Bottrop (dpa) - Ungewöhnliche Spitznamen sind für Fußballer nicht selten. Dass für einen Kicker aber eine eigene Währung eingeführt wird, ist allerdings eine Ausnahme.

Hans "Hannes" Bongartz, der am Montag 65 Jahre alt wird, kann auf beides verweisen: Für den früheren "Spargeltarzan" - so taufte ihn einst die "Bild"-Zeitung wegen seiner schlaksigen Figur - wurde die "Bongartz-Mark" erfunden.

Das war 1974, als der gebürtige Bonner vom Regionalligisten SG Wattenscheid zum benachbarten Bundesligisten FC Schalke 04 wechselte - für die damalige Rekordablöse von 770 000 Mark. Weil die Gelsenkirchener finanziell nicht gerade flüssig waren, erhöhte der Club kurzerhand die Eintrittspreise. "Wenn ich heute in Gelsenkirchen unterwegs bin, sprechen mich immer noch ältere Leute an: Junge, du schuldest mir noch zwei Mark", berichtet Bongartz lachend.

Auf Schalke wurde der technisch versierte Mittelfeldstratege sogar Nationalspieler. Das mit 3:5 nach Elfmeterschießen verlorene EM-Finale 1976 in Belgrad gegen die Tschechoslowakei, in dem Bongartz im Gegensatz zu Uli Hoeneß vom Punkt traf, war einer von allerdings nur vier Einsätzen im DFB-Trikot. "Es hätten mehr sein können, aber wenn ich etwas erreicht hatte, war ich vielleicht zu schnell zufrieden damit", meint Bongartz rückblickend.

Den Höhepunkt seiner Spielerlaufbahn erlebte der Erfinder des Übersteigers von 1978 an beim 1. FC Kaiserslautern, mit dem er regelmäßig im UEFA-Cup spielte und im Europapokal-Viertelfinale 1981/82 sogar die "Königlichen" von Real Madrid mit 5:0 vom Betzenberg nach Hause schickte.

Nach seinem Karriereende wegen eines Bandscheibenvorfalls im Jahr 1984 wurde Bongartz Trainer, erst in Kaiserslautern und dann in Wattenscheid, das er 1990 sensationell in die Bundesliga führte. "Mit Wattenscheid aufzusteigen war schwerer, als mit Bayern Meister zu werden", sagt Bongartz. Weitere Trainerstationen waren der MSV Duisburg, Borussia Mönchengladbach und als letzter Verein vor zehn Jahren die Sportfreunde Siegen.

Heute ist Bongartz, der mit seiner Familie in Bottrop lebt, dem Fußball nach wie vor eng verbunden und als selbstständiger Berater für überwiegend junge Spieler tätig. Als Trainer sieht er sich nicht mehr, "aber zu einem Angebot als Sportlicher Leiter bei einem gut geführten Verein hier in der Region würde ich nicht Nein sagen".

Neben dem Fußball gehört seine Leidenschaft den Pferden. Schon während seiner Schalker Zeit war Bongartz zusammen mit Klaus Fischer, Norbert Nigbur und dem inzwischen gestorbenen Rolf Rüssmann Dauergast auf der Trabrennbahn Gelsenkirchen. Seine Stute "El Conchita" fährt zwar inzwischen keine Rennen mehr, doch die Fohlen "El Amor" und "El Chippy" werden gerade für den Sport vorbereitet.

Seinen Ehrentag feiert Bongartz am Montag mit seiner Frau sowie den erwachsenen Töchtern Nathalie und Jacqueline. "Schön, dass die extra zu meinem Geburtstag am 3. Oktober einen Feiertag eingeführt haben", scherzt Bongartz.

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