Hannover /Friesoythe Sieben Jahre ist es jetzt her, dass Bibiana Steinhaus deutsche Fußball-Geschichte schrieb. Am 21. September 2007, beim Zweitligaduell des SC Paderborn gegen 1899 Hoffenheim, leitete die Schiedsrichterin als erste Frau ein Profispiel der Männer. Was Hoffenheim und Paderborn später glückte, blieb Steinhaus bis heute verwehrt: Der Aufstieg in die Bundesliga. In der Eliteklasse kommt die 35-Jährige aus Hannover allenfalls als Vierte Offizielle zum Einsatz – so wie am Wochenende, übrigens wieder in Paderborn (beim Spiel gegen den SC Freiburg).

Zuletzt häuften sich die Stimmen derer, die sich fragen, warum Steinhaus noch keine Chance als Hauptschiedsrichterin in der Bundesliga erhalten hat. Der frühere Weltklasse-Referee Urs Meier (Schweiz) gilt als einer ihrer prominentesten Fürsprecher. Auch Heiner Neuenstein, ehemaliger Bundesliga-Schiedsrichter aus Friesoythe (Kreis Cloppenburg) glaubt, dass Steinhaus den Sprung ins Oberhaus schaffen kann. „Ich traue ihr das zu. Ohne jeden Zweifel“, sagt der 56-Jährige: „Wer sich in der zweiten Liga durchgesetzt hat, kann das auch in der ersten schaffen.“

56 Zweitliga-Spiele hat Steinhaus, die hauptberuflich in Hannover als Polizistin arbeitet, seit ihrem Debüt vor sieben Jahren inzwischen gepfiffen – in der laufenden Saison kam sie bislang viermal im Fußball-Unterhaus zum Einsatz. Im Fachmagazin „Kicker“, das für die Leistungen der Schiedsrichter bei jedem Spiel Schulnoten vergibt, steht für sie eine Durchschnittszensur von 3,75 im Protokoll.

Allerdings sind die „Kicker“-Noten nicht dafür maßgeblich, ob ein Schiedsrichter befördert wird oder nicht. So wird jeder Referee, der höherklassig pfeift, bei seinen Spielen von einem Schiedsrichter-Beobachter begleitet und bewertet. Auf Grundlage des hieraus resultierenden internen Rankings entscheidet die Schiedsrichter-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), welcher Unparteiische eine Liga auf- oder absteigt.

Dieses Leistungsprinzip müsse auch für Steinhaus gelten, betont Neuenstein. „Bibiana darf keine Bevorzugung erhalten, nur weil sie eine Frau ist. Das wäre den anderen männlichen Kollegen gegenüber unfair“, sagt der ehemalige DFB-Schiedsrichter (130 Einsätze) und Fifa-Assistent (50).

Aktive Unparteiische wollen sich nicht zu dem Thema äußern. Das Gleiche gilt für Steinhaus selbst, die über den DFB mitteilen ließ, dass sie momentan für keine Interviews zur Verfügung stehe. Eine Anfrage an die Schiedsrichter-Kommission des DFB blieb ebenfalls unbeantwortet. Die Vermutung, dass der Verband seine Spitzenschiedsrichterin vor dem Erstliga-Rummel schützen will, hält Neuenstein für abwegig: „Bibiana hat vor 40 000 Zuschauern auf dem Betzenberg in Kaiserslautern gepfiffen. Warum soll sie da nicht vor 20 000 Menschen in Paderborn bestehen können?“

Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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