Straelen /Cloppenburg Inka Grings gab klare Anweisungen, sie feuerte ihre Spieler immer wieder an, wurde aber auch mal laut. Vor drei Kamerateams und ein paar Dutzend Zuschauern präsentierte sich die neue Trainerin des Regionalligisten SV Straelen bei ihrer ersten Einheit am Montagabend fokussiert und engagiert. Dass die 40-Jährige als erste Frau bei einem Männer-Verein aus den obersten vier Ligen das Kommando übernimmt, schien sie nicht weiter zu belasten.

Auf dem Trainingsplatz zu stehen sei „das, was ich möchte. Das ist das, was mir Spaß macht, wofür ich lebe. Von daher freue ich mich riesig und genieße es“, sagte Grings nach der Einheit. Dass nun eine Frau die Anweisungen gibt, sei für sie „völlig irrelevant. Ich bin Trainerin, von daher stellt sich mir die Frage nicht.“ Fußball sei „eine einfache Sportart und von daher wird es eine einfache Sprache sein“, meinte Grings.

Die 96-malige Nationalspielerin und zweimalige Europameisterin soll Aufsteiger Straelen vor dem Abstieg aus der Regionalliga West bewahren. Wenige Monate nach Imke Wübbenhorst beim Fünftligisten BV Cloppenburg sorgt die nächste Pionierin für Schlagzeilen. „Ich habe mit Martina als Trainerin hier gute Erfahrungen gemacht“, sagte Club-Mäzen Hermann Tecklenburg, Ehemann von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg: „Sie hat unheimlich viele Dinge gesehen und in den Pausen angesprochen, die mir so gar nicht aufgefallen waren. Daher wird das mit Inka gut klappen.“

„MVT“, einst Lebensgefährtin von Grings, hält große Stücke auf eine „ihrer besten Freundinnen“. Auf die Frage, wann erstmals eine Trainerin den Durchbruch in die Männer-Bundesliga schaffe, antwortete die Bundestrainerin jüngst: „Ich würde diesen Job Inka Grings zutrauen, vielleicht erst einmal über eine Station in der Regionalliga.“

Für diese Station nutzte Grings den Nachwuchsbereich als Sprungbrett. Bei Viktoria Köln trainierte die gebürtige Düsseldorferin bis zum vergangenen Sommer die U-17-Junioren. Zuvor hatte sie ihren Ex-Club MSV Duisburg in der Frauen-Bundesliga betreut.

„Das Tempo, der andere Umgang, mehr erreichen zu können – das ist das, wonach ich strebe“, sagte Grings bereits 2017 und betonte: „Natürlich will ich auch ein Stück weit Geschichte schreiben.“

Wie schnelllebig das Geschäft mitunter ist, hat Wübbenhorst bereits erfahren. Das vielbeachtete Engagement der 30-Jährigen beim Oberligisten in Cloppenburg endet im Sommer. Womöglich, weil sie sich für den Fußballlehrer-Lehrgang beworben hat und so eingeschränkter zur Verfügung stünde.

Erst vor Weihnachten war die frühere Bundesliga-Spielerin zur neuen Cheftrainerin des finanziell angeschlagenen Vereins berufen worden. Als erste Frau übernahm sie ein Traineramt im leistungsbezogenen Männerfußball und zog immenses Medieninteresse auf sich. Das dürfte am Samstag (14 Uhr) ganz ähnlich sein. Dann nämlich gibt Grings in Straelen ihr Debüt an der Seitenlinie, wenn der Tabellenachte SC Verl an der niederländischen Grenze zu Gast ist.

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