Hamburg Intrigen, Machtkämpfe, Verrat: Einen Tag vor dem Neuanfang unter Heribert Bruchhagen haben die Chaos-Tage beim Hamburger SV ihren Höhepunkt erreicht. In Karl Gernandt ist der Aufsichtsrats-Vorsitzende des Krisen-Clubs überraschend und völlig verbittert zurückgetreten. Seine Abrechnung zum Abschied lässt tief in den Abgrund beim Fußball-Bundesligisten blicken.

„Zu viele bewusste Indiskretionen“ rund um die Entlassung des ehemaligen Vorstands-Vorsitzenden Dietmar Beiersdorfer hätten zum nächsten Knall an der Elbe geführt, sagte Gernandt am Dienstag: „Ich kann und werde nicht die Hauptverantwortung für so ein Verhalten tragen und bin entsetzt, mit welchen Kräften im Verein und im Aufsichtsrat die sportliche und langfristige Weiterentwicklung riskiert wird.“ Wenn „persönliche Motive über professionelles Verhalten gestellt werden“, sagte der enge Vertraute des Investors Klaus-Michael Kühne, „macht dies nachhaltige Führungsarbeit unmöglich“.

Nur 36 Stunden nach der Beiersdorfer-Entlassung mutierte der HSV damit zum Tollhaus. Die Trennung vom Clubchef hätte nämlich erst in der Winterpause vollzogen werden sollen, um die aufkommende sportliche Ruhe (zuletzt vier Spiele ohne Niederlage) nicht zu gefährden.

Doch dann waren in der Vorwoche trotz verabredeter „maximaler Diskretion“ Informationen über die „vertraulichen“ Gespräche zwischen dem HSV-Aufsichtsrat und Bruchhagen an die Öffentlichkeit gelangt. Gezielt gesteckt, um den HSV zu destabilisieren, glaubt Gernandt.

Der 56-Jährige arbeitet für das Unternehmen Kühne + Nagel und ist im Aufsichtsrat der verlängerte Arm von HSV-Investor Kühne. Der Manager war seit Mai 2014 Aufsichtsrats-Vorsitzender der damals neu gegründeten Fußball-AG und wird weiter zum Aufsichtsrat gehören.

Damit bleibt er auch der Verbindungsmann des Milliardärs, auf dessen Geld der verschuldete Verein auch im Winter wieder angewiesen ist. Bis zu einer Neuwahl werden die beiden Stellvertreter – Felix Goedhart und Jens Meier – abwechselnd den Vorsitz im sechsköpfigen Rat übernehmen.

Das Beben beim Bundesliga-Dino wird auch Bruchhagen überraschen, der an diesem Mittwoch eigentlich von Gernandt als neuer Vorstandschef beim Tabellen-16. vorgestellt werden sollte. Der ehemalige Club-Chef von Eintracht Frankfurt muss nun schnell einen sportlichen Leiter präsentieren, der die von Trainer Markus Gisdol geforderten Transfers in der Winterpause abschließen soll. Beiersdorfer ist offiziell noch bis zum 22. Dezember für die sportlichen Belange verantwortlich.

Wechselspiele

Seit Bildung der Fußball-AG im Juli 2014 gab es diverse Wechsel beim Fußball-Bundesligisten Hamburger SV. Innerhalb des vergangenen halben Jahres brach die komplette Führungsebene weg.

1.7.2014 Dietmar Beiersdorfer wird erster Vorstands-Vorsitzender der neuen Fußball-AG des Hamburger SV. 14.7.2014 Beiersdorfer beurlaubt Sportdirektor Oliver Kreuzer. Investor Klaus-Michael Kühne hatte ihn zuvor als „Drittliga-Manager“ bezeichnet. 15.9.2014 Trennung von Trainer Mirko Slomka nach dem dritten Spieltag. Nachwuchscoach Josef Zinnbauer kommt. 20.3.2015 Sportchef Peter Knäbel ersetzt für zwei Spiele Zinnbauer, dann fängt Bruno Labbadia als neuer Trainer an. 9.5.2016 Trennung von Peter Knäbel. Beiersdorfer übernimmt auch die sportliche Leitung. 25.9.2016 Beiersdorfer beurlaubt Labbadia. Einen Tag später fängt Markus Gisdol an. 8.11.2016 Mediendirektor Jörn Wolf verlässt nach 14 Jahren den Verein. 18.11.2016 Der für Marketing zuständige Vorstand Joachim Hilke gibt bekannt, dass er den Bundesligisten zum Jahresende verlässt. 11.12.2016 Der HSV gibt die Abberufung von Beiersdorfer durch den Aufsichtsrat bekannt. Er wird durch Heribert Bruchhagen ersetzt. 13.12.2016 Karl Gernandt tritt wegen Indiskretionen als Aufsichtsrats-Vorsitzender zurück. Er bleibt Mitglied des sechsköpfigen Gremiums. 14.12.2016 Bruchhagen nimmt seine Arbeit als Vorstands-Chef auf.

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