jonas Erwig-Drüppel nach einer starken Kombination über Florian Stütz und Pierre Merkel die größte Chance für die Oldenburger (20.).

„Es war absolut kein Klassenunterschied zu erkennen. Im Gegenteil: Osnabrück war ganz schwach“, meinte VfB-Innenverteidiger Franko Uzelac, dessen Team nach der Pause die Initiative übernahm, die Chancen von Merkel (47., Kopfball) und Marcel Gottschling (51., 18-Meter-Schuss) aber nicht verwertete.

Nach einer knappen Stunde spielte der VfL, dessen Fans vor dem Spiel am Haus der Oldenburger Faninitiative Scheiben eingeworfen und während der Partie kurz nach der Pause verbotenerweise Pyrotechnik abgebrannt hatten, seine Stärke bei Standardsituationen aus. Nach einer Ecke köpfte Tobias Willers das 1:0 für den VfL (59.).

„Osnabrück ist enorm kopfballstark und hat das einmal genutzt“, sagte Coach Uzelac, dessen Team danach Probleme hatte, mehr Akzente zu setzen. Erst nachdem Marcel Kandziorra das 2:0 verpasst hatte (67.), wurde es im VfL-Strafraum gefährlich. Ein Schuss von Alessandro Ficara prallte an die Latte und von dort nach unten. Schiedsrichter André Schönheit entschied nicht auf Tor (69.).

Erst in der Nachspielzeit fiel das umjubelte 1:1. Nils Laabs nutzte einen Fehler von VfL-Keeper Frank Lehmann, der sich vom VfB-Stürmer den Ball abnehmen ließ. „Das 1:1 war ein Schock für uns alle“, meinte Walpurgis, dessen Schützen im Elfmeterschießen aber die Nerven behielten. Alle Osnabrücker verwandelten sicher, Lehmann machte seinen Fehler wieder gut, indem er den ersten VfB-Versuch von Franko Uzelac parierte. Ein Schuss von Marius Winkelmann über das Tor besiegelte das Aus des Gastgeber. „Die Mannschaft hat mit Herz und Leidenschaft gekämpft“, sagte VfB-Sportleiter Julian Lüttmann: „So zu verlieren, ist dann zwei-, drei- oder sogar viermal so bitter.“

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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